Logo Ministerium für Schule und Bildung

17. Mai: Tag gegen Homo- und Transphobie

Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Navigation ein/aus

17. Mai: Tag gegen Homo- und Transphobie

von Frank G. Pohl, Landeskoordinator Schule der Vielfalt

Eine Schülervertretung hatte an einem Solidaritätstag beispielsweise ein weithin sichtbares selbst erstelltes Transparent an der Schule aufgehängt.

Auch in diesem Jahr ruft das Antidiskriminierungsprojekt Schule der Vielfalt im Mai dazu auf, sich rund um den Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie (17.05.) für mehr Akzeptanz von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Menschen zu engagieren. Wie in den Vorjahren führen einige Schulen in NRW – auch solche, die noch keine Projektschulen sind - mit einzelnen Klassen, Jahrgängen oder durch die SchülerInnenvertretung (SV) Aktionen durch. Da der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie diesmal auf einen Sonntag fällt, engagieren sich die Schulen am Freitag davor oder Montag danach.

In den letzten Jahren stellten Schülervertretungen anlässlich des Solidaritätstages beispielsweise einen Infostand in der Schule auf, hängten weithin sichtbar ein selbst erstelltes Transparent an der Schule auf (Bild), hissten die Regenbogenflagge oder führten Luftballon-Aktionen mit Info-Karten durch, die die Schülerinnen und Schüler mit Statements gegen Homo- und Transphobie versehen hatten. Des Weiteren gab es Umfragen in der Schule oder in der örtlichen Fußgängerzone zur Akzeptanz in Bezug auf sexuelle und geschlechtliche Unterschiede, oder es wurden Lesungen durchgeführt, z. B. im Fach Deutsch, Politik oder Geschichte.

Schule der Vielfalt : Für eine Schule ohne Homophobie

Unterstützt werden Schulen dabei vom inklusiven Antidiskriminierungsprojekt Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie (im Weiteren:Schule der Vielfalt). Schule der Vielfalt setzt sich dafür ein, dass an Schulen stärker gegen Homo- und Transphobie vorgegangen und mehr für die Akzeptanz von Unterschieden in Bezug auf die sexuelle und geschlechtliche Identität von Menschen getan wird.

Wie wird man Projektschule?

Schule der Vielfalt lebt vom Mitmachen.Die Initiative dazu kann von einzelnen Schülerinnen und Schülern, Eltern oder Lehrkräften kommen.Um Projektschule zu werden, wird ein Beschluss der Schulkonferenz benötigt. In dem Beschluss wird auch den Qualitätsstandards als zukünftige Projektschule zugestimmt. Ein wichtiges Element ist das öffentlich sichtbare Anbringen des Schildes „Come in – wir sind offen“. Das Schild ist für nicht wenige Schulen auch heute noch eine Hürde, die Überzeugungsarbeit bei einem Teil der Schulleitungen, Kollegien, Eltern und Schülerschaft verlangt.

Die Projektschulen unterschreiben zudem eine Selbstverpflichtungserklärung und führen Fortbildungen zu den Themen Homo- und Transphobie mit Lehrkräften sowie sogenannte „SchLAu“-Workshops mit Schülerinnen und Schüler durch. Außerdem sind Projektschulen zur Teilnahme an den jährlichen Vernetzungstreffen verpflichtet.

Warum das Projekt Schule der Vielfalt?

Schule der Vielfalt wurde vor sieben Jahren aufgrund der Berichte von Diskriminierungs- und teilweise auch Gewalterfahrungen gegenüber Lesben und Schwulen im Schulbereich gegründet. Seit 2012 ist das Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW Kooperationspartner im Rahmen des Aktionsplans der Landesregierung gegen Homo- und Transphobie.

Plakat "Schule ohne Homophobie"

Schule der Vielfalt ist in der „LSBTI*Q-Community“ verwurzelt und genießt dort hohe Akzeptanz. Denn die Fachlichkeit des Schulprojekts baut auf der jahrzehntelangen Arbeit in und mit der „Community“ auf, die von verschiedenen Einrichtungen wie dem Rubicon in Köln oder Rosa Strippe in Bochum im Bereich Beratung, Coming-out und Selbsthilfe geleistet werden. Die Abkürzung LSBTI*Q steht für lesbisch, schwul, bisexuell, trans* (transssexuell /transgender /transident), intergeschlechtlich und queer. Das Sternchen* steht für weitere Selbstbezeichnungen.

Von LSBTI*Q-Jugendlichen und –Erwachsenen ist die verbindende und prägende Erfahrung im Bildungsbereich, dass der Aspekt von sexuellen und geschlechtlichen Unterschieden stark tabuisiert ist. Lesben, Schwule, Bi und Trans*-Personen bleiben an den Schulen häufig unsichtbar und die Diskriminierung gegenüber vermeintlich nicht Anwesenden bleibt dann eher unerkannt oder wird nicht benannt. Dadurch werden Akzeptanzmaßnahmen für diese Gruppe schließlich seltener konkret eingefordert. Werden Fortbildungs- oder Sensibilisierungsmaßnahmen zu anderen Themen durchgeführt, so wird vielfach Homo- und Transphobie auch weiterhin „vergessen“.

Deshalb braucht es spezifische Ansätze, Fortbildungskonzeptionen und Hilfestellungen, die Schule der Vielfalt z. B. mit seinem Beratungsangebot und den aufbereiteten Unterrichtsmaterialien auf seiner Homepage www.schule-der-vielfalt.de bietet.

Modellprojekt am ZfsL Hagen

Auch vor dem Hintergrund einer heterogenen Schülerschaft sind die gesellschaftlichen Anforderungen an Lehrkräfte in den letzten Jahren stark gestiegen. Dies muss sich folglich auch in der Ausbildung von Lehramtsanwärtern und dem Vorbereitungsdienst sowie der abschließenden Staatsprüfung von angehenden Lehrkräften widerspiegeln.

Das Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) in Hagen möchte hier voran gehen und den Erwerb von Kompetenzen im Bereich „Akzeptanz in Bezug sexuelle und geschlechtliche Unterschiede“ fundiert umsetzen. Am 30.09.2013 startete deshalb ein Pilotprojekt am Hagener ZfsL im Zusammenhang des Hagener Ausbildungsschwerpunkts “Vielfalt als Herausforderung annehmen und Chancen nutzen“. Fachleiterinnen und Fachleiter erhielten in Workshops einen Einblick in die Arbeit zu “Antidiskriminierung und Akzeptanzarbeit“ an Schulen. Die Workshops wurden von gemeinsam von Schule der Vielfalt und SchLAu NRW durchgeführt.

In einem nächsten Schritt wurden alle Lehramtsanwärterinnen und – anwärter von Gymnasium/Gesamtschule, Berufskolleg und Grundschule für die Akzeptanzarbeit im Schulalltag sensibilisiert. Die Teilnahme am Workshop war für die Lehramtsanwärterinnen und -anwärter auch in Hinblick auf die Verpflichtung zur fächerübergreifenden Umsetzung der Richtlinien zur Sexualerziehung obligatorisch, die eine Akzeptanzarbeit von allen Lehrkräften verlangt Gleichzeitig wird durch diese Veranstaltungen das Studienseminar seiner Verpflichtung laut Prüfungsordnung zur Ausbildung von Standards im Kompetenzbereich „Vielfalt als Herausforderung annehmen und Chancen nutzen“ gerecht (Handlungsfeld 2 der Prüfungsordnung in Verbindung mit Handlungsfeld 5, Anlage 1 der OVP vom 01.07.2012).

Zukünftig wird jeder Jahrgang von Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern am Seminarort Hagen das Projekt Schule der Vielfalt kennenlernen und zum Umgang mit Vielfalt geschult. Im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Thementagen mit weiteren Workshops, z. B. zu Inklusion / Menschen mit Behinderung und kultureller Diversität soll der Schwerpunkt „Vielfalt“ dazu beitragen, die Entwicklung der Identität des Seminarorts Hagen zu schärfen. Die Erfahrungen aus dem Hagener Modell sollen einfließen in eine Konzeption zur landesweiten Umsetzung des Aktionsplans der NRW-Landesregierung „für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt – gegen Homo- und Transphobie“ im Bereich Bildung. Schule der Vielfalt setzt sich dafür ein, dass das Modell auch an den anderen Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung in Nordrhein-Westfalen Schule macht. Für Fortbildungen an weitere ZfsL sollen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Projekt für Akzeptanz

Projektschulen von Schule der Vielfalt haben Modellcharakter. Am Netzwerk von „Schule ohne Homophobie“ teilnehmende Projektschulen behaupten nicht, sie seien Schulen, an denen es keine Diskriminierung zum Beispiel aufgrund der Herkunft, der sexuellen oder geschlechtlichen Identität, des Geschlechts oder aufgrund von Behinderungen gebe. Vielmehr haben sie den Anspruch, sich mit diesen gesellschaftlich tief verwurzelten Problemen von Diskriminierungen bewusst und nachhaltig auseinanderzusetzen. Für das Antidiskriminierungsprojekt sind diese Ansätze zur Akzeptanz wichtige Aspekte für einen respektvollen Umgang und ein gutes Schulklima.

Am Projekt interessierte Schulen können sich an den Landeskoordinator von Schule der Vielfalt wenden:

Frank G. Pohl, kontakt@schule-der-vielfalt.de,

Tel. beim Beratungszentrum RUBICON in Köln: 0221 / 27 66 999 69

oder der Rosa Strippe in Bochum: 0234 640 40 77.

Zum Seitenanfang

Bildungsthemen im Zuständigkeitsbereich anderer Landesministerien

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen
Völklinger Straße 49, 40221 Düsseldorf