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Bildungsgrundsätze

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Bildungsgrundsätze

Einblicke in die Praxis

 (© Susan Chiang/istockphoto.com)

(© Susan Chiang/istockphoto.com)

Mit den Anfang 2016 neu erschienenen Bildungsgrundsätzen für Kinder von 0 bis 10 Jahren liegt ein Leitfaden vor, der pädagogische Kräfte im Elementar- und Primarbereich in Nordrhein-Westfalen in ihrer täglichen Arbeit  mit den Kindern begleiten und unterstützen soll. Auf dieser Grundlage kann die institutionsübergreifende Kooperation von Kindertageseinrichtung und Grundschule gestaltet werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kinder mit ihrer Individualität, ihrer Heterogenität und ihrer Freude und Neugierde, die Welt zu entdecken und zu erforschen.

Weiterführende Informationen zur erfolgreichen Umsetzung der Bildungsgrundsätze finden Sie in der Juni-Ausgabe von Schule NRW.

Interviews

Wie kommen die Bildungsgrundsätze in der Praxis an? Im Folgenden berichten Schul- und Kitaleitungen von ihren gemeinsamen Erfahrungen.

Beispiel 1: Bochum

Susanne Luig ist Schulleiterin der Bochumer Gräfin-Imma-Schule, Sandra Rethfeldt leitet die Städtische Kindertageseinrichtung Hevener Straße in Bochum-Stiepel.

Welche Rolle spielen die Bildungsgrundsätze in Ihrem Arbeitsalltag?

Susanne Luig: Wir arbeiten auf Augenhöhe mit den vier Kitas in unserem Stadtteil zusammen. Die Bildungsgrundsätze bieten uns Orientierung und stellen den gemeinsamen Leitfaden für die pädagogische Arbeit dar. Ziel dieser Arbeit ist die bestmögliche Förderung der Kinder und die optimale Gestaltung des Übergangs von der Kita in die Schule.

Sandra Rethfeldt: Durch die enge Vernetzung, die Transparenz und die gemeinsam durchgeführten Projekte fällt den Kindern der Übergang viel leichter. Sie kennen meist schon die neuen Räumlichkeiten, ihre neuen Bezugspersonen sowie Regeln und Strukturen. Das schafft Sicherheit und Vertrauen. Der ständige fachliche Austausch ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklungsförderung der Kinder.

Welchen Schwerpunkt setzen Sie in der Kooperation mit der Kita/Schule? Mit welchem Ziel?

Luig: Wir begleiten und fördern die Kinder in all ihren Entwicklungsbereichen. Ein Schwerpunkt liegt im Bereich „Mathematik“. Mit dem Projekt „Kleine Mathematik-Entdecker“ wollen wir die mathematischen Fähigkeiten der Kinder stärken und Basiskompetenzen entwickeln, indem wir das kindliche Interesse nutzen und die Freude an der Mathematik fördern.

Rehtfeldt: Dies geschieht altersgemäß und  spielerisch. Wir knüpfen an die Erfahrungen der Kinder an und lassen ihnen viel Raum für eigene Ideen. So erleben sie, dass Mathematik viel mit ihrer Lebenswirklichkeit zu tun hat und ihnen dabei helfen kann, alltägliche Probleme zu lösen.

Beschreiben Sie bitte kurz Ihr Projekt / Ihre Kooperation.

Luig: Einmal im Monat besuchen die zukünftigen Schulkinder einer Kita mit ihren Erzieherinnen unsere Schule. Bei ihrem Besuch stehen das Forschen und Entdecken im Mittelpunkt: formen, bauen mit Würfeln, spiegeln und vieles mehr. Zudem führen Lehrerinnen und Erzieherinnen an diesem Tag verschiedene Übungen, Spiele und Materialien ein, die dann in der Kita wieder aufgegriffen werden. Dort werden die Kitakinder zu Multiplikatoren, indem sie mit jüngeren Kindern spielen und ihre Erfahrungen weitergeben. Die Kinder lernen voneinander und miteinander.

Rethfeldt: Den kleinen Entdeckerinnen und Entdeckern wird die Mathematik im Alltag bewusst. Sie entdecken geometrische Formen im Straßenverkehr, Maße und Gewichte beim Kochen und Backen, zählen beim Hüpfen oder Tisch decken. Das Entwickeln eigener Lösungswege und der Austausch mit anderen darüber fördert außerdem die sprachliche Entwicklung. Sie lernen, sich Zeit einzuteilen, sich selbst zu organisieren, eine Arbeit zu Ende zu führen und sich Wissen anzueignen. Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Geduld und Verständnis werden dabei in hohem Maße weiterentwickelt.

Ihr Blick in die Zukunft?

Luig: Auch bei den Eltern stößt unser Projekt auf großes Interesse. Sie erleben Schule und Kita als zwei aufeinander abgestimmte Bildungseinrichtungen, nehmen unsere Anregungen positiv auf und wertschätzen unsere Arbeit. Daher wollen wir unsere Zusammenarbeit auch zukünftig unter Einbeziehung der Eltern weiter professionalisieren.

Rethfeldt: Austausch auf Augenhöhe, gegenseitige Hospitationen, das Planen von gemeinsamen Festen und Feiern, Elternveranstaltungen, Projekte, gemeinsame Fortbildungen und vieles mehr haben wir in verlässliche Strukturen gefasst. Dadurch und durch unser gemeinsames Erziehungs- und Bildungsverständnis können wir auf die individuellen Bedürfnisse und Kompetenzen der Kinder eingehen und sie bestmöglich fördern.

Beispiel 2: Detmold

Iris Hansmann ist Schulleiterin im Bildungshaus Weerth-Schule in Detmold, Claudia Leipski leitet die Kindertagesstätte Hohenloh.

Welche Rolle spielen die Bildungsgrundsätze in Ihrem Arbeitsalltag?

Iris Hansmann: Als gemeinsame pädagogische Leitlinie haben die Bildungsgrundsätze einen festen Platz in unserer täglichen Arbeit. Als Ergänzung zu den Lehrplänen bieten sie eine gute Orientierung für unser pädagogisches Handeln und ermutigen uns zu ganzheitlichen Bildungsprozessen.

Claudia Leipski: Im Mittelpunkt unseres pädagogischen Grundverständnisses steht die Individualität des Kindes. Jedes Kind hat Kompetenzen und Potenziale, die wir bestmöglich fördern möchten. Die Bildungsgrundsätze legitimieren uns, die Alltagszusammenhänge in Kita und Schule so zu gestalten, dass jedes Kind in seinen Lernfortschritten unterstützt wird, damit es Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit entwickelt.

Hansmann: Der Leitfaden ermutigt zu Innovationen und multiprofessionellem Arbeiten auf Augenhöhe. So knüpfen zum Beispiel ein gleitender Schul- und Unterrichtsanfang, große Zeitblöcke, die nicht von einem Klingelzeichen unterbrochen werden, und variable Pausenlösungen an die Rhythmisierung der Kitazeit an.

Welchen Schwerpunkt setzen Sie in der Kooperation mit der Kita/Schule? Mit welchem Ziel?

Leipski: Bei der Arbeit in multiprofessionellen Gruppen wurde früh deutlich, dass jeder Bildungsbereich große Chancen zur Weiterführung begonnener Bildungsprozesse und somit zur kontinuierlichen Fortführung der Bildungsbiografie des Kindes bietet.

Hansmann: Zum Beispiel nimmt die musisch-ästhetische Bildung an unserer Schule einen hohen Stellenwert ein. Wir sind davon überzeugt, dass sich die Kinder durch die aktive, kreative Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt weiterentwickeln. In den wöchentlichen Proben des Kinderchors singen die „Schulfüchse“ aus der Nachbarschafts-Kita mit den Schulkindern, die im Kursband „Singen und Theaterspiel“ gewählt haben.

Leipski: Musikalische und akustische Rituale werden somit zum festen Element des Kita- und Schulalltags. Die Kinder erkennen Lieder, Verse und Abzählreime wieder, die sie bereits vor dem Schulanfang kennengelernt haben. Das gibt ihnen Sicherheit und schafft Orientierung. Soziales Lernen und Teamfähigkeit werden dadurch ebenfalls gefördert.

Beschreiben Sie bitte kurz Ihr Projekt / Ihre Kooperation.

Hansmann: Als Schule des Gemeinsamen Lernens ist es uns wichtig, die Teilhabechancen jedes einzelnen Kindes zu fördern. Ziel und Auftrag der Inklusion im Bildungshaus ist es deshalb, Vielfalt zu fördern und zu unterstützen. Die Verwirklichung dieses Ziels ist eine Aufgabe, die nur langfristig umgesetzt werden kann.

Leipski: Elementar- und Primarpädagogik werden miteinander verknüpft, ohne die Eigenständigkeit von Kita und Schule aufzugeben. An die Stelle lockerer Kooperationen tritt eine gemeinsam erarbeitete und verbindlich verabredete pädagogische Zusammenarbeit. Dadurch wird die Anschlussfähigkeit zwischen Kindertageseinrichtung und Grundschule verbessert.

Hansmann: Damit dieser Übergang nahtlos funktioniert, ist es uns sehr wichtig, dass wir die Bildungsdokumentation des Kindes austauschen können. Dafür benötigen wir das Einverständnis der Eltern. Da ist es hilfreich, wenn ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen besteht. Deshalb gestalten wir auch die Grundschulanmeldung als Kennenlernnachmittag für Kinder und Eltern in der Kita.

Leipski: Seit 2016 nimmt die Schulleitung an den letzten Entwicklungsgesprächen in der Kita teil. Die Eltern erteilen dazu aktiv ihr Einverständnis. In Erprobungsstufenkonferenzen tauschen sich die Klassenleitungsteams mit den Gruppenleitungen der Kita aus. Darüber hinaus existieren gegenseitige Hospitationen, um den Schul- und Kitaalltag zu verinnerlichen.

Ihr Blick die Zukunft?

Hansmann: Partizipation ist eine unserer definierten pädagogischen Grundhaltungen: Wir stellen das Kind in den Mittelpunkt und nehmen es als Experten seines eigenen Lernens ernst. Schon jetzt tauschen sich Schulkinder wöchentlich im Klassenrat und monatlich im Kinderrat aus. Diesen partizipatorischen Gedanken möchten wir im Bildungshaus gern weiter ausdifferenzieren, indem wir die Austausch- und Entscheidungsforen für die Kitakinder öffnen und so die Kinderrechte institutionsübergreifend implementieren.  

Beispiel 3: Enger

Christian Absi ist Schulleiter an der Grundschule Belke-Steinbeck/Besenkamp in Enger (Kreis Herford).

Welche Rolle spielen die Bildungsgrundsätze in Ihrem Arbeitsalltag?

Christian Absi: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Bildungschancen für alle Kinder zu verbessern. Das Netzwerk Kita & Co verankert daher die Kooperation in der Kita- und Schullandschaft des Kreises Herford. Um die Kinder bestmöglich fördern zu können, sind gemeinsame pädagogische Grundsätze erforderlich. Die Bildungsgrundsätze tragen dazu bei, ein gemeinsames Bildungs- und Erziehungsverständnis in der Kindertageseinrichtung und in der Grundschule zu entwickeln.

Welchen Schwerpunkt setzen Sie in der Kooperation mit der Kita/Schule? Mit welchem Ziel?

Absi: Sprache zählt zu den wichtigsten Schlüsselkompetenzen für die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und für eine erfolgreiche individuelle Lebensbiografie. Somit sind Sprache und Kommunikation der wichtigste Bestandteil unserer Projekte. Durch Sprache werden zwischenmenschlichen Beziehung hergestellt, gefestigt und vertieft. Die Interaktion mit Bezugspersonen und vorrangig mit anderen Kindern steigert das Selbstwertgefühl jedes Kindes und erhöht die Motivation zu sprechen. Unser Schwerpunkt liegt daher auf der Kind-Kind-Interaktion und -Kommunikation.

Beschreiben Sie bitte kurz Ihr Projekt / Ihre Kooperation.

Absi: Die Bedeutsamkeit von Sprache in unserer Kooperation lässt sich gut anhand des folgenden Projektes erläutern: Im Mai besuchen die zukünftigen Schulkinder vormittags unsere Grundschule, um dort gemeinsam mit ihren künftigen Patinnen und Paten den Stationslauf „Schulführerschein“ zu durchlaufen.

An den einzelnen Stationen erklärt das Grundschulkind seinem Kita-Patenkind die jeweilige Aufgabe und unterstützt es verbal bei der Durchführung. Abschließend kommen alle Schul- und Kitakinder noch einmal zusammen, um das Erlebte gemeinsam zu reflektieren. An dieser Stelle nutzen wir die Kommunikation auf „Augenhöhe“, um die Sprachmotivation zu steigern. Kinder sprechen untereinander freier, spontaner und ohne Hemmungen.

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