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Elternsprechtag: Wenn die Schulbank zur Anklagebank wird

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Elternsprechtag: Wenn die Schulbank zur Anklagebank wird

Wenn sich Eltern und Lehrer zum gemeinsamen Gespräch treffen, hat das gute Gründe: Sie reden über das jeweilige Kind, seine Leistungen sowie sein Verhalten in der Schule und andere relevante Themen. Ganz einfach? Nein, ganz und gar nicht. Denn Misstrauen, Missverständnisse und gegenseitige Vorwürfe, machen aus der Schulbank schnell eine Anklagebank! Konstruktive Lösungen? Fehlanzeige. Dafür Frust auf beiden Seiten.

von Anja Schimanke

Eltern wünschen sich gezielte Hilfestellung bei schulischen Schwierigkeiten. (© Steve Debenport / iStock.com)

Eltern wünschen sich gezielte Hilfestellung bei schulischen Schwierigkeiten. (© Steve Debenport / iStock.com)

Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Elternsprechtag,– allein das Wort reicht aus, um einige Eltern in Missstimmung zu versetzen. Lehrer allerdings auch. Warum eigentlich? Was ist so schwierig daran, miteinander zu reden und gemeinsam eine Lösung für die Probleme des jeweiligen Schülers zu finden? Denn darum geht es in der Regel, wenn Eltern das Gespräch mit der Lehrkraft suchen: Warum hat mein Kind Schwierigkeiten in der Klasse? Wieso kommt es in der Schule nicht richtig mit? Wie kann es sein, dass so ein tolles Kind ein derart schlechter Schüler ist?

Die Frage, die zwar keiner der Anwesenden offen ausspricht, aber dennoch mitschwingt und für eine angespannte Atmosphäre sorgt:

Wer hat Schuld an den Schulproblemen des Kindes?

In den Augen der Eltern, ist es der Lehrer. Weil er häufig unfähig erscheint, den Unterricht spannend zu gestalten, für Ruhe in der Klasse zu sorgen oder so zu erklären, dass es jedes Kind versteht. Das alles sagt man natürlich nicht direkt, sondern deutet es an. Die Botschaft ist unmissverständlich: „Sie sind schuldig!“

Für den Lehrer steht allerdings fest: So oft wie der Schüler seine Hausaufgaben vergisst, liegen die Schulprobleme eindeutig am Elternhaus. Nicht das Gesagte ist im Gespräch entscheidend, sondern das, was nicht gesagt wird und viel Raum zum Interpretieren und Missverstehen lässt….

Um Missverständnissen vorzubeugen, ist es wichtig, dass man während des Gesprächs immer mal wieder nachfragt, was der Gesprächspartner gehört bzw. verstanden hat“, empfiehlt Schulpsychologe Klaus Kuhlmann. Er weiß aus Erfahrung: „Nicht der Sprecher bestimmt die Bedeutung einer Aussage, sondern der Hörer.“

Im Klartext: Eltern und Lehrer sprechen dieselbe Sprache, aber verstehen müssen sie sich deswegen trotzdem nicht und schon gar nicht richtig. Mal fühlt sich der Lehrer als Angeklagter, der beschuldigt wird, mal sind es die Eltern, die sich verteidigen müssen. Beide Parteien versuchen sich nämlich gegenseitig die Schuld zuzuschieben. Statt gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, soll ein Schuldiger gefunden werden, der für die Schulprobleme des Kindes verantwortlich gemacht werden kann.

Schwarzer Peter-Spiel nennt der Schulpsychologe diese Methode: „Beim Thema Schule bietet ein Gespräch oft die gute Gelegenheit, dem Gesprächspartner alles unterzujubeln, was man nicht gut findet.“ Und je wichtiger Schule für das spätere (Berufs)-Leben wird, desto größer werden die gegenseitigen Schuldzuweisungen, die entweder offen ausgesprochen werden, oder die der Gesprächspartner herauszuhören glaubt. Das Misstrauen wächst, die Auseinandersetzungen werden emotionaler. „

Sobald das Gespräch die gemeinsame Suche nach Lösungen verlässt“, erklärt Kuhlmann, „kann alles verletzen und Widerstände und Schulzuweisungen auslösen.“ Sein Tipp, damit ein gutes Gespräch zwischen Eltern und Lehrern zustande kommen kann: „Beide Gesprächspartner sollten bereit sein, dem Gegenüber zuzuhören und keine Vorwürfe zu äußern!“ Jede Seite versuche schließlich, ihr bestes zu geben.

(Ein komplettes Interview "So gelingt ein Eltern-Lehrer-Gespräch" mit Schulpsychologe Kuhlmann finden Sie hier.)

Wünsche & Ziele

Vorwürfe, Missverständnisse und Kränkungen sind nicht gerade förderlich, um die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus zu verbessern. „

Dabei ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern eine notwendige Grundlage für eine erfolgreiche Schule“, erklärt Dr. Reinhold S. Jäger anhand von wissenschaftlichen Untersuchungen. Um diese zu fördern, startete der geschäftsführende Leiter des Zentrum für empirische pädagogische Forschung (kurz: zepf) der Universität Koblenz-Landau eine Online-Umfrage zum Thema.

Die Ergebnisse des Bildungsbarometers zum Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern geben Aufschluss: Eltern wünschen sich von den Lehrern vor allem eine bessere individuelle Förderung des eigenen Kindes, gezielte Hilfestellung bei schulischen Schwierigkeiten mit konkreten Empfehlungen sowie eine kooperativere Zusammenarbeit mit der Schule.

Und die Lehrer? Auf ihrer Wunschliste ganz oben steht, dass Eltern sich intensiver um ihren Nachwuchs kümmern sollen. Auch mehr Vertrauen in die Arbeit und Fachkompetenz der Lehrer und weniger Kritik an fachlichen und pädagogischen Vorgehen finden sie wünschenswert.

Wie man das gemeinsame Ziel, nämlich die bestmögliche Schulkarriere des jeweiligen Kindes erreichen will, darüber sprechen Eltern und Lehrer miteinander (46 %). Und werden sogar konkret, wie man die Situation gemeinsam verbessern will. Und dann? Passiert in 41 % der Fälle nichts. Die Situation blieb nach dem Gespräch unverändert, der Austausch verlief ergebnislos. Das muss sich schnellsten verbessern. „Ein gutes Klima des Miteinanders stellt eine gute Basis für erfolgreiches Lernen dar“, sagt Dr. Jäger mit Nachdruck, „Es wirkt sich nachhaltig auf die gesamte Entwicklung der Kinder und Jugendlichen positiv aus!“

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