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"Wir sind Luftexperten" -Modellprojekt in Münster

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"Wir sind Luftexperten" -Modellprojekt in Münster

Von Katharina Grosse

"Die Kinder haben eine Sams-Maschine gebaut", erzählt Kathrin Wicker, Lehrerin an der Margaretenschule in Münster. Die Maschine wurde zum Leuchten und in Bewegung gebracht. Der Prototyp wurde weiterentwickelt: zu einer Maschine, die sich mit so genannten "Liebesperlen" in Gang setzen lässt. Was die Grundschulkinder an der Margaretenschule entwickelten, ist Teil eines größeren Projektes, das Schülerinnen und Schülern selbst bestimmte Zugänge zu Naturwissenschaften und Technik eröffnet.

"Forscherwerkstätten an Grundschulen" heißt das Modellprojekt, das von der Robert-Bosch-Stiftung und der Stadt Münster über drei Jahre gefördert wird und Wege aufzeigen soll, wie sich naturwissenschaftlicher Forschergeist in die Schulen bringen lässt.

Freies Forschen und interdisziplinäre Projekte

"Unser Ziel ist es, naturwissenschaftliche und technische Begabungen und Interessen in den Grundschulen zu fördern - unabhängig von Herkunft, Elternhaus, Alter oder Geschlecht", so Dr. Andrea Hanke, Schuldezernentin der Stadt Münster. "Wir wollen mit den Forscherwerkstätten Räume für freies Forschen und interdisziplinäre Projekte bieten." Damit das gelingen kann, wurde in Münster eine ungewöhnliche Partnerschaft geschlossen. Die fünf Grundschulen, an denen Werkstatträume eingerichtet wurden, werden von naturwissenschaftlichen Fakultäten der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster begleitet und unterstützt. In der Praxis heißt das: Jede Schule kooperiert mit einem oder mehreren Uni-Instituten; die Wissenschaftler waren Ratgeber bei der Einrichtung der Werkstätten und bieten Fortbildungen für die Lehrkräfte an; Studierende begleiten die Forschungsprojekte in den Schulen und absolvieren hier zugleich einen Teil ihrer praktischen Lehrerausbildung. Dass Grundschulen mit Universitäten zusammenarbeiten, ist eine Seltenheit. Für die Partnerinnen und Partner ist das Projekt entsprechend Neuland und gleichzeitig "genau der richtige Weg", wie Dr. Christian Hein, Professor am Institut für Technik und ihre Didaktik, meint. "Wenn Technik in der Schule nicht stattfindet, entscheidet man sich nicht für einen technischen Beruf." Dabei sind die Lehrerinnen und Lehrer in der Primarstufe oftmals überfragt, wenn es um die Vermittlung naturwissenschaftlicher und technischer Grundlagen geht. Hier sind die Wissenschaftler in den "Forscherwerkstätten an Grundschulen" fachliche Ratgeber, aber zugleich Lernpartner, die herausfinden wollen, wie freies Forschen mit Kindern gelingen kann.

Auf dem Weg zu einer Didaktik des Experimentierens

"Forschen heißt nicht ins Blaue hinein arbeiten", sagt Professor Christian Hein. "Man braucht eine Wissensbasis, um etwas machen zu können." Und das nötige Handwerkszeug, um überhaupt sinnvoll forschen zu können. In den Forscherwerkstätten lernen die Kinder wissenschaftliche Methoden auf einfachem Niveau: zunächst eine Vermutung zu formulieren oder ein Protokoll für verwendete Stoffe und Beobachtungen zu führen. In Zweier- oder Dreierteams haben die sie Gelegenheit zum selbstständigen Experimentieren mit professionellem Gerät, die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sind Experten und Vorbilder. Und wenn die Kinder ihr neues Wissen in altersgemischten Gruppen an Jüngere weitergeben, weil sie wissen "Wir sind Luftexperten", dann wenden sie ihre Forschungsergebnisse unmittelbar an. In Fortbildungen und Workshops schlüpfen Lehrkräfte und Studierende selbst in die Rolle der Entdeckenden und Forschenden, sie stellen naturwissenschaftliche Fragen und gehen zugleich auf die Suche nach Ansätzen zu einer Didaktik des Experimentierens.

Das Fragen lernen - das Weltbild vervollständigen

Für die Lehrenden an den Grundschulen ist neben der Förderung naturwissenschaftlicher Begabungen noch ein anderes pädagogisches Ziel wichtig: Die Forscherwerkstätten fördern die Fähigkeit, überhaupt Fragen zu stellen und Selbstverständliches anzuzweifeln.

Im Unterricht ist für das Weiterfragen und -forschen oft keine Zeit - in den Forscherwerkstätten ist es Programm. Und mit jedem Experiment entstehen neue Fragen. Für einen Wissenschaftler wie Christian Hein heißt mit Kindern forschen: "Das Weltbild, das im Kopf der Kinder ist, zu vervollständigen."

Weitere Informationen zu diesem Projekt erhalten Sie hier.

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