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Verschieden und Gleich Interkulturelle Kompetenz und Kommunikation, Dr. Anne Dietrich, Kulturwissenschaftlerin

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Verschieden und Gleich Interkulturelle Kompetenz und Kommunikation, Dr. Anne Dietrich, Kulturwissenschaftlerin

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Nähern wir uns dem Thema der Veranstaltung und fangen mit dem ersten Teil des Titels an: Verschieden und Gleich. Menschen überall auf der Welt sind soziale Wesen (bilden Familiensysteme, entwickeln Normen, Werte und Regeln) und haben "natürliche" Bedürfnisse (Essen, Sexualität, Schutz vor äußeren Gefahren etc.). Es gibt mehr Verbindendes als Trennendes, mehr Gleiches als Verschiedenes. Zum Verschiedenen gehören die kulturellen Zugehörigkeiten. Jeder Mensch wird in ein bestehendes kulturelles System hineingeboren, das ihm/ihr Orientierung gibt, dessen Veränderungen er/sie erlebt. Der Begriff Kultur, Definition(en) und Nutzung(en) werden innerhalb der Wissenschaft seit Jahrzehnten heftig diskutiert.

Es gibt die Gefahr, Kulturelles zu ignorieren oder aber über zu bewerten, Beides ist einer gelingenden interkulturellen Kommunikation abträglich. Kulturelles spiegelt sich in der Kommunikation wider. Fallbeispiele aus dem Schul- und Erziehungsbereich, die von den Teilnehmenden in Kleingruppen diskutiert werden, verdeutlichen das.

Interkulturelle Kompetenz hat im Rahmen der aktuellen Initiative "Interkulturelle Öffnung der Verwaltung" als Schlüsselqualifikation an Bedeutung gewonnen. Was aber bitte ist damit gemeint?

Gesetz zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration in Nordrhein-Westfalen und zur Anpassung anderer gesetzlicher Vorschriften. In: Gesetz - und Verordnungsblatt (GV. NRW.) Ausgabe 2012 Nr. 5 vom 24.02.2012

Begriffsbestimmung

"Interkulturelle Kompetenz im Sinne dieses Gesetzes umfasst

  1. die Fähigkeit, insbesondere in beruflichen Situationen mit Menschen mit und ohne Migrationshintergrund erfolgreich und zur gegenseitigen Zufriedenheit agieren zu können,

  2. die Fähigkeit, bei Vorhaben, Maßnahmen, Programmen etc. die verschiedenen Auswirkungen auf Menschen mit und ohne Migrationshintergrund beurteilen und entsprechend handeln zu können sowie

  3. die Fähigkeit, die durch Diskriminierung entstehenden Integration hemmenden Auswirkungen zu erkennen."

So also steht es im Gesetzestext. Die folgende Definition wurde am 03.07.2003 bei einem Treffen in den Räumen der RAA Essen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen verschiedener Xenos-Projekte unter Moderation von Dr. Anne Dietrich, Kulturwissenschaftlerin Essen, erarbeitet:

"Interkulturelle Kompetenz basiert auf einer Grundhaltung, die Kultur als dynamischen Prozess begreift und Auseinandersetzung und Veränderung begrüßt.Das Bewusstsein um die eigene kulturelle Geprägtheit ist von gleicher Bedeutung wie die Bereitschaft zur Aneignung qualifizierten Wissens um kulturelle Normen, die jeweils gültigen Gesetzestexte etc. Soziale Kompetenz ist Grundlage interkultureller Kompetenz.

Interkulturelle Kompetenz zeigt sich in der vorhandenen Handlungsfähigkeit in als kulturell interpretierten uneindeutigen Situationen bzw. Interaktionen. Sie ist geprägt von Respekt, der dem Gegenüber als "Individuum" und "Anderen" entgegengebracht wird. Eigenreflexion und Empathie/Offenheit, gepaart mit Konflikt- und Kritikfähigkeit, sind Voraussetzungen für interkulturell kompetente Interaktion. Kommunikative Kompetenz ist eine grundlegende Fähigkeit. Sie erleichtert die interkulturelle Kommunikation, wenn sie mit der Anerkennung der Gleichwertigkeit von Unterschieden und der Fähigkeit einhergeht, die im interkulturellen Prozess vorhandenen Perspektiven einnehmen zu können (Multiperspektivität).

Neugier, das Interesse am "Anderen", hilft bei der Kontaktaufnahme und Annäherung. Das Bewusstsein eigenkultureller Geprägtheit erleichtert die Akzeptanz von anderskulturellen Eigenheiten. Frustrationstoleranz hilft u. a. dort, wo sich Wertehaltungen unvereinbar gegenüberstehen und hilft, Unsicherheiten zu ertragen."

Beide Definitionen wurden innerhalb des Workshops von der Frauenbeauftragten Frau Dr. Klimeck und der Referentin Frau Dr. Dietrich vorgestellt. Sie machen klar, dass Definitionen desselben Begriffes vom jeweiligen Entstehungskontext geprägt sind.

Der Workshop konnte in aller Kürze für kulturelle Besonderheiten und kulturübergreifende Bedürfnisse und Gemeinsamkeiten sensibilisieren.

Lesenswert zum Thema:

Gesetz zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration in Nordrhein-Westfalen (Teilhabe- und Integrationsgesetz) vom 14.Februar 2012 (Fn1), darin: §4 Begriffsbestimmung Interkulturelle Kompetenz

Heide Wahrlich, Interkulturelle Kommunikation. Die wortlose Sprache im Kulturkontext.
http://www.nibis.de/~iakm/Materialen/wahrlich.pdf

Väter mit Migrationshintergrund:
www.mais.nrw.de

Mentoring für Mädchen mit Migrationshintergrund:
http://www.zfbt.de/dokumente/Neue_Wege_Erfolgsgeschichten.pdf

Notizen zur Veranstaltung finden Sie hier.

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