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Weiterentwicklung des Gymnasiums (G8/G9)

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Weiterentwicklung des Gymnasiums (G8/G9)

 (© MSB NRW)

Erklärfilm "Das neue G9" (© MSB NRW)

Die Debatte um die Länge des gymnasialen Bildungsgangs (G8 oder G9) hat die schulpolitische Auseinandersetzung in Nordrhein-Westfalen – wie auch in anderen Bundesländern – seit fast 20 Jahren in unterschiedlicher Intensität geprägt. Trotz einer im Grundsatz politisch einvernehmlichen G8-Einführung im Jahr 2005 hat die praktische Umsetzung von G8 nicht dauerhaft die notwendige Akzeptanz an Schulen und in der Öffentlichkeit gefunden, um es als einzige Gymnasialoption fortzuführen. Dies hat – insbesondere seit 2015 – zu verstärkten politischen und bürgerschaftlichen Aktivitäten geführt.

CDU und FDP haben diese Entwicklung zur Kenntnis genommen und in ihrem Koalitionsvertrag mit einer Leitentscheidung für G9 hierauf reagiert. Diesen Beschluss setzt die Landesregierung Schritt für Schritt um. Die Leitentscheidung bedeutet, dass zum Schuljahr 2019/2020 alle Gymnasien zu G9 zurückkehren sollen, die sich nicht aktiv für eine Beibehaltung von G8 aussprechen. Die Aufrechterhaltung einer G8-Option ist dadurch begründet, dass es auch einen nennenswerten Anteil von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften gibt, die G8 positiv gegenüberstehen. Die NRW-Koalition setzt darauf, dass die Betroffenen vor Ort selbst am besten wissen, was ihren Bedürfnissen entspricht. Deshalb erhalten sie für den Umstellungszeitpunkt 2019/2020 die Freiheit, im Rahmen der Schulkonferenz mit einer Mehrheit von mehr als zwei Dritteln selbst über die Länge des gymnasialen Bildungsgangs an ihrer Schule zu entscheiden. Damit kann keine der Beteiligtengruppen (Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte) vollständig überstimmt werden, zentrale Rechte des Schulträgers bleiben gesichert.

Die Umstellung auf G 9 beginnt mit dem Schuljahr 2019/2020. Sie umfasst die Jahrgänge 5 und 6 des Gymnasiums, also auch die Kinder, die zum Schuljahr 2018/2019 im Gymnasium aufgenommen wurden. Eine Erstreckung auf weitere Jahrgänge erfolgt wegen der dann bereits fortgeschrittenen Schullaufbahn nicht.

Kommunale Kosten für die Umstellung fallen für die Vorbereitung zum Schuljahr 2026/2027 an, in dem der 6. Jahrgang des Jahres 2019/2020 in die 13. Klasse kommt. Höhere Kosten für die Lernmittelfreiheit fallen mit dem Schuljahr 2023/2024 an. Über die Höhe der Kosten verhandelt das Land mit den Kommunalen Spitzenverbänden unter Einschaltung eines Gutachters.

Durch die erweiterte Entscheidungsfreiheit der Schulen, eine sorgfältig vorbereitete und qualitativ abgesicherte Umstellung, einen dauerhaft verlässlichen Rahmen sowie eine gleichzeitige Stärkung der gymnasialen Bildung insgesamt soll die größtmögliche Akzeptanz bei den Beteiligten erreicht werden. Hierzu wurde und wird ein fachlicher Austausches mit den Beteiligten sowie mit den anderen Bundesländern vorgenommen. All diese Prozesse wie die Änderung des Schulgesetzes, der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen sowie der Kernlehrpläne sind sorgfältig geplant und werden gründlich umgesetzt. An dieser Stelle werden fortlaufend die Entscheidungen veröffentlicht, die die Landesregierung in Sachen gymnasialer Bildungsgang trifft.

Umstellung auf G9 als Leitentscheidung – Fragen und Antworten

Wie werden die Änderungen rechtlich verankert?

Das am 11. Juli 2018 vom Landtag verabschiedete „Gesetz zur Neuregelung der Dauer der Bildungsgänge im Gymnasium (13. Schulrechtsänderungsgesetz)“ nimmt die erforderlichen Änderungen im nordrhein-westfälischen Schulgesetz vor. Die Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I (APO-S I), welche unter anderem für den neunjährigen Bildungsgang am Gymnasium überarbeitet wurde, tritt nach erfolgter Billigung durch den Landtagsausschuss für Schule und Bildung (19.06.2019) zum 01.08.2019 in Kraft. Darin werden die Einzelheiten zum achtjährigen und zum künftigen neunjährigen Bildungsgang an Gymnasien, wie zum Beispiel Stundentafeln und Wochenstunden, geregelt.

Kann ein Gymnasium bei G8 bleiben?

Die Gymnasien konnten einmalig bis zum 31.01.2019 den Verbleib bei G8 beschließen. Voraussetzung dafür war eine Mehrheit von mehr als zwei Dritteln der Mitglieder der Schulkonferenz.

Haben Schüler und Eltern ein Mitspracherecht?

Ja, Schüler und Eltern haben als Teil der Schulkonferenz, die zu gleichen Teilen aus Schülern, Lehrern und Eltern besteht (Drittelparität), ein Mitspracherecht.

Wann kehren die Gymnasien in NRW zurück zu G9?

Alle öffentlichen Gymnasien werden zum Schuljahr 2019/20 grundsätzlich auf den neunjährigen Bildungsgang (G9) umgestellt.

Für welche Jahrgänge gilt erstmalig das G9?

Die Umstellung umfasst die Klassen 5 und 6 des Schuljahres 2019/20.

Sind auch nach dem Schuljahr 2019/20 Umwandlungen von G8- in G9-Schulen und umgekehrt möglich?

Ja, Schulträger können nach dem Schuljahr 2019/20 aufgrund einer Bedürfnisprüfung nach den Regeln des Schulgesetzes G8- und G9-Gymnasien errichten sowie G9-Gymnasien in G8-Gymnasien umwandeln – und umgekehrt. Die Genehmigung erfolgt durch die Schulaufsicht.

Gilt die Leitentscheidung auch für die privaten Schulen?

Den Trägern der Gymnasien in freier Trägerschaft steht es frei, ob sie ihre Schulen ab dem Schuljahr 2019/20 oder später nach einem neunjährigen oder nach einem achtjährigen Bildungsgang zum Abitur führen.

Ab wann besteht der größere Raumbedarf in den Gymnasien?

Zusätzlicher Raumbedarf fällt in den Gymnasien frühestens zum Schuljahr 2026/27 an.

Gibt es einen Belastungsausgleich für die Schulträger?

Ja, der Landtag hat anerkannt, dass sich durch G9 wesentliche Belastungen für die Gemeinden und Kreise als Schulträger ergeben werden, die das Land ausgleichen wird. Vor allem geht es dabei um die Kosten der Schulträger für die Bereitstellung der Schulgebäude und -anlagen sowie um andere Kosten (z.B. Lernmittel, Schülerfahrkosten), die von den Schulträgern zu tragen sind. Mehrkosten, die den Gymnasien in freier Trägerschaft durch die Umstellung auf G9 entstehen, werden im Rahmen der Finanzierung der Ersatzschulen vom Land refinanziert. Das „Gesetz zur Regelung der Bildungsgänge im Gymnasium (Belastungsausgleichsgesetz G9-BAG-G9)“ wurde vom Landtag beschlossen und tritt zum 01.08.2019 in Kraft.

Wann erwerben Schülerinnen und Schüler den mittleren Schulabschluss?

Schülerinnen und Schüler der Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang erwerben am Ende der Klasse 10 mit der Versetzung in die gymnasiale Oberstufe den mittleren Schulabschluss. In diesem Zusammenhang nehmen sie ab dem Schuljahr 2023/24 wie alle anderen Schülerinnen und Schüler anderer Schulformen mit sechsjähriger Sekundarstufe I an den Zentralen Prüfungen in Klasse 10 (ZP 10) teil. Schülerinnen und Schüler der Gymnasien mit achtjährigem Bildungsgang erwerben den mittleren Schulabschluss wie bisher am Ende der Einführungsphase in der gymnasialen Oberstufe durch Versetzung in die Qualifikationsphase.

Welche curriculare Grundlage gilt für die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums?

Für die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Klassen 5 und 6 des Schuljahres 2019/2020 sowie alle nachfolgenden Jahrgänge gelten die neuen Kernlehrpläne für die Sekundarstufe I des Gymnasiums (vgl. https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplannavigator-s-i/gymnasium-aufsteigend-ab-2019-20/index.html). Für alle höheren Jahrgänge gelten auslaufend die alten G8-Kernlehrpläne (vgl. https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplannavigator-s-i/gymnasium-g8-auslaufend-bis-2021-22/index.html). Die erst 2014 in Kraft gesetzten Kernlehrpläne für die gymnasiale Oberstufe (vgl. https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplannavigator-s-ii/gymnasiale-oberstufe/index.html) behalten bis auf Weiteres Ihre Gültigkeit.

Wie sieht die neue G9-Stundentafel aus?

Sie finden die neue G9-Stundentafel als integralen Bestandteil der Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I hier

Wozu dienen Ergänzungsstunden?

Die Ergänzungsstunden werden vorrangig für die Intensivierung der individuellen Förderung der Kompetenzen in Deutsch, Mathematik, den Fremdsprachen oder in den Naturwissenschaften verwendet, insbesondere, wenn damit eine Klassenwiederholung oder ein Schulformwechsel vermieden werden kann. Darüber hinaus können Schulen Ergänzungsstunden zur Profilbildung verwenden sowie – auf Basis der Öffnung der Ergänzungsstundenregelung (vgl. § 3 Abs. 3 Satz 2 APO-S I) – weitere schulische Angebote unterbreiten. Von den in der Stundentafel vorgesehenen Ergänzungsstunden sind am Gymnasium mit neunjährigem Bildungsgang acht, am Gymnasium mit achtjährigem Bildungsgang fünf Stunden nicht für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Die Schulkonferenz beschließt ein Konzept für die Verwendung der Ergänzungsstunden auf Vorschlag der Schulleiterin oder des Schulleiters.

Wie viele Wochenstunden sind vorgesehen?

Für die sechsjährige Sekundarstufe I der Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang sind insgesamt 188 Wochenstunden (180 Kernstunden und 8 Ergänzungsstunden) vorgesehen. Damit wird den Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang die gleiche Anzahl an Wochenstunden zur Verfügung gestellt wie den anderen Schulformen der Sekundarstufe I. Ein Betrieb nahezu ohne verpflichtenden Nachmittagsunterricht ist damit möglich. Zudem kann aber auch die Einrichtung oder Beibehaltung schulischer Profile und die besondere Förderung leistungsstarker wie leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler realisiert werden, was für diese Schülerinnen und Schüler zu gelegentlichem Unterricht am Nachmittag führt. Denn durch den Rückgriff auf bis zu 8 Ergänzungsstunden kann für Schülerinnen und Schüler an Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang auch über 180 Wochenstunden hinausgehender Unterricht verbindlich gemacht werden, um beispielsweise eine schulische Profilbildung (bilingual, MINT etc.) zu unterstützen. Die Schulkonferenz beschließt ein Konzept für die Verwendung der Ergänzungsstunden auf Vorschlag der Schulleiterin oder des Schulleiters.

Wann setzt die zweite Fremdsprache ein?

Der Beginn des Unterrichts in der zweiten Fremdsprache am Gymnasium mit neunjährigem Bildungsgang wird von der Klasse 6 in die Klasse 7 verschoben. Diese Regelung gilt zum Schuljahr 2019/20 erstmalig für die dann in Klasse 5 und 6 befindlichen Schülerinnen und Schüler. An Gymnasien, die beim achtjährigen Bildungsgang bleiben, setzt die zweite Fremdsprache weiterhin in Klasse 6 ein. Im Wahlpflichtbereich (G8: Klassen 8 und 9; G9: Klassen 9 und 10) sowie mit Beginn der Einführungsphase können Schülerinnen und Schüler weitere neu einsetzende Fremdsprachen erlernen.

Welche Regelungen sind für den Wahlpflichtunterricht vorgesehen?

Im Wahlpflichtunterricht der Klassen 9 und 10 am Gymnasium mit neunjährigem Bildungsgang und der Klassen 8 und 9 am Gymnasium mit achtjährigem Bildungsgang bietet die Schule mindestens eine dritte Fremdsprache und das Fach Informatik oder eine Fachkombination mit Informatik an. Daneben kann sie alle weiteren Fächer oder Fächerkombinationen anbieten, welche die Ausbildungs- und Prüfungsordnungen für die Sekundarstufe I und die gymnasiale Oberstufe vorsehen.

Können Schülerinnen und Schüler eine Klasse überspringen?

Ja, leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können nach der Erprobungsstufe jeweils zum Ende eines Schulhalbjahres oder Schuljahres vorversetzt werden, also eine Klasse „überspringen“. Die überarbeitete Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I (APO-S I) ermöglicht prinzipiell folgende drei Varianten:

  1. individuelle Vorversetzung,
  2. Zusammenfassung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler nach der Erprobungsstufe in Gruppen, die auf Grund individueller Vorversetzung eine Klasse überspringen oder übersprungen haben,
  3. Verkürzung der Schulzeit leistungsstarker Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 in Form eigener „Profilklassen“ (wahlweise durch „Vorarbeiten“ der gymnasialen Einführungsphase in den Klassenstufen 7-10 oder durch „Vorarbeiten“ der Klasse 10 in den Klassenstufen 7-9).

Die Realisation der unter Ziffer 3 genannten Variante beruht auf einer Entscheidung der Schulkonferenz, die vor dem Hintergrund der spezifischen schulischen Standortbedingungen getroffen wird.  Die Entscheidung bedarf der Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde. Die Schulleitung kann die Ausführung des Schulkonferenzbeschlusses für einen Jahrgang ablehnen, wenn organisatorische Gründe dem entgegenstehen.

Wie erfolgt die Stärkung der informatischen Bildung in der Sekundarstufe I?

Die neuen Kernlehrpläne der Sekundarstufe I des Gymnasiums leisten einen wichtigen Beitrag zum Lernen in der digitalen Welt. Sie setzen in der Breite der Fächer die Anforderungen des Medienkompetenzrahmens (MKR) um. Im Bereich der G9-Stundentafel haben Gymnasien – gemäß Fußnote 2 – darüber hinaus die Option, bis zu 2 Stunden aus dem Stundenkontingent des Lernbereichs „Naturwissenschaften“ für ein schulisches Angebot der informatischen Bildung zu verwenden. Ein solches Angebot kann wahlweise ein abgekoppeltes, selbstständiges Format sein oder an den naturwissenschaftlichen Fachunterricht angebunden werden. Die Teilnahme an einem Angebot der informatischen Bildung wird auf dem Zeugnis unter der Rubrik „Bemerkungen“ bescheinigt. Daneben können Ergänzungsstunden verwendet werden, um weitere Informatikangebote einzurichten.

Im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts der Klassen 9 und 10 am Gymnasium mit neunjährigem Bildungsgang und der Klassen 8 und 9 am Gymnasium mit achtjährigem Bildungsgang muss die Schule zudem das Fach Informatik oder eine Fachkombination mit Informatik anbieten.

Wozu dienen individuelle Lern- und Förderempfehlungen und sind Förderpläne weiterhin verbindlich?

Gemäß § 50 Absatz 3 Schulgesetz NRW wird Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I, deren Versetzung gefährdet ist, zum Ende des Schulhalbjahres eine individuelle Lern- und Förderempfehlung mit dem Ziel gegeben, vorhandene Lern- und Leistungsdefizite zu beheben. Der Anspruch auf eine individuelle Lern- und Förderempfehlung existiert auch im Falle der Nichtversetzung zum Ende des Schuljahres. Die Schule informiert die Eltern in geeigneter Weise über Möglichkeiten zur notwendigen Förderung und bietet den Eltern ein Beratungsgespräch an. Der Schülerin oder dem Schüler ist in der Regel die Gelegenheit zur Teilnahme an dem Beratungsgespräch zu geben. Die verpflichtende Erstellung von individuellen Förderplänen entfällt künftig.

Wie gestaltet sich angesichts der in der Regel fehlenden Einführungsphase am Gymnasium (Schuljahr 2023/24) der Wechsel von Schülerinnen und Schülern anderer Schulformen, die ihre Schullaufbahn nach Abschluss der Klasse 10 in der gymnasialen Oberstufe

Angesichts unterschiedlicher Rahmenbedingungen vor Ort werden mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf konkrete Maßnahmen zwischen Schulträger, Schulaufsicht und Schulen abgestimmt und Absprachen gegebenenfalls auch schulträgerübergreifend getroffen.

Folgende Optionen können für die beschriebene Fallgruppe „Seiteneinsteiger aus nicht-gymnasialen Schulformen“ für das Schuljahr 2023/24 in den Blick genommen werden:

-        Wechsel in die gymnasiale Oberstufe von Gesamtschulen.

-        Wechsel an berufliche Gymnasien.

-        Andockung an Springergruppen in G9-Gymnasien.

-        Einfädelung in die gymnasiale Oberstufe grundständiger G8-Gymnasien, vorhandener G9-Schulversuchsgymnasien oder vorhandener Aufbaugymnasien (jeweils sofern in der Nähe erreichbar).

Insbesondere dann, wenn in zumutbarer Entfernung keine der genannten Möglichkeiten erreichbar ist oder die Aufnahmekapazitäten der genannten Schulen erschöpft sind, ist zu prüfen, ob ein Jahrgang ausschließlich aus Seiteneinsteigern und Rückläufern des letzten G8-Jahrgangs gebildet werden kann. Dies kann insbesondere dann eine auch schulfachlich vertretbare Option sein, wenn ggf. durch regionale Bündelung eine hinreichende Anzahl von Schülerinnen und Schülern für die Unterbreitung eines angemessenen Kursangebots in der gymnasialen Oberstufe auch für diesen Jahrgang zusammenkommt.

Welche Eingliederungsmöglichkeiten bestehen für Wiederholer des letzten G8-Jahrgangs?

Nach § 50 Abs. 3 Schulgesetz NRW ist die Versetzung der Regelfall. Nicht nur, aber insbesondere in Zeiten einer Systemumstellung sollten Maßnahmen der individuellen Förderung dazu beitragen, eine Nichtversetzung nach Möglichkeit zu vermeiden. Sollte dies am Ende der Erprobungsstufe (Klasse 6) trotz aller Bemühungen gleichwohl nicht gelingen und die Defizite der Schülerin bzw. des Schülers so groß sein, dass sie bzw. er das Klassenziel verfehlt, bestehen folgende Möglichkeiten: a) Wiederholung der Klasse 6 am Gymnasium mit 9-jährigem Bildungsgang oder b) Wechsel in Klasse 7 einer nicht-gymnasialen Schulform. Wenn bereits in der Erprobungsstufe Schwierigkeiten beim Erreichen des Klassenziels bestehen, sollte von allen Beteiligten besonders sorgfältig geprüft werden, ob die Anforderungen des achtjährigen gymnasialen Bildungsgangs für das Kind dauerhaft adäquat sind. Ein Wechsel in einen längeren, ggf. ebenfalls zum Abitur führenden Bildungsgang könnte in diesem Fall die bessere Lösung sein. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Regelung, dass am Ende der Klasse 8 die letztmalige Möglichkeit zum Wechsel des Bildungsgangs besteht (vgl. § 13 Abs. 3 APO-SI).

Wie stärkt die Landesregierung die Gestaltungsfreiheit der Schulen?

Die Landesregierung unterstützt die schulische Gestaltungsfreiheit mittels einer Vielzahl neu geschaffener Flexibilisierungsmöglichkeiten und Öffnungsklauseln. Dazu zählen insbesondere:

-        die Öffnung des Wahlpflichtbereichs,
-        die flexible Verwendung von Ergänzungsstunden,
-        die Flexibilisierung des Wochenstundenrahmens,
-        die Verschiebung der Kernstunden,
-        flexible Gestaltung von Pausenzeiten,
-        die Einrichtung von Profilklassen,
-        das Angebot der informatischen Bildung,
-        der Entfall der Verbindlichkeit von Förderplänen.

Sind Ergänzungsstunden in Anzahl und spezifischer Verwendung immer gleichermaßen für alle Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs verbindlich?

Nein, auch hier haben die Gymnasien Gestaltungsfreiheit. Ergänzungsstunden können zur individuellen Förderung, zur schulischen Profilbildung, aber auch zur persönlichen Schwerpunktsetzung verwendet werden. Die Schule kann mit Hilfe von Ergänzungsstunden sowohl Angebote für individuelle Bedarfslagen und Neigungen unterbreiten als auch auf unterschiedliche Leistungsniveaus in bestimmen Fächern / Lernbereichen reagieren. Schulen können die Anzahl der verbindlichen Ergänzungsstunden für Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs unterschiedlich bestimmen und auch die inhaltliche Ausrichtung von Ergänzungsstunden beispielsweise zur Umsetzung unterschiedlicher Profilbildungen (z.B. Sprachenprofil, MINT-Profil) innerhalb eines Jahrgangs flexibel handhaben.

Welche Flexibilisierungsmöglichkeiten enthält die neue G9-Stundentafel im Bereich der Kernstunden?

Für die sechsjährige Sekundarstufe I der Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang sind insgesamt 188 Wochenstunden (180 Kernstunden und 8 Ergänzungsstunden) vorgesehen. Von den 180 Kernstunden entfallen 57 Kernstunden auf die Klassen 5 und 6 sowie 123 Kernstunden auf die Klassen 7 bis 10. Gemäß Fußnote 6 der G9-Stundentafel können nach Beschluss der Schulkonferenz bis zu zwei Kernstunden aus dem Kontingent 7 bis 10 in das Kontingent 5 und 6 verschoben werden. Die curricularen Standards sind dabei uneingeschränkt zu wahren.

In welchem Fall kann der Wochenstundenrahmen überschritten werden?

Die neue G9-Stundentafel sieht für die Klassen 5 und 6 einen Wochenstundenrahmen von 28-30 Stunden vor. In den Klassen 7 bis 10 erstreckt sich der Wochenstundenrahmen auf 30-33 Stunden. Gemäß Fußnote 8 der G9-Stundentafel kann die Schulkonferenz ein geringfügiges Überschreiten des Wochenstundenrahmens in den Klassen 5 und 6 zur Umsetzung besonderer schulischer Profile (z.B. im Rahmen eines bilingualen Zweiges) beschließen.

Kann die zweite Fremdsprache auch schon ab Klasse 5 unterrichtet werden?

Ja, Schulen können sich für das Einsetzen der zweiten Fremdsprache in Klasse 5 entscheiden. In diesem Fall gelten für das Fach Englisch und die jeweilige zweite Fremdsprache mindestens diejenigen Stundenwerte, welche in der neuen G9-Stundentafel in Klammern ausgewiesen werden. Außerdem ist gemäß Fußnote 3 der G9-Stundentafel der zusätzliche Einsatz von Ergänzungsstunden zur Erreichung eines angemessenen Fremdsprachenvolumens in der Erprobungsstufe erforderlich.

Wie kann eine quantitative Gleichbehandlung der Einzelfächer im Lernbereich Gesellschaftslehre sichergestellt werden?

Vor dem Hintergrund einer gesicherten fachbezogenen Mindeststundenzahl durch die neue G9-Stundentafel kann durch die Öffnung der Ergänzungsstundenregelung (vgl. § 3 Abs. 3 Satz 2 APO-SI) auch künftig eine Gleichbehandlung erreicht werden. So kann z.B. durch die Verwendung einer Ergänzungsstunde für das Fach Erdkunde ein Unterricht mit jeweils 8 Jahreswochenstunden (24 Jahreswochenstunden) für alle Fächer des Lernbereichs Gesellschaftslehre (Erdkunde, Geschichte, Wirtschaft-Politik) erreicht werden.

Welche Möglichkeiten haben Schulen bei der flexiblen Gestaltung der Pausenzeiten?

Die tägliche Unterrichtszeit am Vor- und Nachmittag beträgt in der Sekundarstufe I maximal 360 Minuten; davon entfallen nicht mehr als 300 Minuten auf den Vormittagsunterricht. Für die Gliederung des Vormittagsunterrichts sollen Pausenzeiten von insgesamt wenigstens 40 Minuten, darunter mindestens eine Pausenzeit von wenigstens 15 Minuten, vorgesehen werden. Die Mittagspause zwischen dem Vormittagsunterricht und dem Nachmittagsunterricht dauert 60 Minuten und schließt sich an die Unterrichtszeit am Vormittag an. Unterschreitungen von höchstens 15 Minuten und geringfügige Überschreitungen sind aus organisatorischen Gründen mit Zustimmung der Schulkonferenz zulässig.

Für das Schuljahr 2019/2020 kann die Schulkonferenz im Einvernehmen mit dem Schulträger zur Erprobung veränderter Unterrichtsorganisation abweichend von der oben skizzierten Regelung beschließen, dass am Vormittag in der Sekundarstufe I 315 Minuten Unterricht erteilt wird. Nähere Informationen enthält der Runderlass „Unterrichtsbeginn, Verteilung der Wochenstunden, Fünf-Tage-Woche, Klassenarbeiten und Hausaufgaben an allgemeinbildenden Schulen“ vom 15.05.2015.

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