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Weiterentwicklung des Gymnasiums (G8/G9)

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Weiterentwicklung des Gymnasiums (G8/G9)

Die Debatte um die Länge des gymnasialen Bildungsgangs (G8 oder G9) hat die schulpolitische Auseinandersetzung in Nordrhein-Westfalen – wie auch in anderen Bundesländern – seit fast 20 Jahren in unterschiedlicher Intensität geprägt. Trotz einer im Grundsatz politisch einvernehmlichen G8-Einführung im Jahr 2005 hat die praktische Umsetzung von G8 nicht dauerhaft die notwendige Akzeptanz an Schulen und in der Öffentlichkeit gefunden, um es als einzige Gymnasialoption fortzuführen. Dies hat – insbesondere seit 2015 – zu verstärkten politischen und bürgerschaftlichen Aktivitäten geführt.

CDU und FDP haben diese Entwicklung zur Kenntnis genommen und in ihrem Koalitionsvertrag mit einer Leitentscheidung für G9 hierauf reagiert. Diesen Beschluss setzt die Landesregierung Schritt für Schritt um. Die Leitentscheidung bedeutet, dass zum Schuljahr 2019/2020 alle Gymnasien zu G9 zurückkehren sollen, die sich nicht aktiv für eine Beibehaltung von G8 aussprechen. Die Aufrechterhaltung einer G8-Option ist dadurch begründet, dass es auch einen nennenswerten Anteil von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften gibt, die G8 positiv gegenüberstehen. Die NRW-Koalition setzt darauf, dass die Betroffenen vor Ort selbst am besten wissen, was ihren Bedürfnissen entspricht. Deshalb erhalten sie für den Umstellungszeitpunkt 2019/2020 die Freiheit, im Rahmen der Schulkonferenz mit einer Mehrheit von mehr als zwei Dritteln selbst über die Länge des gymnasialen Bildungsgangs an ihrer Schule zu entscheiden. Damit kann keine der Beteiligtengruppen (Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte) vollständig überstimmt werden, zentrale Rechte des Schulträgers bleiben gesichert.

Die Umstellung auf G 9 beginnt mit dem Schuljahr 2019/2020. Sie umfasst die Jahrgänge 5 und 6 des Gymnasiums, also auch die Kinder, die zum Schuljahr 2018/2019 im Gymnasium aufgenommen wurden. Eine Erstreckung auf weitere Jahrgänge erfolgt wegen der dann bereits fortgeschrittenen Schullaufbahn nicht.

Kommunale Kosten für die Umstellung fallen für die Vorbereitung zum Schuljahr 2026/2027 an, in dem der 6. Jahrgang des Jahres 2019/2020 in die 13. Klasse kommt. Höhere Kosten für die Lernmittelfreiheit fallen mit dem Schuljahr 2023/2024 an. Über die Höhe der Kosten verhandelt das Land mit den Kommunalen Spitzenverbänden unter Einschaltung eines Gutachters.

Durch die erweiterte Entscheidungsfreiheit der Schulen, eine sorgfältig vorbereitete und qualitativ abgesicherte Umstellung, einen dauerhaft verlässlichen Rahmen sowie eine gleichzeitige Stärkung der gymnasialen Bildung insgesamt soll die größtmögliche Akzeptanz bei den Beteiligten erreicht werden. Hierzu wurde und wird ein fachlicher Austausches mit den Beteiligten sowie mit den anderen Bundesländern vorgenommen. All diese Prozesse wie die Änderung des Schulgesetzes, der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen sowie der Kernlehrpläne sind sorgfältig geplant und werden gründlich umgesetzt. An dieser Stelle werden fortlaufend die Entscheidungen veröffentlicht, die die Landesregierung in Sachen gymnasialer Bildungsgang trifft.

Umstellung auf G9 als Leitentscheidung – Eckpunkte

Wann kehren die Gymnasien in NRW zurück zu G9?

Alle öffentlichen Gymnasien werden zum Schuljahr 2019/20 grundsätzlich auf den neunjährigen Bildungsgang (G9) umgestellt.

Gilt die Leitentscheidung auch für die privaten Schulen?

Den Trägern der Gymnasien in freier Trägerschaft steht es frei, ob sie ihre Schulen ab dem Schuljahr 2019/20 oder später nach einem neunjährigen oder nach einem achtjährigen Bildungsgang zum Abitur führen.

Für welche Jahrgänge gilt erstmalig das G9?

Die Umstellung umfasst die Klassen 5 und 6 des Schuljahres 2019/20.

Kann ein Gymnasium bei G8 bleiben?

Ja, die Gymnasien können einmalig ab dem Schuljahr 2019/20 den Verbleib bei G8 beschließen. Voraussetzung dafür ist eine Mehrheit von mehr als zwei Dritteln der Mitglieder der Schulkonferenz.

Haben Schüler und Eltern ein Mitspracherecht?

Ja, Schüler und Eltern haben als Teil der Schulkonferenz, die zu gleichen Teilen aus Schülern, Lehrern und Eltern besteht (Drittelparität), ein Mitspracherecht.

Wann entscheiden sich Schulen für den Verbleib bei G8?

Die Entscheidung für G8 muss spätestens bis zum 31.01.2019 getroffen werden.

Sind auch nach dem Schuljahr 2019/20 Umwandlungen von G8- in G9-Schulen und umgekehrt möglich?

Ja, Schulträger können nach dem Schuljahr 2019/20 aufgrund einer Bedürfnisprüfung nach den Regeln des Schulgesetzes G8- und G9-Gymnasien errichten sowie G9-Gymnasien in G8-Gymnasien umwandeln – und umgekehrt. Die Genehmigung erfolgt durch die Schulaufsicht.

Wie werden die Änderungen rechtlich verankert?

Das am 11. Juli 2018 vom Landtag verabschiedete „Gesetz zur Neuregelung der Dauer der Bildungsgänge im Gymnasium (13. Schulrechtsänderungsgesetz)“ nimmt die erforderlichen Änderungen im nordrhein-westfälischen Schulgesetz vor. Die Einzelregelungen zu den künftigen Bildungsgängen an Gymnasien, wie zum Beispiel Stundentafeln und Wochenstunden, werden in die Ausbildungs- und Prüfungsordnung – Sekundarstufe I (APO-SI) aufgenommen, die deshalb zum Teil überarbeitet wird.

Ab wann besteht der größere Raumbedarf in den Gymnasien?

Zusätzlicher Raumbedarf fällt in den Gymnasien frühestens zum Schuljahr 2026/27 an.

Gibt es einen Belastungsausgleich für die Schulträger?

Ja, der Landtag hat anerkannt, dass sich durch G9 wesentliche Belastungen für die Gemeinden und Kreise als Schulträger ergeben werden, die das Land ausgleichen wird. Vor allem geht es dabei um die Kosten der Schulträger für die Bereitstellung der Schulgebäude und -anlagen sowie um andere Kosten (z.B. Lernmittel, Schülerfahrkosten), die von den Schulträgern zu tragen sind. Mehrkosten, die den Gymnasien in freier Trägerschaft durch die Umstellung auf G9 entstehen, werden im Rahmen der Finanzierung der Ersatzschulen vom Land refinanziert. Die Landesregierung bereitet derzeit den Gesetzentwurf zum Belastungsausgleich vor.

Wie viele Wochenstunden sind vorgesehen?

Für Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang sollen insgesamt 188 Wochenstunden für die sechsjährige Sekundarstufe I vorgesehen werden, von denen 8 nicht verbindlich sein werden. Damit soll den Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang die gleiche Anzahl an Wochenstunden zur Verfügung gestellt werden wie den anderen Schulformen der Sekundarstufe I. Ein Betrieb ohne verpflichtenden Nachmittagsunterricht wird damit genauso möglich sein wie die Einrichtung oder Beibehaltung schulischer Profile und die besondere Förderung leistungsstarker wie leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler. Mit Blick auf besondere Profile eines Gymnasiums (bilingual, MINT etc.) sollen die Schulen auf Basis eines Schulkonferenzbeschlusses auch über 180 Wochenstunden hinausgehende Unterrichtsverpflichtungen verbindlich machen können.

Wann setzt die zweite Fremdsprache ein?

Der Beginn des Unterrichts in der zweiten Fremdsprache soll mit Wirkung zum Schuljahr 2019/20 für die dann in Klasse 5 und 6 befindlichen Schülerinnen und Schüler auf die Klasse 7 verschoben werden. An Gymnasien, die beim achtjährigen Bildungsgang bleiben wollen, soll die zweite Fremdsprache weiterhin in Klasse 6 einsetzen. Im Wahlpflichtbereich (G8: Klasse 8/9, G9: Klasse 9/10) sowie mit Beginn der Einführungsphase können Schülerinnen und Schüler eine weitere neu einsetzende Fremdsprache erlernen.

Welche Regelungen sind für den Wahlpflichtunterricht vorgesehen?

Der Wahlpflichtunterricht am Gymnasium soll zweijährig bleiben, aber aufgrund der künftig sechsjährigen Sekundarstufe I an Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang erst ab Klasse 9 einsetzen. Die Möglichkeit, eine dritte Fremdsprache zu erlernen, würde auf diese Weise im bisherigen Abstand von zwei Jahren zum Einsetzen der zweiten Fremdsprache gehalten. Im achtjährigen Gymnasium setzt der Wahlpflichtunterricht unverändert ab Klasse 8 ein.

Können Schülerinnen und Schüler eine Klasse überspringen?

Ja, leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können nach der Erprobungsstufe jeweils zum Ende eines Schulhalbjahres oder Schuljahres vorversetzt werden, also eine Klasse „überspringen“. Im Interesse einer optimalen Förderung der Schülerinnen und Schüler sollen die Schulen Konzepte entwickeln, um ein Überspringen – individuell oder auch in Gruppen – aktiv zu fördern und zu begleiten.

Wann erwerben Schülerinnen und Schüler den mittleren Schulabschluss?

Schülerinnen und Schüler der Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang erwerben am Ende der Klasse 10 mit der Versetzung in die gymnasiale Oberstufe den mittleren Schulabschluss. In diesem Zusammenhang nehmen sie ab dem Schuljahr 2023/24 wie alle anderen Schülerinnen und Schüler anderer Schulformen mit sechsjähriger Sekundarstufe I an den Zentralen Prüfungen in Klasse 10 (ZP 10) teil. Schülerinnen und Schüler der Gymnasien mit achtjährigem Bildungsgang erwerben den mittleren Schulabschluss wie bisher am Ende der Einführungsphase in der gymnasialen Oberstufe durch Versetzung in die Qualifikationsphase.

Wann treten die neuen Kernlehrpläne in Kraft?

Die neuen Kernlehrpläne für die Sekundarstufe I des Gymnasiums treten am 01.08.2019 in Kraft.

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