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Pionierin an der Grundschule

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Pionierin an der Grundschule

Von Christina Lüdeke

Schulsozialarbeit an der Grundschule? Jutta Arndt und ihre Kollegin Angelika Tacke leisten Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Und haben damit an der Uhland-Grundschule in Gladbeck schon einiges verändert.

Foto: arndt3 Jutta Arndt leistet Pionierarbeit an der Uhlandschule Gladbeck. (Foto: Christina Lüdeke)

Frische Brötchen, Wurst und Käse, Fetawürfel, Gurkenscheiben und Cocktailtomaten: Immer donnerstags morgens können sich die Eltern der Gladbecker Uhlandschule an den gedeckten Tisch setzen. Bei dampfendem Kaffee und türkischem Tee kommt man zwanglos ins Gespräch - miteinander oder mit Diplom-Pädagogin Jutta Arndt. Zusammen mit ihrer Kollegin Angelika Tacke hat sie das Elterncafé ins Leben gerufen. Es ist einer von vielen Bausteinen bei der Schulsozialarbeit der Grundschule. "So kommen wir direkt mit den Eltern in Kontakt", sagt sie.

Die Eltern nehmen das Angebot gern an. "Hier bekommt man mit, was in der Schule passiert", meint Hediye Kardas, deren Sohn die dritte Klasse besucht. "Und man kann Probleme loswerden", ergänzt Erstklässler-Mutter Gabriele Laupenmühlen. Mal geht es um einen verlorenen Turnbeutel oder die Getränke in der Betreuung, mal um die Wahl der weiterführenden Schule oder um die Sorge der Eltern wegen der seit Anfang des Schuljahres offenen Rektorenstelle. Jutta Arndt hört zu, erklärt, schreibt schnell eine Notiz, damit sie nicht vergisst, die Mitarbeiter in der Betreuung wegen der Getränke-Frage anzusprechen. Ein paar Eltern, die schon fertig gefrühstückt haben, hantieren geschäftig auf dem Nebentisch mit Bücherstaplen und Stempelkissen. Eine Schulbücherei soll aufgebaut werden, die Eltern verpassen jedem Buch einen Stempel. "Die mit den blauen Punkten sind alle fertig", vermeldet ein Vater. Jutta Arndt bedankt sich und leitet die nächsten willigen Helfer zu den Büchern für die Erstleser. "Wir beziehen die Eltern ein, und zwar nicht nur die mit akademischem Abschluss", sagt sie. "Hand in Hand - das ist unser Prinzip."

Foto: eltern1 Bei Kaffee, türkischem Tee und Brötchen kommt man leicht ins Gespräch. (Foto: Christina Lüdeke)

Bevor Diplom-Pädagogin Jutta Arndt und Sozialpädagogin Angelika Tacke im Schuljahr 2007/08 ihre Arbeit aufnahmen, hatte die evangelische Grundschule mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ohnehin liegt sie in einem Viertel in Gladbeck, in dem eher Menschen mit schmalerem Geldbeutel wohnen. In manchen Einschulungs-Jahrgängen wurden nur ein oder zwei Kinder angemeldet, die deutsch als Muttersprache hatten. Zusätzlich zu den daraus entstehenden Schwierigkeiten im sprachlichen Bereich, klagten die Lehrerinnen über steigende Gewalt auf dem Schulhof. Die damalige Schulleiterin Renate Philipp sah dringenden Handlungsbedarf.

Zunächst auf Projektbasis konnten zwei Pädagogen-Stellen mit jeweils 25 Stunden geschaffen werden. "Zuerst waren wir so eine Art Feuerwehr", erzählt Jutta Arndt. Sowohl für die Pädagoginnen als auch für das Lehrerkollegium war die Zusammenarbeit komplettes Neuland. "Manche waren am Anfang auch skeptisch." Ein genaues Handlungskonzept gab es nicht, auch keine andere Grundschule mit Schulsozialarbeitern, an deren Tätigkeit man sich hätte orientieren können.

Doch aus dem Alltag entstanden rasch die ersten konkreten Ideen - erarbeitet immer gemeinsam mit dem Lehrerkollegium. Zum Beispiel ein Ampelsystem mit sechs Regeln, die für die ganze Schule gelten. "Ich arbeite ruhig an meinem Platz", heißt eine davon, "ich bin freundlich zu anderen und helfe" eine andere. Wer dagegen verstößt, muss in der Pause in den Trainingsraum zu den Pädagoginnen. Dort schreibt das Kind auf, was es falsch gemacht hat und wie es sich beim nächsten Mal besser verhalten könnte. Erstklässler können dazu auch Bilder malen. Die Eltern müssen das Blatt unterschreiben, dann bringen die Kinder es wieder in die Schule zurück. "So wissen die Eltern immer, wenn an der Schule was los ist", sagt Jutta Arndt. Schon bei der Einschulung wird das System erklärt, auch im Rahmen des Elterncafés gibt es dazu Veranstaltungen.

Foto: buecher1 Eltern stempeln Bücher für die Schulbücherei. (Foto: Christina Lüdeke)

Nach und nach kamen immer mehr Teile zu dem Konzept hinzu - ob Ganztagsbetreuung oder Unterstützung der Kinder im Unterricht, ob Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und gleichzeitig musikalische Bildung durch ein groß angelegtes Trommel-Projekt oder ein Sprachkurs für Mütter. Inzwischen ist aus den zahlreichen Bausteinen ein Modell mit drei Säulen geworden, immer unter dem Motto "Ohne Erziehung keine Bildung". Ein wesentlicher Teil zielt dabei darauf ab, die Eltern zu stärken. "Am Anfang hatten wir ganz hohe Ziele, wollten hier eine Elternschule aufbauen", berichtet Jutta Arndt. "Das hat aber überhaupt nicht funktioniert." Das Elterncafé dagegen wurde viel besser angenommen. Dort gibt es zwar auch immer mal Info-Veranstaltungen oder Aktionen wie das Bücher-Stempeln für die Schulbücherei. "Aber nicht nur", sagt die Diplom-Pädagogin. "Die Eltern wollen auch mal einfach sitzen und sich austauschen. Und es ist immer gut, wenn auch mal Lehrerinnen oder die Schulleitung vorbei schauen, damit das Café als Teil des Schullebens wahrgenommen wird."

Das im zwanglosen Kontakt gewonnene Vertrauen hilft, wenn eine Familie mehr Hilfe braucht. "Dann laden wir sie ein zu einer Einzelfall-Beratung", so Arndt. Die Pädagoginnen haben ein Netzwerk aufgebaut mit anderen Einrichtungen in Gladbeck, die den Familien weitergehende Unterstützung bieten können. Manchmal begleiten sie die Familien sogar dorthin, um Hemmschwellen niederzureißen. "Wir waren auch schon mit Eltern beim Jugendamt", erzählt die Diplom-Pädagogin. "Und die haben hinterher anderen Eltern erzählt, das war gar nicht so schlimm, die haben mir wirklich geholfen. Das ist für uns natürlich die beste Werbung."

Dass die Arbeit der beiden Pädagoginnen als erfolgreich gelten kann, hat inzwischen auch eine Evaluation des Instituts für Soziale Arbeit Münster ergeben. Die beiden Stellen der Pädagoginnen wurden - als freiwillige Leistung der Stadt Gladbeck - nach dem positiven Gutachten verstetigt. Allerdings mit dem Ziel, das Konzept auch auf andere Gladbecker Grundschulen zu übertragen. Das heißt: Noch mehr Pionierarbeit für Jutta Arndt und Angelika Tacke.

Einen Film über die Schulsozialarbeit an der Gladbecker Uhlandschule finden Sie hier.

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