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Klingt gut!- Die Initiative "Jedem Kind ein Instrument"

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Klingt gut!- Die Initiative "Jedem Kind ein Instrument"

Von Marc Raschke

von Marc Raschke

Einmal in der Woche wird ein Teil des Büros von Rektorin Sibille Reichstein-Schmidt besetzt. Ihre Schüler kommen bereits morgens früh und laden einfach ab. Jeden Mittwoch. Immer dann nämlich haben an der Grundschule im Bochumer Stadtteil Günnigfeld besonders viele Kinder am Nachmittag ihren Musikunterricht im Rahmen der Initiative "Jedem Kind ein Instrument". Und irgendwo müssen Gitarre, Violine und Co. bis dahin ja während der normalen Schulzeit verstaut werden. Das verlangt eben an einer Schule, die nur recht knappe Raumkapazitäten hat, Opfer. Doch Reichstein-Schmidt sieht nicht so aus, als würde sie darunter leiden. Im Gegenteil. Sie ist von Beginn an ein großer Fan der Initiative, die von der Bundeskulturstiftung mit zehn Millionen Euro gefördert und von der Bochumer "Zukunftsstiftung Bildung" sowie der städtischen Musikschule seit 2003 vorangetrieben wird. Seit September 2006 sind 32 Grundschulen und vier Förderschulen als Partner der Musikschule Bochum mit zirka 1700 Kindern am Projekt beteiligt. Im laufenden Jahr soll die Initiative auf das Ruhrgebiet ausgedehnt werden. "Zugegeben, am Anfang war ich etwas skeptisch, als ich hörte, dass es das Ziel sei, jedem Kind ein Instrument zu ermöglichen", sagt die Rektorin. Schließlich liegt ihre Einrichtung als einzige Schule des Stadtteils Günnigfeld in einer Gegend, in der die Landeszentrale der rechtsradikalen Partei NPD ihren Sitz hat und in der viele Familien von Arbeitslosengeld leben. Familien, die nicht selten mit Problemen fertig werden müssen, die nur wenig Spielraum für das musische Talent ihrer Kinder lassen. "Da können 25 Euro im Monat bereits zu viel sein", sagt Reichstein-Schmidt.

Die Instrumente werden geliehen

So viel müssen die Schüler bzw. die Eltern aus eigener Tasche berappen. Dafür bekommen sie dann von der Initiative den Unterricht und ein Instrument gestellt, leihweise. Reparaturen übernimmt die Initiative, wenn die Schäden nicht mutwillig begannen wurden. "Mittlerweile bin ich überrascht, wie viele Schüler daran teilnehmen", sagt Reichstein-Schmidt, "und es werden immer mehr." Das liegt auch daran, dass an der Schule Härtefälle durch den Förderverein unterstützt werden. Von derzeit knapp 250 Schülern in Günnigfeld sind gut 60 in "Jedem Kind ein Instrument". "Ich denke, ein großer Vorteil für die Eltern ist, dass sie ihre Kinder nicht quer durch die Stadt zur Musikschule fahren müssen, sondern dass der Musikunterricht hier bei uns vor Ort stattfindet", sagt Reichstein-Schmidt. Den Einstieg in die Initiative finden die Schüler im ersten Jahr in eine Art musikalischer Grundausbildung, die übrigens nur 15 Euro pro Monat kostet. "Da können die Kinder dann erst mal ein paar Instrumente ausprobieren und sehen, worauf sie sich da einlassen", sagt Musiklehrerin Monika Kleffmann, die zusammen mit Elke Karbe von der Bochumer Musikschule den Unterricht gibt. Wichtig sei es, etwaige Berührungsängste erst gar nicht aufkommen zu lassen. Auch deshalb bastelt Kleffmann mit ihren Schülern Instrumente selbst, wie etwa eine Schlauchtrompete, oder erklärt anhand eines Strohhalms, wie das Mundstück einer Oboe funktioniert. Ab dem zweiten Jahr kommen dann die richtigen Instrumente ins Spiel. Jeder Schüler hat in Kleingruppen eine Stunde pro Woche, in der er sich unter professioneller Anleitung mit seinem Instrument vertraut machen kann. Die Günnigfelder Grundschule, die ihr Angebot derzeit zur Ganztagesschule ausbaut, will auch damit ihrem Anspruch gerecht werden, einen möglichst ganzheitlichen Blick auf die Familien der Schüler zu haben.

Auftritte, die berühren

Nach den ersten Jahren nun ist Reichstein-Schmidt total begeistert, vor allem von den Auftritten, die die kleinen Musiker bereits hinter sich haben. In diesem Jahr soll es sogar einen Auftritt in der Bochumer Jahrhunderthalle geben. Solche Ereignisse, davon sind die Pädagogen an der Günnigfelder Grundschule überzeugt, geben den Schülern zusätzliche Motivation. "Und man ist immer den Tränen nahe, wenn man die Kinder sieht, wie sie auf einer großen Bühne gerade so die ersten Töne aus ihrem Instrumenten bekommen. Das ist schon sehr emotional", gesteht Reichstein-Schmidt. Inzwischen ist die Schule soweit, dass sie für diejenigen Schüler, die bereits im dritten Jahr mit ihrem Instrument spielen, eine weitere Stunde pro Woche anbietet. Dort können sie im Ensemble mit anderen Kindern und deren Instrumenten spielen. Reichstein-Schmidt sieht im Musikunterricht einen großen Gewinn für jeden Schüler. Sogar für jenen, der mit einer Lernbehinderung in Günnigfeld zur Schule geht: Er will Violine lernen, konnte das Instrument anfangs jedoch kaum halten. Als er aber dann seinen ersten Auftritt - stilecht in Hemd und Anzug - vor Publikum hatte, platzten die Eltern vor Stolz. "Er wird sicher kein professioneller Geigenspieler werden", sagt Reichstein-Schmidt, "aber dieses Instrument gibt ihm wohl mehr Motivation als alles andere."

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