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"Jedem Kind sein Instrument " als Bereicherung für das Schulleben

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"Jedem Kind sein Instrument " als Bereicherung für das Schulleben

"Gitarre spielen ist einfach cool." Für Jerome hat sich vor einem halben Jahr ein großer Wunsch erfüllt: Seitdem hat der 13-Jährige aus Essen sein Lieblingsinstrument zuhause immer griffbereit in seinem Zimmer liegen. "Und ich übe täglich mindestens eine halbe Stunde", erzählt Jerome stolz. Wenn er seine Gitarre in die Hand nimmt, geht er äußerst vorsichtig mit ihr um. Dass bloß kein Kratzer an das Instrument kommt! Denn eigentlich gehört ihm die Gitarre gar nicht. Sie ist nur für zwei Jahre geliehen. Der Siebtklässler nimmt an dem Projekt "Jedem Kind sein Instrument" seiner Schule teil, der Essener  Albert-Einstein-Realschule. Dabei kooperiert die Schule mit dem Kulturhaus Rhein-Ruhr, einer privaten Musikschule. Von dort hat Jerome das Leihinstrument bekommen. Genauso wie seine etwa 80 Mitschüler aus den Klassen 5-7, die auch bei dem Projekt begeistert dabei sind. Doch nicht nur die Gitarren, Querflöten, Trompeten, Geigen, Saxophone und Posaunen stellt das Kulturhaus zur Verfügung: auch die Instrumentallehrer. Die bringen den Kindern einen Nachmittag in der Woche in kleinen Gruppen die richtigen Töne bei- und zwar in der Realschule. Der große Vorteil für die Eltern der musikalischen Schüler: Weil die Musikschule keine eigenen Räume nutzen muss, kostet der Unterricht inklusive Leihinstrument nur 24 Euro pro Monat. "Das ist für die Kinder von Hartz IV-Empfängern oft überhaupt die einzige Chance, ein Instrument spielen zu lernen", berichtet Ulrike Liebenau, Leiterin der Albert-Einstein-Realschule.

Foto: Cello Auch ein Cello können Schüler bei "Jedem Kind sein Instrument" ausprobieren

Begeisterung für Musik ist an der Realschule besonders ausgeprägt

Doch es sind nicht nur Jungen und Mädchen aus sozial schwachen Familien, die auf diese Weise vielleicht ihr "Trauminstrument" entdecken. Die Begeisterung für Musik ist an der Realschule über alle Schichten hinweg besonders ausgeprägt, sagt Schulleiterin Liebenau. "Die kulturelle Bildung wird an unserer Schule ganz groß geschrieben- da sind wir uns im Kollegium und mit den Eltern einig. Zudem ist dies auch im Schulprogramm entsprechend festgehalten." Keine bloße Absichtserklärung: eine Trommel-AG, ein Angebot für kreativen Tanz, sowie ein Hip-Hop-Projekt stoßen bei den Schülern auf Riesen-Resonanz. Bei einem solch hohen Stellenwert von Musik ist es schon fast selbstverständlich, dass "Jedem Kind sein Instrument" auch in den gewöhnlichen Unterricht integriert wird. Zum Beispiel im Musikunterricht von Michael Rausch. Der Lehrer probt gerade mit der 7b den "Rattenfänger von Hameln"- ein Hörspiel. Die Schüler lernen den Sprechgesang auswendig, den sie bei einer geplanten Aufführung vor Eltern gekonnt präsentieren sollen. Doch ohne musikalische Begleitung ist das Michael Rausch zu langweilig. Sein Glück: Er kann auf das Können der Kinder zurückgreifen, die sich an dem Instrumentenprojekt beteiligen. Und mit dem gezielten Einsatz von Gitarren, Flöten und Trompeten hört sich der "Rattenfänger von Hameln" schon viel lebendiger an. Doch vor allem profitieren die "Instrumentenkinder" selbst am meisten, ist Lehrer Rausch überzeugt. "Die Schüler erweitern ihre kognitiven Fähigkeiten und ihre soziale Kompetenzen ungemein", hat der Pädagoge festgestellt. "Sie lernen, sich in einer ganz anderen Form auszudrücken und sich in einer Gruppe ganz anders zu verhalten. Es geht also nicht nur um das Erlernen eines Instruments. Es ist eine Bereicherung für die gesamte Persönlichkeit."

Kinder motivieren sich gegenseitig

Foto: Waldeyer Gregor Waldeyer vom Kulturhaus Rhein-Ruhr und eine Schülerin der Albert-Einstein-Realschule

Ähnlich beurteilt dies Gregor Waldeyer vom Kulturhaus Rhein-Ruhr. "Dadurch, dass die Kinder auch in kleinen Gruppen lernen, motivieren oder disziplinieren sie sich gegenseitig. Hinzu kommt: Kinder mit Migrationshintergrund und ausbaufähigen Deutsch-Kenntnissen erhalten völlig neue Verständigungsmöglichkeiten." Das Instrumentenprojekt kommt nicht nur an der Albert-Einstein-Realschule gut an: Insgesamt nehmen zurzeit zehn weiterführende Schulen teil. Angelehnt ist die Initiative an das Projekt "Jedem Kind ein Instrument", bei dem rund 212.000 Grundschüler im Ruhrgebiet spielerisch an das Kennenlernen verschiedener Instrumente herangeführt werden sollen. Die Kulturstiftung des Bundes hat dieses Projekt anlässlich des Kulturstadtjahres 2010 ins Leben gerufen. Auch das Land NRW und weitere Partner beteiligen sich an dem Programm für Grundschüler. "Ohne diese beiden Initiativen hätten wir natürlich nicht die Möglichkeit, so viele Kinder zum Musikzieren zu bringen", sagt Gregor Waldeyer vom Kulturhaus Rhein-Ruhr. Er ist auch von der Nachhaltigkeit der beiden Projekte überzeugt. Der studierte Musiker schätzt, dass etwa jeder dritte Schüler auch langfristig ein Instrument spielen wird. "Da haben wir natürlich nichts gegen", freut sich Waldeyer. Doch auch Schulleiterin Ulrike Liebenau sieht "Jedem Kind sein Instrument" als langfristiges Projekt. "Auch wenn es erst einmal auf zwei Jahre angelegt ist: Wir machen auf alle Fälle weiter. Denn das Projekt ist eine große Bereicherung für die Schule."

"Man bekommt gute Laune"

Die 53-Jährige ist auch ganz persönlich auf den Geschmack gekommen: "Wenn man nachmittags durch die Schule geht und überall in den Klassenzimmern musiziert wird, bekommt man richtig gute Laune." Gemeinsam mit Musiklehrer Michael Rausch ist die engagierte Schulleiterin optimistisch, in zwei bis drei Jahren auch wieder ein eigenes Schulorchester gründen zu können. Da will Jerome auf alle Fälle mit dabei sein. Allerdings nicht mit einer klassischen Gitarre. Der 13-Jährige hat seinen Cousin als Vorbild- und der spielt E-Gitarre. Auch die bekommt Jerome vom Kulturhaus als Leihinstrument. Allerdings erst ab dem nächsten Schuljahr, wenn er das zweite Jahr bei dem Projekt mitmacht. Bis dahin ist Jerome durchaus mit seinem klassischen Instrument zufrieden: Hauptsache Gitarre!  

Zur Homepage der Albert-Einstein-Realschule kommen Sie hier.
Informationen zum Kulturhaus Rhein-Ruhr erhalten Sie hier

Einen Bericht über das Projekt "Jedem Kind ein Instrument" können Sie hier nachlesen.
     
Zur Homepage der Bundeskulturstiftung klicken Sie bitte hier.  
            

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