Logo Ministerium für Schule und Weiterbildung

Maßnahmen des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW für zugewanderte Kinder und Jugendliche

Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Navigation ein/aus

Maßnahmen des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW für zugewanderte Kinder und Jugendliche

Die anhaltende Zuwanderung durch Geflüchtete in NRW stellt weiterhin alle Beteiligten im Land sowie in den Kreisen und Kommunen vor große Herausforderungen, gerade auch alle Menschen, die sich beruflich oder ehrenamtlich im Bildungssystem engagieren.

Integration durch Bildung ist eine Aufgabe jeder einzelnen Schule in ihrer Gesamtheit. Das gemeinsame Unterrichten von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Zuwanderungsgeschichte schafft gegenseitiges Verständnis und leistet einen ausgewiesenen Beitrag für die schulische und gesellschaftliche Integration.

Das Land Nordrhein-Westfalen bietet strukturell gute Voraussetzungen für eine sachgerechte Integration der bei uns Zuflucht suchenden Kinder und Jugendlichen. Zentrale Grundlagen sind das Teilhabe- und Integrationsgesetz aus dem Februar 2012 und die Erlasse aus dem Juni 2012 zur Ausgestaltung der Kommunalen Integrationszentren (KI) und zur Weiterentwicklung der Integrationsstellen.

Rechtliche Grundlagen der Schulpflicht

  • Nach Artikel 8 Absatz 2 der Verfassung für das Land Nordrhein-Westfalen „besteht allgemeine Schulpflicht".
  • Das Nähere regelt das Schulgesetz NRW. Maßgeblich sind die Paragrafen 34 bis 41 und 125. In Paragraf 34 Absatz 1 heißt es:„Schulpflichtig ist, wer in Nordrhein-Westfalen seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder seine Ausbildungs- oder Arbeitsstätte hat.
  • Alle zugewanderten Kinder haben ein Recht auf Bildung, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Nach der Zuweisung zu einer Kommune besteht auch für Flüchtlingskinder Schulpflicht. Für ausreisepflichtige ausländische Kinder und Jugendliche besteht die Schulpflicht bis zur Erfüllung ihrer Ausreisepflicht.
  • Die "Überwachung der Schulpflicht" regelt ein Erlass des Schulministeriums vom 4. Februar 2007. Zuständig sind die Schulämter. Auch Flüchtlingskinder haben einen Anspruch auf die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabegesetz bzw. aus dem Landesfonds "Alle Kinder essen mit".

Ressourcen

Das Land investiert erhebliche Mittel, um die Schulen mit zusätzlichen Ressourcen auszustatten. In 2015 und 2016 werden insgesamt 5.766 zusätzliche Stellen für die Beschulung von zugewanderten Schülerinnen und Schülern eingesetzt.

  • Davon werden 4.124 Stellen für die Abdeckung des erhöhten Grundbedarfs der Schulen eingesetzt. Diese Stellen  kommen allen Schülerinnen und Schülern zugute, da diese Lehrkräfte für die allgemeinen Klassen vorgesehen sind.
  • In der Gesamtsumme enthalten sind 1.200 zusätzliche Integrationsstellen für die Sprachförderung. Diese Integrationsstellen sind für Lehrerinnen und Lehrer mit Kenntnissen im Bereich Deutsch als Zweitsprache oder Deutsch als Fremdsprache vorgesehen. Sie sollen Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien oder in vergleichbaren Lebenssituationen in kleinen Gruppen in Deutsch unterrichten. Damit können die Bezirksregierungen für die durchgängige Sprachbildung und die interkulturelle Schulentwicklung (dazu zählt auch die Beschulung von schulpflichtigen zugewanderten Kindern und Jugendlichen) auf landesweit insgesamt 4.728 Integrationsstellen zurückgreifen.
  • 255 Stellen werden für die Offene Ganztagsschule eingesetzt. Hinzukommen 19,2 Mio. Euro an Sachmitteln. In der Offenen Ganztagsschule stehen damit in 2016 insgesamt  17.500 Plätze (von insgesamt 305.100 Plätzen) für Flüchtlingskinder zur Verfügung.
  • Weitere Stellen sind für Kommunale Integrationszentren (10), multiprofessionelle Teams (113), Schulpsychologinnen und Schulpsychologen (20), Fachberaterinnen und Fachberater (40) bei der unteren und oberen Schulaufsicht, Moderatorinnen und Moderatoren für die Lehrerfortbildung (4) eingesetzt.
  • Für zusätzliche Angebote zur Deutschförderung für neu zugewanderte Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren stellt das Land ab 2016 zwei Mio. Euro Weiterbildungsmittel zur Verfügung. Das sind 1,5 Mio. Euro mehr als 2015.
  • Für die Lehrerfortbildung wird 2016 zusätzlich zu den oben genannten Lehrerstellen eine Mio. Euro an Sachmitteln bereitgestellt, um das Angebot im Bereich Deutsch als Zweitsprache/ Deutsch als Fremdsprache weiter zu verstärken.
  • Eine Mio. Euro werden für Aushilfen im Bereich „Integration durch Bildung“ bereitgestellt, um auch die Schulen zu unterstützen, die nur vereinzelt Flüchtlingskinder aufnehmen und daher nicht an den Stellen für Vorbereitungs- und Auffangklassen partizipieren. Die Mittel sind insbesondere für nebenamtliche oder geringfügige Honorarverträge vorgesehen.

Für eine Lerngruppe von etwa 15 bis 18 Kindern und Jugendlichen steht in der Regel eine halbe Lehrerstelle für das Erlernen der deutschen Sprache zur Verfügung.

Infrastruktur

  • Bezirksregierungen, Schulämter und Kommunale Integrationszentren (KI) sorgen gemeinsam dafür, dass Flüchtlingskinder so rasch wie möglich einen Platz in einer Schule erhalten. Für jede Schule ist eine Schulärztin oder ein Schularzt bestellt. Die Schulärztin oder der Schularzt betreut oder berät Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und ggf. Eltern. Bei einem Verdacht auf meldepflichtige Infektionskrankheiten schaltet die Schule den schulärztlichen Dienst ein.
  • In den Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen arbeiten zurzeit 49 Kommunale Integrationszentren (KI).  Das 50. KI im Kreis Coesfeld wird in Kürze eröffnet. Die KI werden vom Ministerium für Arbeit und Integration NRW (MAIS) (3 Fachkräfte sowie ½ Verwaltungsassistenzkraft) und vom Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW (MSW) (pro KI zwei Lehrerstellen) hälftig finanziert. Zusätzliche Mittel stellen die Kommunen. Aufgabe der KI ist es, die verschiedenen Akteure im Bereich der Integration vor Ort zusammenzubringen und mit eigenen Angeboten zu unterstützen. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Bildung. Unter anderem beraten die KI Schulen, Schulämter, Studienseminare, und sie bieten Fachvorträge und Workshops für das gesamte pädagogische Fachpersonal an.
  • Die landesweite Koordinierungsstelle (LaKI) mit Sitz in Dortmund unterstützt die KI bei der Umsetzung ihrer Arbeitsschwerpunkte.
  • Für die KI wurden mit dem Haushalt 2015 zehn zusätzliche Stellen bereitgestellt, die 14 besonders betroffenen Kreisen und Städten zugewiesen wurden.

Umsetzung in der Schule

  • Die sprachliche Bildung der Schülerinnen und Schüler ist im Sinne eines sprach- und kultursensiblen Fachunterrichts Aufgabe aller Lehrkräfte und aller Fächer. Die Schulen bilden zur Umsetzung einer solchen durchgängigen Sprachbildung vielfach Teams von Lehrkräften und ggf. weiteren Fachkräften. 
  • Die schulische Betreuung von Kindern und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse ist eine große pädagogische Herausforderung. Zugewanderte Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihrer Deutschkenntnisse noch nicht in der Lage sind, durchgehend am Regelunterricht teilzunehmen, können u.a. in sogenannten Vorbereitungsklassen bzw. Auffangklassen unterrichtet werden. Ziel ist die schnellstmögliche Teilnahme am Regelunterricht als beste Voraussetzung für gelingende Integration. 
  •  Vorbereitungsklassen werden vor Schuljahresbeginn eingerichtet, Auffangklassen bei Bedarf im Verlauf des Schuljahres. Vor Ort gibt es sowohl andere Organisationsformen als auch andere Bezeichnungen. In Schulen, die derartige Klassen nicht einrichten, können die Schülerinnen und Schüler in kleinen Lerngruppen temporär gefördert werden und erhalten Deutschunterricht.
  • In Berufskollegs werden in Absprache mit dem Schulträger und der oberen Schulaufsicht Internationale Förderklassen eingerichtet. Die Internationalen Förderklassen sind Bestandteil des vollzeitschulischen Bildungsganges der Ausbildungsvorbereitung und bieten berufsschulpflichtigen Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte die Möglichkeit, berufliche Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und berufliche Orientierung sowie einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss zu erwerben. Nicht mehr schulpflichtige Flüchtlinge können in den Bildungsgang der teilzeitschulischen Ausbildungsvorbereitung aufgenommen werden, wenn sie an einer Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit, der Jugendhilfe oder einer anderen staatlichen Einrichtung (z.B. Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Fortbildungszentrum für Flüchtlinge) teilnehmen. 
  • Schulpflichtige und nicht mehr schulpflichtige junge Menschen besuchen im Rahmen der Teilnahme an einer Einstiegsqualifizierung (EQ) der Bundesagentur für Arbeit oder einer dualen Berufsausbildung den Unterricht in Fachklassen des dualen Systems. Ausbildungsbegleitende Sprachkurse können die Auszubildenden durch Stützunterricht oder erweiterten Stützunterricht entsprechend dem Angebot eines Berufskollegs im Differenzierungsbereich erhalten.
  • An vielen Schulen unterrichten Lehrkräfte, die bereits über Zusatzqualifikationen im Bereich Deutsch als Zweitsprache verfügen. Die Bezirksregierungen bieten für andere Lehrkräfte Zertifikatskurse für die Kompetenz „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremd-sprache“ an. Zurzeit wird eine landeseinheitliche Fortbildungsmaßnahme konzipiert.
  • Die Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI) hat eine Veranstaltungsreihe „Schule für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche“ für Lehrkräfte aufgelegt. Die erste Veranstaltung fand am 22. Oktober 2015 statt und war binnen weniger Stunden ausgebucht. Die Reihe wird fortgesetzt.
  • NRW ist das erste Bundesland, das 2009 in der Lehrerausbildung für alle Lehrämter ein verpflichtendes Modul Deutsch als Zweitsprache eingeführt hat. Die Umsetzung ist an allen lehrerausbildenden Universitäten erfolgt. 
  • Die überwiegende Zahl der Kompetenzteams für die Lehrerfortbildung und die meisten Kommunalen Integrationszentren (KI) halten Beratungs- und Unterstützungsangebote vor. So bietet die Landesweite Koordinierungsstelle Kommunaler Integrationszentren (LaKI) u.a. die Maßnahme „Unterricht für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche“ an, die sich an Lehrkräfte als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren richtet. LaKI arbeitet eng mit mehreren Hochschulen zusammen (u.a. Universität Duisburg/Essen und Universität Münster).
  • LaKI führt mehrere Projekte gemeinsam mit der Stiftung Mercator durch („Sprachsensible Schulentwicklung“, „Sprachsensibles Unterrichten fördern – Angebote für den Vorbereitungsdienst“).
  • Zur Unterstützung der Schulen fördert das Ministerium für Schule und Weiterbildung gemeinsam mit mehreren Stiftungen (Stiftung Mercator, Freudenberg-Stiftung, Walter-Blüchert-Stiftung) mehrere kommunale Vorhaben, u.a. zur Beschulung und Bildung unbegleiteter Minderjähriger.
  • Vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen kommt es darauf an, Schritt für Schritt weitere Lehrerinnen und Lehrer für eine durchgängige Sprachbildung und eine interkulturelle Schul- und Unterrichtsentwicklung zu qualifizieren. Ziel ist es, für die Schulen ein bei der LaKI angesiedeltes flächendeckendes Beratungs-und Unterstützungsangebot bereitzustellen. 
  •  

Gemeinwohlorientierte Weiterbildung

  • Aufgrund des hohen Bedarfes und der großen Nachfrage hat die Landesregierung den Haushalt 2016 für Volkshochschulen und andere nach dem Weiterbildungsgesetz (WbG) anerkannte  Einrichtungen im Rahmen der Haushaltsberatungen 2016 mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 2 Mio. Euro ausgestattet.
  • Diese zusätzlichen Mittel sind vorgesehen für Projektförderung für zusätzliche Kurse zur Sprachförderung für neu zugewanderte Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren. Gefördert werden Angebote bis zur Niveaustufe B 1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (Elementare Sprachanwendung) mit dem Ziel einer erfolgreichen Integration.
  • Zielgruppe sind in 2015/2016 neu zugewanderte Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren, die über keine oder nur geringe Deutschkenntnisse verfügen und – sofern nachweisbar - von der Teilnahme an den Integrationskursen des BAMF und der Bundesagentur für Arbeit ausgeschlossen sind.

Weiterführende Informationen

Zum Seitenanfang

Themen im Bildungsportal

Bildungsthemen im Zuständigkeitsbereich anderer Landesministerien

© 2013 - 2017 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen
Völklinger Straße 49, 40221 Düsseldorf