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Schulpsychologische Unterstützung in Krisen

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Schulpsychologische Unterstützung in Krisen

für die von den Terroranschlägen in Barcelona betroffenen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte

Frau Ministerin Yvonne Gebauer äußert sich zu dem Terroranschlag in Barcelona und dem Umgang mit dieser Krise in Schulen wie folgt:

"Die weltweiten Terroranschläge schockieren viele Kinder und Jugendliche und lösen Ängste und Fragen aus. Wenn die Jugendlichen, die den Terror in Barcelona unmittelbar erlebten, nach den Ferien wieder in ihre Schulen zurückkehren, wird das Erlebte auch in ihre Schulgemeinschaft hineingetragen: Die Jugendlichen können noch traumatisiert sein und bei ihren Mitschülerinnen und Mitschülern können neue Sorgen und Ängste ausgelöst oder verstärkt werden. All das wird nun in der Schule als wichtiger Bezugsort der Jugendlichen thematisiert und aufgefangen werden.

An jeder Schule gibt es Beratungslehrkräfte und schulische Krisenteams, an die sich die Schülerinnen und Schüler wenden können.

Darüber hinaus gibt es in jeder Stadt und jedem Kreis schulpsychologische Beratungsstellen. An sie können sich Eltern, Schüler und Lehrer wenden, wenn sie externe fachliche Unterstützung brauchen.

Ich bin sicher, dass die Schulen sensibel mit der Situation umgehen werden und bitte sie, auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzugehen. Derzeit tagen ja auch die Lehrerkonferenzen, auf denen es bereits thematisiert werden kann.

Die Landesstelle für Schulpsychologie und schulpsychologisches Krisenmanagement bei der Bezirksregierung Arnsberg hat eine koordinierende Funktion und wurde zum neuen Schuljahr personell aufgestockt. Es ist wichtig in eine Gewaltprävention und Krisenintervention zu investieren damit unseren Schülerinnen und Schülern ein bestmöglicher Schutz geboten werden kann."

Interview mit Herrn Diplom Psychologe Michael Berens, der Landesstelle Schulpsychologie und schulpsychologisches Krisenmanagement, zum Thema:

Schulpsychologische Unterstützungsangebote für die von den Terroranschlägen in Barcelona betroffenen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte

Das plötzliche Eintreten schrecklicher Ereignisse wie die Terroranschläge von Barcelona zeigt uns, dass wir uns gesamtgesellschaftlich wie schulisch auf derartige Situationen vorbereiten müssen. Die aktuellen Geschehnisse rund um diese Terroranschläge tragen die emotionale Schockstarre sowie die psychischen Belastungen der unmittelbar wie mittelbar Betroffenen auch in den Schulalltag sowie das Unterrichtsgeschehen der Schulen in Nordrhein-Westfalen hinein. 

Wie ist das schulpsychologische Krisenmanagement in Nordrhein-Westfalen organisiert?

Auf Basis der Empfehlungen zu Strukturen, Aufgaben und Verfahrensweisen des Schulpsychologischen Krisenmanagements in Schulen in Nordrhein-Westfalen (MSW, 2014) sind die Ablaufprozesse und Informationsstrukturen festgelegt, die ein stringentes, aufeinander abgestimmtes und geordnetes Handeln in Krisensituationen ermöglichen. Die Koordinierung und Leitung der schulpsychologischen Unterstützung erfolgt bei einer schulischen Großschadenslage in Nordrhein-Westfalen durch die neu eingerichtete Landesstelle Schulpsychologie und Schulpsychologisches Krisenmanagement.

An welchen Arbeitsprinzipien orientieren sich diese schulpsychologischen Unterstützungsangebote?

Die schulpsychologische Arbeit orientiert sich stets an dem Grundsatz, mit gebotener Zurückhaltung und Respektierung persönlicher Grenzen „Hilfe zur Selbsthilfe“ anzubieten. Erst diese fundamentalen schulpsychologischen Arbeitsprinzipien wie „Freiwilligkeit, Unabhängigkeit und Verschwiegenheit“ sowie die hohe fachliche Expertise und Feldkompetenz im System Schule der kommunalen und landesbediensteten Schulpsychologinnen und Schulpsychologen schaffen die Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der gesamten Schulgemeinschaft. Denn jeder Mensch möchte ja, dass seine bisweilen emotional sehr belastenden Schilderungen vertraulich behandelt werden und in einem geschützten Rahmen verbleiben.  

Auf welche schulpsychologischen Unterstützungsangebote im Bereich der Krisenprävention wie  Krisenintervention können Schulen zurückgreifen?

Zur Vorbereitung und Optimierung des innerschulischen Krisenmanagements bieten alle Schulpsychologischen Beratungseinrichtungen der Kreise bzw. kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen den Schulen entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebot für die schulischen Teams für Beratung, Gewaltprävention und Krisenintervention an. Somit können Schulen wirksame Krisenmanagementstrukturen aufbauen, um auf potentielle Krisenereignisse vorbereitet zu sein und auf schulische Krisen angemessen und koordiniert reagieren zu können.

Schulen sind jedoch nie nur ein Lernort, sondern immer Orte in denen soziale Beziehungen intensiv gelebt werden. Dementsprechend gilt es die stabilisierende Funktion des Schulalltages mit seinen sozialen Bezügen sensibel zu nutzen. In diesem Kontext werden bei den Schulpsychologischen Beratungseinrichtungen nach Krisenereignissen häufig Abstimmungs- und Beratungsgespräche mit Schulleitungen sowie Lehrerkollegien angefragt. In diesen gemeinsamen Besprechungen werden Kollegien bspw. auf zu erwartende Schock- oder Trauerreaktionen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vorbereitet und mit stabilisierenden psychoedukativen Möglichkeiten vertraut gemacht. Somit haben Lehrkräfte die Möglichkeiten, die Regenerationsfähigkeit der Betroffenen zu unterstützen. Entsprechende Merkblätter sind für alle Schulleitungen sowie Lehrkräfte im Notfallordner für die Schulen in Nordrhein-Westfalen – Hinsehen und Handeln - Handlungsempfehlungen zur Krisenprävention und Krisenintervention (MSW, 2015) hinterlegt.

Welche schulpsychologischen Unterstützungsangebote werden den von den Terroranschlägen in Barcelona betroffenen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte konkret gemacht?

Die von den Terroranschlägen selbst betroffenen Lehrkräfte sowie Lehrkräfte, die betroffen Schülerinnen und Schüler in ihren Klassen unterrichten können sich vertrauensvoll an die für sie zuständige Schulpsychologische Beratungseinrichtung wenden, um somit fachlich unterfüttert eine achtsame Rückkehr in den Schulalltag des nunmehr beginnenden neuen Schuljahres vorzubereiten. Die konkreten Beratungs- und Unterstützungsangebote der Schulpsychologie fokussieren dabei inhaltlich bspw. auf Hinweise zur Informationsweitergabe und Gesprächsführung in möglicherweise besonders betroffenen Klassen, die Organisation von Sicherheit gebenden schulischen Alltagsroutinen sowie den Umgang mit noch bestehenden Schockreaktionen oder diffusen Ängsten.

Neben der systemorganisatorischen Unterstützung bietet die Schulpsychologie selbstverständlich allen betroffenen Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zur Vorbereitung auf das neue Schuljahr bei Bedarf entsprechend vertrauliche Einzelbespräche an. Somit können in diesen Beratungsgesprächen bspw. die vielfältigen Reaktionsweisen der Betroffenen wie Angst- und Unruhezustände, extreme Schreckhaftigkeit oder Schlaflosigkeit „als ganz normale Reaktionen auf ein unnormales und schreckliches Ereignis eingeordnet“ werden. Gleichzeitig werden aber individuelle Ressourcen und Möglichkeiten der emotionalen Stabilisierung erarbeitet, um somit die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, den achtsame Wiedereinstieg in den Schulalltag vorzubereiten und einer Posttraumatischen Belastungsstörung vorzubeugen. Solche Prozesse brauchen Zeit.

Wo sind die Kontaktdaten zur Schulpsychologie für betroffene Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte einsehbar?

Von den Terroranschlägen in Barcelona betroffene Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler können sich in diesem Prozess der Begleitung vertrauensvoll an die Schulpsychologie wenden. Die Kontaktdaten der zuständigen Schulpsychologischen Beratungseinrichtung des Kreises bzw. kreisfreien Stadt sind unter www.schulpsychologie.nrw.de einsehbar.

Diplom Psychologe
Michael Berens
Landesstelle Schulpsychologie und schulpsychologisches Krisenmanagement

 

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