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Fragen und Antworten zum herkunftssprachlichen Unterricht

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Fragen und Antworten zum herkunftssprachlichen Unterricht

Welche Ziele verfolgt der herkunftssprachliche Unterricht?

Der herkunftssprachliche Unterricht ist ein Angebot für Schülerinnen und Schüler, die zweisprachig in Deutsch und in einer anderen Sprache aufwachsen. Für die Kinder und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte sind die mitgebrachten Herkunftssprachen und die Kultur der Herkunftsländer Teil ihrer Identität; sie sind für ihre Persönlichkeitsentwicklung von besonderer Bedeutung. Überdies ist Mehrsprachigkeit ein kultureller Reichtum in einer immer stärker zusammenwachsenden Welt.

Darum wird durch das Land Nordrhein-Westfalen an den allgemeinbildenden Schulen Unterricht in den am meisten gesprochenen Herkunftssprachen angeboten.

Sollten sich die Kinder und Jugendlichen aus Migrantenfamilien nicht besser auf das Erlernen der deutschen Sprache konzentrieren?

Für Kinder und Jugendliche ohne hinreichende Deutschkenntnisse steht das Erlernen der deutschen Sprache an der ersten Stelle aller Unterrichtsziele. Angebote in Deutsch als Zweitsprache und in der Herkunftssprache sind keine Alternative, sondern ergänzen einander. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Pflege der Herkunftssprache ein ausgezeichneter Beitrag zum Erwerb der deutschen Sprache ist. Auch die Schulpraxis zeigt häufig, dass Schülerinnen und Schüler mit altersgemäßen Kenntnissen in der Herkunftssprache, die als so genannte Seiteneinsteiger im Verlauf ihrer Schullaufbahn in eine deutsche Schule aufgenommen werden, weitaus leichter Deutsch lernen als Gleichaltrige, die in Deutschland anregungsarm aufgewachsen sind.

Wer kann am herkunftssprachlichen Unterricht teilnehmen?

Der herkunftssprachliche Unterricht steht allen Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte der Klassen 1 bis 10 offen, die die sprachlichen Voraussetzungen für die Teilnahme erfüllen. Unerheblich ist, welche Staatsangehörigkeit jemand besitzt, der daran teilnehmen möchte.

Wer trägt in Nordrhein-Westfalen die Verantwortung für den herkunftssprachlichen Unterricht?

Der herkunftssprachliche Unterricht in Nordrhein-Westfalen ist ein Angebot des Landes. Er wird nach seinen inhaltlichen Vorgaben erteilt und steht unter seiner Schulaufsicht. Die Schulbücher bedürfen der Genehmigung durch das Ministerium. Der herkunftssprachliche Unterricht in Nordrhein-Westfalen unterscheidet sich damit vom so genannten Konsulatsunterricht in anderen Ländern, der unter der Verantwortung ausländischer Staaten erteilt wird.

Wer erteilt den herkunftssprachlichen Unterricht?

Den herkunftssprachlichen Unterricht und den herkunftssprachlichen Unterricht anstelle einer zweiten oder dritten Pflichtfremdsprache erteilen grundsätzlich Lehrkräfte, die die entsprechende Befähigung für ein Lehramt nach deutschem Recht in dem Fach des herkunftssprachlichen Unterrichts besitzen.

Ausnahmsweise können auch Lehrerinnen und Lehrer den Unterricht erteilen, die u.a. über eine ausländische Lehramtsprüfung für das Fach des herkunftssprachlichen Unterrichts verfügen.

In welchen Sprachen wird der herkunftssprachliche Unterricht angeboten?

Zurzeit gibt es Angebote in Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Kurdisch, Mazedonisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch und Türkisch.

Über das Herkunftssprachenangebot in einer Region gibt die zuständige Bezirksregierung Auskunft.

Wie wird der herkunftssprachliche Unterricht organisiert?

Der herkunftssprachliche Unterricht umfasst bis zu fünf Wochenstunden. Er wird in der Primarstufe dort angeboten, wo die Anzahl der Kinder einer gemeinsamen Herkunftssprache die Bildung einer mindestens 15 Schülerinnen und Schüler umfassenden Lerngruppe dauerhaft ermöglicht. In der Sekundarstufe I dort, wo die Lerngruppe mindestens 18 Schülerinnen und Schüler umfasst. Bei ausreichender Teilnehmerzahl kann der Unterricht an einer einzelnen Schule erteilt werden. In den meisten Fällen ist es jedoch im Interesse angemessen großer Lerngruppen erforderlich, gemeinsame Angebote für mehrere Schulen, auch unterschiedlicher Schulformen, vorzusehen und altersgemischte Gruppen zu bilden. Der Unterricht findet in der Regel am Nachmittag statt. Die Schulen informieren auf Anfrage darüber, wo der herkunftssprachliche Unterricht eingerichtet ist.

Welche Bedeutung hat der herkunftssprachliche Unterricht für Versetzungen und Abschlüsse?

Der herkunftssprachliche Unterricht ist nicht im gleichen Maß versetzungs- und abschlusswirksam wie der Regelunterricht. Positive Leistungen werden aber bei Versetzungen im Rahmen des pädagogischen Urteils über die Gesamtentwicklung einer Schülerin oder eines Schülers berücksichtigt.

Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig am herkunftssprachlichen Unterricht teilgenommen haben, legen am Ende ihres Bildungsgangs in der Sekundarstufe I eine Sprachprüfung ab. Die Teilnahme an der Sprachprüfung ist für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich. Die Sprachprüfungen sind auf der Anspruchshöhe aller Abschlüsse der Sekundarstufe I möglich. Für die Sprachprüfung sind die Verfahrensregeln für die Sprachprüfung (Feststellungs-prüfung) zu beachten. Das Ergebnis der Prüfung wird im Abschlusszeugnis bescheinigt. Bei der Vergabe der Abschlüsse kann eine mindestens gute Leistung in der Sprachprüfung eine mangelhafte Leistung in einer Fremdsprache ausgleichen.

Kann die Herkunftssprache als Unterrichtsfach an die Stelle einer Fremdsprache treten?

Sofern die organisatorischen, curricularen und personellen Voraussetzungen es zulassen, kann an Schulen der Sekundarstufe I die Herkunftssprache anstelle einer zweiten oder dritten Fremdsprache angeboten werden.

In diesem Fall ist sie dem Unterricht in einer Fremdsprache in jeder Weise gleichgestellt. Hierbei können auch gemeinsame Lerngruppen für mehrere Schulen aller Schulformen der Sekundarstufe I gebildet werden. Diese können jeweils zwei Jahrgangsstufen (7/8 und 9/10) umfassen. Darüber hinaus kann im Gymnasium die Herkunftssprache an die Stelle der ersten Fremdsprache treten. Der Unterricht in der Herkunftssprache anstelle einer Fremdsprache kann in der gymnasialen Oberstufe bis zum Abitur fortgeführt werden.

Welche Chancen des Abschlusses haben Schülerinnen und Schüler, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist und die nicht von Anfang an am Fremdsprachenunterricht einer Schule der Sekundarstufe I teilgenommen haben?

Schülerinnen und Schüler, die die Sekundarstufe I einer deut­schen Schule nicht von Beginn an besucht haben und nicht in das Sprachenangebot der Schule eingegliedert werden konnten, können zum Erwerb von Abschlüssen der Sekundarstufe I an einer Sprach­prüfung (Feststellungsprüfung) teilnehmen. Das Ergebnis der Prü­fung tritt an die Stelle der Note in einer Fremdsprache.

Gibt es Angebote zur schulischen religiösen Bildung in der Herkunftssprache?

Die Landesregierung zählt die schulische religiöse Bildung der Muslime zum Auftrag der öffentlichen Schulen. Das Land bietet deshalb einen religionskundlichen Islamunterricht (Islamkunde) an.

Die Islamkunde, früher islamische Unterweisung, wird in zwei Formen erteilt:

Bereits seit 1986 wird für die muslimischen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen "Islamische Unterweisung" im Rahmen des Herkunftssprachlichen Unterrichts in arabischer, bosnischer und türkischer Sprache von muslimischen Lehrkräften erteilt.

Seit 1999 gibt es in Nordrhein-Westfalen zudem den Schulversuch "Islamkunde in deutscher Sprache" als religionskundliches Angebot ohne Verkündungscharakter. Genauere Informationen hierzu finden Sie im Bildungsportal auf der Seite zur Islamkunde auf Deutsch.

Seit dem Schuljahr 2008/2009 gibt es den Schulversuch "Alevitischer Religionsunterricht". Seit dem Schuljahr 2012/2013 gibt es für Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens islamischen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach.

Für Schülerinnen und Schüler des orthodoxen Bekenntnisses, deren Herkunftssprache Griechisch ist, kann der orthodoxe Religionsunterricht in Verbindung mit dem herkunftssprachlichen Unterricht erteilt werden.

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