Schulversuch Informatik

Gute Praxis - Neuer Schulversuch „Fachoberschule für Informatik“ bereitet auf die digitale Zukunft vor

An insgesamt zehn Berufskollegs erwerben Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Schulabschluss in dem neuen Bildungsgang in zwei Jahren die Fachhochschulreife sowie berufliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Bereich Informatik.

Verschiedene Berufskollegs aus allen fünf Bezirksregierungen in NRW nehmen seit Beginn des Schuljahrs 2020/2021 an einem neuen Schulversuch teil. In einer bundesweit erstmals eigenständigen „Fachoberschule für Informatik“ werden die Fachkräfte von morgen bestens auf die moderne IT-Welt vorbereitet. Der Zeitpunkt zum Start des Schulversuchs ist gerade auch im Kontext der Neuordnung der dualen IT-Berufe sinnvoll.

Grundlagen des Schulversuchs

Der Schulversuch geht auf einen Beschluss des nordrhein-westfälischen Landtags zurück. In dem Antrag „Berufliche Bildung im digitalen Zeitalter sichern – Fachoberschule für Informatik ermöglichen“ wurde 2019 festgestellt, dass Unternehmensprozesse in Zukunft immer stärker durch die Informationstechnologien bestimmt sind. Die Kompetenzanforderungen der Arbeitswelt 4.0 an die Schulabsolventinnen und -absolventen der nächsten Jahre werden andere sein, als sie heute benötigt werden.

Bislang gibt es in der dualen IT-Ausbildung, die aktuell neu geordnet wurde, einen hohen Anteil von Jugendlichen mit Hochschulzugangsberechtigung bei weiterwachsendem Fachkräftebedarf. Gleichzeitig finden nur wenige Jugendliche mit einem mittleren Schulabschluss einen Ausbildungsplatz in diesem Berufsfeld, was auch an dem hohen Anforderungsniveau liegt. Daher richtet sich das Augenmerk auf spezielle informationstechnische Bildungsgänge, die in besonderer Weise geeignet sind, junge Menschen für Informatik zu begeistern.

Um diese Zielgruppe an den Berufskollegs optimal zu fördern, hat die Landesregierung nun mit der „Fachoberschule für Informatik“ ein neues attraktives Bildungsangebot geschaffen. Damit wird man auch der Dringlichkeit des Themas Digitalisierung gerecht, die nicht nur in der beruflichen Bildung allgemein auf der Agenda steht, sondern durch die Folgen der Corona-Pandemie noch deutlicher geworden ist.

Standorte und Unterricht

Der neue zweijährige Bildungsgang wird ab dem Schuljahr 2020/2021 an insgesamt zehn Standorten erprobt. Alle fünf Bezirksregierungen sind mit jeweils zwei Standorten vertreten. Die zukünftigen Absolventinnen und Absolventen finden eine gesicherte Arbeitsmarktsituation vor und sind bestens auf ein Studium oder eine Ausbildung im IT-Bereich vorbereitet. Dafür müssen sie zunächst umfangreiche (digitale) Kompetenzen erwerben. Unterrichtet werden die Schülerinnen und Schüler unter anderem in den sogenannten „Profilfächern“ Softwareentwicklung und
-engineering, Datenbanken und Betriebssysteme / Netzwerke. Neben diesen berufsbezogenen Fächern tragen auch projektorientierter Unterricht sowie weitere Fächer wie Mathematik, Physik und Wirtschaftslehre zur beruflichen Qualifizierung oder Studienvorbereitung bei. Neben den curricularen Grundlagen ergänzen Handreichungen, u.a. zum Praktikum, das Angebot. Alle Materialien wurden bei der QUA-LiS NRW durch entsprechende Fachlehrkräfte in Bildungsplankommissionen entwickelt.

Einen ganz wesentlichen Bestandteil in der Fachoberschule für Informatik bildet auch die Fachpraxis. Dazu stellen regionale IT-Unternehmen Praktikumsplätze für die praktische Tätigkeit im ersten Jahr der Fachoberschule zur Verfügung.

Am Ende der Jahrgangsstufe 12 erwerben die Schülerinnen und Schüler nach erfolgreich absolvierter Abschlussprüfung die Fachhochschulreife.

Regierungsbezirk Arnsberg Berufskolleg für Technik des Märkischen Kreises in Lüdenscheid Robert-Bosch-Berufskolleg Dortmund
Regierungsbezirk Detmold Berufskolleg Lübbecke

Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg Detmold

Regierungsbezirk Düsseldorf

Heinrich-Hertz-Berufskolleg Düsseldorf Heinz-Nixdorf-Berufskolleg Essen

Regierungsbezirk Köln

Heinrich-Hertz-Europakolleg der Stadt Bonn Georg-Simon-Ohm-Berufskolleg der Stadt Köln
Regierungsbezirk Münster Kaufmännischen Berufskolleg Tecklenburger Land in Ibbenbüren Berufskolleg Ostvest in Datteln

Warum ein Schulversuch?

Die Fachoberschule ist ein neuer Schulversuch an den Berufskollegs im MINT-Bereich. Er ergänzt insoweit die aktuell in der Erprobung befindliche Berufsfachschule für Ingenieurtechnik. In der „Fachoberschule für Informatik“ wird aber nicht nur erprobt, ob sich die mit dem neuen Angebot verbundenen Hoffnungen im Hinblick auf den erfolgreichen Übergang der Schülerinnen und Schüler in Ausbildung, Studium und Beruf langfristig erfüllen. Nordrhein-Westfalen ist zugleich bundesweit das erste Land, das in der Fachoberschule eine eigenständige Fachrichtung Informatik aufbaut. Da diese in der entsprechenden Rahmenvereinbarung zur Fachoberschule noch nicht vorgesehen ist, handelt es sich gleichzeitig um einen KMK-Schulversuch, der im Fall des Gelingens zukünftig anderen Ländern als Anregung dienen kann.

Anlässlich der Eröffnung am 13. August am Robert-Bosch-Berufskolleg in Dortmund hat die Ministerin für Schule und Bildung Yvonne Gebauer festgestellt: „Der Schulversuch leistet ab sofort wirksam als Teil der Bildungs- und Arbeitsmarktstrukturen vor Ort seinen Beitrag zur Qualifizierung von Fachkräften. Mit der Fachoberschule für Informatik werden wir weitere Potenziale der beruflichen Bildung erschließen und den Fachbereich Informatik an den Berufskollegs stärken.“

Die Ministerin setzt schon jetzt darauf, dass sich der Schulversuch, der über mehrere Jahre laufen wird, in der geplanten umfangreichen Evaluation bewähren wird.

Fazit

Ziel des Schulversuchs ist es, im Anschluss an den Besuch der „Fachoberschule für Informatik“ die Einstiegsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Schulabschluss in die duale IT-Ausbildung zu verbessern oder ihnen ein Fachhochschulstudium zu ermöglichen und anschließend auf guter fachlicher Grundlage in den Beruf einzusteigen.

Weitere Informationen: https://url.nrw/FOS-informatik