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Sonstige Fragen und Antworten

Wenn ich für mein Kind die Förderschule möchte, es aber wohnortnah kein Angebot (mehr) gibt, was passiert dann?

Letztlich entscheiden die Eltern mit ihrer Wahl, ob ihr Kind eine allgemeine Schule oder eine Förderschule besuchen soll, für welches Schulangebot es vor Ort einen Bedarf gibt. Es ist davon auszugehen, dass der Trend der vergangenen Jahre weiter anhält und Eltern in deutlich höherem Umfang als bisher das Gemeinsame Lernen befürworten. Deshalb werden vor allem Förderschulen im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen künftig vermehrt unter die Mindestgröße fallen, die für einen geordneten Schulbetrieb erforderlich ist. Dann müssen Eltern, die für ihr Kind die Förderschule wollen, weitere Schulwege in Kauf nehmen. Diese Situation ist schon heute insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit komplexen Behinderungen (Sinnesschädigungen, komplexe körperliche und geistige Behinderungen) gegeben, für die es – aufgrund der vergleichsweise geringen Zahl – nicht überall ein wohnortnahes Förderschulangebot gibt. Andererseits verkürzt sich für viele Kinder und Jugendliche der Schulweg, wenn sie eine wohnortnahe allgemeine Schule besuchen.

Wenn Förderschule und allgemeine Schulen nebeneinander bestehen sollen, welche „Inklusionsquoten“ werden dann erwartet?

Da es sich hier um Prognosen handelt, die den Elternwillen betreffen, ist nur eine Einschätzung möglich. Wenn das Angebot des Gemeinsamen Lernens von den Beteiligten als qualitativ hochwertig empfunden wird, wird es zunehmend auf Akzeptanz stoßen. Gerade im Bereich der komplexen Behinderungen, wo neben pädagogischer Förderung in Förderschulen häufig auch eine Unterstützung in anderer Form und durch andere Leistungsträger bereit gestellt wird (z. B. medizinisch-therapeutische Angebote), ist damit zu rechnen, dass viele Eltern auch weiterhin die Förderschulen wählen, so lange ein ähnliches umfassendes Angebot nicht auch in allgemeinen Schulen vorhanden ist. Auch daher macht es Sinn, hier „Schwerpunktschulen“ anzubieten, weil dies dort am ehesten gewährleistet werden kann. Die Wissenschaftler Prof. Klemm und Prof. Preuss-Lausitz gehen in ihrem Gutachten für die Landesregierung davon aus, dass innerhalb der kommenden zehn Jahre rund die Hälfte dieser Eltern für ihre Kinder die allgemeine Schule und die andere Hälfte die Förderschule wählen werden.

Im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen, bei denen ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung oftmals erst im Laufe des Schulbesuchs festgestellt wird – also wenn die Kinder schon allgemeine Schulen besuchen – ist damit zu rechnen, dass der Wunsch nach dem Angebot „Förderschule“ geringer ausgeprägt ist. Daher gehen hier die Prognosen von einer 70prozentigen „Inklusionsquote“ innerhalb der nächsten zehn Jahre aus. Wenn man außerdem bedenkt, dass der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Entwicklungsstörungen rund 70 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ausmacht, dann ergäbe sich rein rechnerisch eine „Inklusionsquote“ von etwa 65 Prozent bis 2023. Allerdings sind dies – wie geschildert – Prognosewerte mit großen Unwägbarkeiten. Letztlich zählt der Elternwille.

Gibt es (eine) vorgeschriebene Obergrenze(n) für die Zahl von Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Klasse?

Es gibt eine gelebte Praxis, aber keine verbindlichen Vorgaben. Hinter einer solchen Frage steht doch – unausgesprochen – meist die Annahme, dass der sonderpädagogische Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen immer ähnlich sei und dass nur eine begrenzte Zahl dieser Schülerinnen und Schüler den anderen „zugemutet“ werden könne. Unter den Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung gibt es leistungsstarke Kinder und Jugendliche – beispielsweise, weil ihr Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ausschließlich durch eine körperliche Behinderung oder eine Sinnesschädigung bedingt ist. Es würde keinen Sinn machen, für die Zahl dieser Schülerinnen und Schüler eine Obergrenze festzulegen. Allerdings sorgt schon die Tatsache, dass diese Schülerinnen und Schüler eine kleine Gruppe ausmachen, dafür, dass in den allgemeinen Schulen selten viele von ihnen in einer Klasse gemeinsam mit Schülerinnen und Schüler ohne Behinderungen lernen.

Daneben gibt es Schülerinnen und Schüler, deren sonderpädagogischer Förderbedarf darin begründet ist, dass sie eine geistige Behinderung oder eine Lernbehinderung haben oder besonders herausfordernde Verhaltensweisen aufweisen. Es hat wenig Sinn, viele eher leistungsschwache Kinder in einer Klasse zu unterrichten, weil Schülerinnen und Schüler gerade auch voneinander lernen. Insofern sollten möglichst in allen diesen Klassen auch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler lernen. Aber auch ist es nicht generell sinnvoll, „Obergrenzen“ für die Zahl der Schülerinnen und Schüler festzulegen, die beispielsweise einen Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung in den Förderschwerpunkten Geistige Entwicklung oder Lernen haben. Die bisher gelebte Praxis zeigt aber, dass es in der Regel zwischen vier und sechs sind, weil eine solche „Bündelung“ ermöglicht, dass in mehreren Unterrichtsstunden zwei Lehrkräfte in der Klasse unterrichten und somit eine erweiterte bzw. vertiefte Differenzierung erfolgen kann.

Problematisch ist es in der Regel allerdings, eine größere Zahl von Schülerinnen und Schülern mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung in einer Klasse gemeinsam zu unterrichten, weil es dann sein kann, dass Schwierigkeiten potenziert werden.

Es kommt also entscheidend auf die Zusammensetzung der gesamten Klasse an, sowohl innerhalb der Gruppe von Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen als auch innerhalb der Gruppe ohne sonderpädagogische Förderbedarfe, die ja ebenfalls nicht einheitlich ist.

Warum schreibt die Landesregierung keine generellen Obergrenzen für „Inklusionsklassen“ vor?

Dazu müsste zunächst definiert werden, was eine „Inklusionsklasse“ ist. Wenn zum Beispiel in einer Klasse am Gymnasium eine blinde Schülerin lernt, ist dies dann eine „Inklusionsklasse“, für die eine Obergrenze definiert werden müsste? Müsste das geschehen, wenn zudem noch ein körperbehinderter Junge in der Klasse ist, der aber leistungsstark ist?

Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind keine homogene, sondern eine sehr vielfältige Gruppe – wie Schülerinnen und Schüler ohne Behinderungen auch. Lernen in einer Klasse viele Schülerinnen und Schüler auf einem sehr unterschiedlichen Leistungsniveau, dann sind im Unterricht mitunter besondere Differenzierungsmaßnahmen erforderlich. Diese können beispielsweise durch zwei Lehrkräfte in einer größeren Gruppe oder auch durch zwei Lehrkräfte temporär in getrennten kleineren Gruppen erfolgen. Um möglichst häufig zwei Lehrkräfte im Unterricht einsetzen zu können, bilden manche Schulen lieber etwas größere Klassen (die dann auch einmal geteilt und mit Gruppen aus anderen
Klassen anders zusammengefügt werden können). Dies sollte durch keine Vorgaben verhindert werden. Daher beabsichtigt das Ministerium nicht, Obergrenzen für „Inklusionsklassen“ festzuschreiben. Allerdings sieht das SchulG vor, dass an weiterführenden Schulen, die Jahr für Jahr mehrere Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen, die Schulleiterin oder der Schulleiter im Einvernehmen mit dem Schulträger die Aufnahmekapazitäten begrenzen kann (siehe auch Antwort auf die vorige Frage).

Gibt es eine Möglichkeit an besonders beliebten Schulen mit Gemeinsamen Lernen zu verhindern, dass sie große Klassen bilden müssen?

Sowohl im 8. Schulrechtsänderungsgesetz (Grundschulen) als auch im 9. Schulrechtsänderungsgesetz (Inklusion) sind dazu Festlegungen getroffen worden. Nach dem 8. Schulrechtsänderungsgesetz können die Schulträger die Aufnahmekapazität von Grundschulen, die vor besonderen Herausforderungen stehen (Inklusion, soziales Umfeld) begrenzen. Allerdings dürfen sie dabei nicht die ihnen zur Verfügung stehende Kommunale Klassenrichtzahl überschreiten. Nach dem Konzept zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen und wohnungsnahen Schulversorgung im Grundschulbereich bei rückläufigen Schülerzahlen ist insoweit eine durchschnittliche Klassengröße von 23 Schülerinnen und Schülern vorgesehen; es
gibt hier also Gestaltungsspielräume.

Laut § 46 Absatz 4 SchulG kann die Schulleiterin oder der Schulleiter im Einvernehmen mit dem Schulträger die Zahl der in die 5. Klassen einer weiterführenden Schule aufzunehmenden Schülerinnen und Schüler auf den Klassenfrequenzrichtwert begrenzen, wenn das Gemeinsame Lernen an der Schule zum Prinzip gehört.

Im Rahmen des Schulkonsenses ist außerdem vorgesehen, den Klassenfrequenzrichtwert der Schulformen Realschule, Gesamtschule und Gymnasium schrittweise zu reduzieren. Der Landeshaushalt senkte ihn für das Schuljahr 2014/15 an Gesamtschulen, Realschulen sowie in der Sekundarstufe I des Gymnasiums von bisher 28 auf 27. Damit sind - wenn von der Begrenzungsmöglichkeit des § 46 Absatz 4 SchulG (siehe oben) Gebrauch gemacht wird - an Schulen mit gemeinsamem Lernen höchstens 27 Schülerinnen und Schüler statt 30 aufzunehmen, bei einer vierzügigen Schule also 108 Schülerinnen und Schüler statt 120. Voraussetzung ist, dass unter diesen 108 mindestens acht Schülerinnen und Schülern (rechnerisch zwei pro Zug) einen festgestellten Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung haben. Die Schule kann dann intern entscheiden, ob sie beispielsweise kleinere „Integrationsklassen“ bildet und zwei größere, bei denen sie bis an die Obergrenze der Bandbreite geht.

Wenn Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung künftig überwiegend in allgemeinen Schulen unterrichten sollen, gibt es dann für sie noch Aufstiegsmöglichkeiten?

Mit der vorgesehenen Umstellung der Lehrerstellenzuweisung an Schulen mit Gemeinsamem Lernen sollen Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung zum Kollegium der allgemeinen Schule gehören. Es ist daher nur konsequent, wenn sie auch Schulleitungsfunktion an allgemeinen Schulen übernehmen können. Mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz geht daher eine Änderung des Beamtenbesoldungsgesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen einher, mit der ihnen der Zugang zu Leitungsfunktionen an Grundschulen, Hauptschulen und Realschulen eröffnet und die Übertragung der Ämter im statusrechtlichen Sinne ermöglicht wird. Der Zugang zu den Leitungsfunktionen an Gesamtschulen, Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen ist bereits geregelt.

Welche Perspektiven haben Schulleitungen auslaufender Förderschulen oder Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung?

Diese Lehrkräfte haben einen Anspruch auf eine amtsangemessene Verwendung. Das kann bedeuten, dass sie die Leitung einer anderen Förderschule oder auch einer allgemeinen Schule übernehmen (siehe Antwort auf vorige Frage). Darüber hinaus wird derzeit geprüft, unter welchen Voraussetzungen ehemaligen Schulleiterinnen und Schulleitern von Förderschulen oder Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung ein Einsatz mit einem – neben dem Unterricht – besonderen Aufgabenprofil an Schwerpunktschulen ermöglicht werden kann. Ziel ist es dabei, die sonderpädagogische Fachlichkeit innerhalb der Schwerpunktschule und der mit ihr verbundenen allgemeinen Schulen in der Region zu sichern. Außerdem soll geprüft werden, ob bzw. in welcher Form Schulleitungen auslaufender Förderschulen zur Unterstützung der Schulaufsicht bei der Sicherung sonderpädagogischer Fachlichkeit vor Ort eingesetzt werden können.

Was ist der Unterschied zwischen „zielgleicher“ und „zieldifferenter“ Förderung?

Die Grundlage für den Unterricht bilden die Lehrpläne für die Unterrichtsfächer. Darin werden für jedes Fach und bestimmte Klassenstufen Erwartungen formuliert, die deutlich machen, welche Fähigkeiten, Kenntnisse und Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen. Dabei orientieren sich die Lehrpläne an den „Bildungsstandards“, die im Rahmen der Kultusministerkonferenz für Schulabschlüsse formuliert worden sind, um eine Vergleichbarkeit des schulischen Bildungsauftrags, der durch die Länder wahrgenommen wird, zu sichern.

Allerdings gibt es Schülerinnen und Schüler, die aufgrund einer geistigen Behinderung oder einer nachhaltigen Lernstörung nicht in der Lage sind, die in den Lehrplänen formulierten Ziele zu erreichen, die also nicht „zielgleich“ unterrichtet werden können. Diese Schülerinnen und Schüler werden dann „zieldifferent“ unterrichtet. Grundlage für diese „zieldifferente“ Förderung sind individuelle Förderpläne, die von den Lehrkräften für diese Schülerinnen und Schüler erstellt werden. Denn auch in dieser Gruppe ist das Leistungsvermögen durchaus unterschiedlich, sindauch Stärken und Kompetenzen vorhanden, die in den Lehrplänen für die allgemeinen Schulen keine Rolle spielen. Zudem können eine erfolgreiche Förderung und eine entsprechende persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler dazu führen, dass einige von ihnen wieder an den Unterricht der allgemeinen Schulen herangeführt werden und sie die Schulabschlüsse dieser Schulen erreichen können. Bei einer geistigen Behinderung ist dies jedoch der Ausnahmefall.

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