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Gute Praxis - Erfahrungsbericht aus Odessa

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Gute Praxis - Erfahrungsbericht aus Odessa

Innerhalb weniger Tage haben sich Alltag und Leben auch in der Ukraine kolossal verändert. Noch sind die Fallzahlen im Land niedrig, wobei man wegen fehlender Testkapazitäten von einer hohen Dunkelziffer ausgehen muss. Viele der Präventionsmaßnahmen, die in westlichen Ländern Schritt für Schritt erlassen wurden, griffen hier im Zeitraffer: Über Nacht waren fast alle Geschäfte, Restaurants und Cafés geschlossen, nur noch Supermärkte, Banken, Apotheken und Tankstellen geöffnet. In einer lebenslustigen Touristenstadt am Schwarzen Meer sorgt das für eine fast schon beklemmend anmutende Atmosphäre.

Täglicher Newsletter an Lehrkräfte

Obwohl alle Termine abgesagt und Schulbesuche unmöglich sind, ist einiges zu tun, um all die Veranstaltungen abzuwickeln, für Seminare gebuchte Hotels zu stornieren, Ausweichtermine für die Sprachcamps im Sommer zumindest ins Auge zu fassen. Täglich schreibt Dieter Jaeschke einen Newsletter an „seine“ 111 einheimischen Lehrkräfte mit Materialhinweisen und anderen Tipps für den Online-Unterricht, den alle jetzt hier geben sollen, ohne je dafür fortgebildet worden zu sein – ohne eingespielte Strukturen wie Lernplattformen, ohne geeignetes digitalisiertes Lernmaterial. Dabei sind auch die „Impulse für das Lernen auf Distanz“ auf dem Bildungsportal NRW hilfreich.

 (© Dieter Jaeschke)

Unterricht in Zeiten von Corona (© Dieter Jaeschke)

Videokonferenzen mit Deutschkurs der Klasse 10

Obwohl von Auslandsjobs rückkehrende Ukrainerinnen und Ukrainer an einigen Orten im Land für hohe Infektionszahlen gesorgt haben, ist der befürchtete Notstand bislang ausgeblieben. Seit vielen Wochen ist der reguläre Flugverkehr eingestellt. Mit seiner eigenen Lerngruppe, einem Deutschkurs der zehnten Klassen zur DSD II-Vorbereitung am Puschkin-Gymnasium in Odessa, trifft sich Jaeschke schon seit Beginn der schulischen Quarantäne zweimal wöchentlich zu Videokonferenzen. Aufgaben gibt es im Google Classroom, kurze Nachrichten werden mit einem Messengerdienst ausgetauscht. Jaeschke hat begonnen, auch mit den künftigen Prüfungsgruppen seiner neun anderen Schulen solche Konferenzen zu veranstalten. Obwohl sich die einheimischen Kolleginnen und Kollegen mit viel Energie ins Zeug legen, „Homeschooling“ zu veranstalten, fehlt den jungen Leuten die aktive Kommunikation in der deutschen Sprache.

Das Kollegium des Puschkin-Gymnasiums berichtet offen von seiner Überlastung. „Wir sind nie auf digitale Formate vorbereitet worden und sollten unseren Unterricht von einem Tag auf den anderen umstellen“, sagt Tatjana Martynowa. „Das hat dazu geführt, dass die Schüler nun seit Wochen mit einer Vielzahl von Informationen konfrontiert sind. Es gibt Aufgaben per E-Mail, auf Viber und bei einigen im Google Classroom.“ Einige ältere Lehrkräfte, die privat noch gar keinen Internetanschluss hatten, sind in der Krise abgetaucht. Wer sich aber nicht engagiert, muss fürchten, dass vom Monatslohn von umgerechnet etwa 280 Euro noch etwas abgezogen wird. „Es gibt alleinerziehende Mütter im Kollegium“, sagt die Deutschlehrerin. „Die müssen jetzt neben Haushalt und Privatstunden, ohne die man nicht über die Runden kommt, auch noch viel Zeit in den Umgang mit den neuen Methoden investieren. Um es ehrlich zu sagen: Wir gehen auf dem Zahnfleisch.“

Und die Schülerinnen und Schüler? „Wir haben definitiv mehr Hausaufgaben als vor Corona“, sagt Polina (16) aus der Klasse 10a des Puschkin-Gymnasiums. „Ich habe den Eindruck, dass sich viele Lehrer nicht klarmachen, wie lange wir für die unterschiedlichen Aufgaben brauchen.“ Der reguläre Schulunterricht ist bis zum landesweiten Ferienbeginn Anfang Juni ausgesetzt, erst im September sollen die jungen Ukrainerinnen und Ukrainer zurück in die Schulen.

 (© Dieter Jaeschke)

Dieter Jaeschke auf Reisen (© Dieter Jaeschke)

Zur Person: Dieter Jaeschke (51) aus Dortmund, Referent an der QUA-LiS NRW, ist seit August 2019 für mindestens drei Jahre für einen Einsatz im Auslandschuldienst beurlaubt. Als Fachberater für Deutsch als Fremdsprache koordiniert er im Auftrag der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) im Bundesverwaltungsamt das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz an zehn Partnerschulen der Bundesrepublik Deutschland in der Südukraine und auf der Halbinsel Krim. Mehr Informationen zum Deutschen Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz (KMK) gibt es hier:

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