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Gute Praxis - Erfahrungsbericht aus Sofia

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Gute Praxis - Erfahrungsbericht aus Sofia

26. Mai 2020, 8:00 Uhr – alle Schulen in Bulgarien sind seit Anfang März geschlossen. Alle? Nein, an sechs Schulen im Land stehen Ärzte am Schuleingang und empfangen die Schülerinnen und Schüler zur Fiebermessung. Alle haben Masken an, die Hände sind desinfiziert und alle sind aufgeregt. Denn es ist der Tag der schriftlichen Prüfung der ersten Stufe des Deutschen Sprachdiploms (DSD).Das bulgarische Bildungsministerium hat für die Ablegung der Prüfungen eine Sondererlaubnis erteilt, aber auch die Bedingungen gestellt, damit keine Infektionsgefahr für die Beteiligten besteht. Jeweils eine Lehrkraft begleitet acht Schülerinnen und Schüler in ihren Prüfungsraum. Alle Tische stehen im Abstand von anderthalb Metern, die Handys werden abgegeben und in kleine Plastiktüten verpackt.

Ein fast normaler Schulbetrieb in unruhigen Zeiten

„Wir sind trotzdem froh, dass wir die Prüfungen ablegen können“, zeigt sich Denitsa Angelova, die Stellvertretende Schulleiterin der 35. Schule Dobri Vojnikov in Sofia zufrieden. Endlich wieder ein fast normaler Schulbetrieb in diesen unruhigen Zeiten, obwohl die Vorbereitung im Zeichen des digitalen Unterrichts natürlich ganz anders als in den Vorjahren verlief. „Wir haben mit den Schülerinnen und Schülern über verschiedene Plattformen gearbeitet, viele nützliche Materialien von der Fachberatung erhalten und besonders die Videokonferenzen haben uns sehr bei den Prüfungsvorbereitungen geholfen“, fasst Elka Velichkova, die Prüfungsvorsitzende am Nationalen Handels- und Bank Gymnasium in Sofia die Situation zusammen.

 (© Gonçalo Lopes de Sá)

Schülerinnen und Schüler kurz vor der Prüfung (© Gonçalo Lopes de Sá)

Um 9:00 Uhr geht es dann endlich los: Die Umschläge mit den Prüfungsunterlagen werden geöffnet, die Schülerinnen und Schüler noch einmal über den Prüfungsablauf belehrt. Konzentriert bearbeiten sie die Aufgaben zum Leseverstehen. Eine Stunde später ist die erste Pause. „Nein. Schwer war dieser Prüfungsteil nicht“. Für Aleksandra (16) war es einfach wichtig, endlich die Prüfungen schreiben zu können: „Wir haben uns so lange auf die Prüfungen vorbereitet und es wäre sehr schade gewesen, wenn wir sie nicht hätten schreiben können.“

DSD Prüfung genießt in Bulgarien hohe Wertschätzung

Vor der Prüfung wurden alle Eltern gefragt, ob sie mit dem Ablegen der Prüfung einverstanden waren. Abgemeldet wurden nur vier von insgesamt rund 160 Prüflingen. Die DSD Prüfung genießt in Bulgarien eine hohe Wertschätzung und ist für die Bildungsbiografie der Schülerinnen und Schüler sehr wichtig.

Nach den Prüfungen zum Hörverstehen und der Schriftlichen Kommunikation ist um 12:45 Uhr alles wieder vorbei. Die Jugendlichen gehen nach Hause, die Lehrkräfte ordnen die Prüfungsunterlagen, der Hausmeister schließt die Schule. Und wird sie erst wieder Mitte Juni öffnen. Dann stehen die Schülerinnen und Schüler wieder vor der Schule, Fieber wird gemessen und die Hände desinfiziert. Denn die mündlichen Prüfungen stehen an – wenn auch wie geplant für die mündlichen Prüfungen die Schulen ausnahmsweise wieder geöffnet werden.

Das ist die zumindest die Hoffnung von Gonçalo Lopes de Sá, Fachschaftsberater, und Bernd Buchholz, Fachberater für Deutsch in Bulgarien. Sollten die Schulen geschlossen bleiben, gibt es aber immer auch eine Alternative: „Dann werden wir die mündlichen Prüfungen per Videokonferenz gestalten. Die Vorbereitungen auch hierfür haben wir bereits getroffen.“

Anmerkungen DSD I

Die Zielgruppe des DSD I sind Schülerinnen und Schüler von etwa 14 bis 16 Jahren, die ihre allgemeinsprachlichen Deutschkenntnisse nachweisen möchten. Zielniveau ist die Niveaustufe B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GeR). Die Prüfung ist damit auf der Schwelle von der elementaren zur selbstständigen Sprachverwendung angesiedelt. Das DSD I gilt als Nachweis der für die Aufnahme an ein Studienkolleg in der Bundesrepublik Deutschland erforderlichen deutschen Sprachkenntnisse.

Zur Person: Bernd Buchholz aus Köln, Schulentwicklungsberater und Trainer für DaZ an der Bezirksregierung Köln, ist seit August 2019 für mindestens drei Jahre für einen Einsatz im Auslandschuldienst beurlaubt. Als Fachberater für Deutsch als Fremdsprache koordiniert er im Auftrag der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) im Bundesverwaltungsamt das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz an 31 Partnerschulen der Bundesrepublik Deutschland in Bulgarien.

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