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Keiner wird ausgeschlossen

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Keiner wird ausgeschlossen

Vorbildliche Inklusion an der Montessori-Gesamtschule Borken

Der "Jakob Muth-Preis für inklusive Schule" wurde an die Montessori-Gesamtschule Borken verliehen für ihren vorbildlichen Unterricht bei Kindern mit und ohne Behinderungen. Wir haben Lernende und Lehrende befragt, wie sie sich Inklusion vorstellen und bislang das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen in Borken funktioniert.

Foto: bild_1Von Susanne Schnabel

Im Treppenhaus der Schule treffen sich Jana und Eva. Die beiden Freundinnen flüstern, kichern und umarmen sich zum Abschied. Dann geht Eva in ihren Klassenraum und Jana widmet sich den Arbeitsblättern zum Thema Regenwald. Eine ganz normale Szene zwischen Mädchen. Auch, wenn Eva das Down-Syndrom hat. Diese Chromosomenanomalie ist kein Hindernis für die Freundschaft - im Gegenteil: Jana profitiert von Evas unbefangenem, fröhlichem Naturell und Eva fühlt sich angenommen und respektiert.

Angstfreies Lernen

An der Montessori-Gesamtschule in Borken haben Schüler die Möglichkeit, gemeinsam zu lernen, zu spielen und manchmal zu streiten - und das schon seit 21 Jahren. Hänseleien, Mobbing, Ängste - das gibt es hier nicht. Niemand wird ausgeschlossen", sagt Karoline. Die Schülerin erzählt, das Verhältnis zu den Pädagogen sei freundschaftlich und herzlich. Viele Eltern waren anfangs skeptisch, ob das Konzept funktioniert, ob die Lehrer den unterschiedlichen Anforderungen der Schüler gerecht werden, ob auch niemand dauerhaft über- oder unterfordert wird. Doch der Erfolg gibt der Schule Recht.

Gut durchdachtes Konzept in Borken

Foto: bild_4Seit der Gründung der Montessori-Gesamtschule Borken im Jahr 1989 werden Schüler mit Behinderung ganz selbstverständlich mit einbezogen. 167 Kinder und Jugendliche besuchen derzeit die Schule, über 20 Prozent davon haben sonderpädagogischen Förderbedarf. "Unser Schulprogramm stützt sich auf drei Standbeine: Wir sind eine Schule für alle. Wir sind eine Montessori-Schule. Und wir sind eine Schule, in der Schüler zu individuell höchstmöglichen Abschlüssen geführt werden", erklärt Organisationsleiter Hans-Werner Bick. In etwa 60 Prozent der Schulstunden unterrichten Sonderpädagogen und Lehrer gemeinsam die Kinder. 28 Schüler aller Schulformen einschließlich fünf bis sechs Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf bilden eine Klasse. "Innerhalb einer Klasse wird für alle Schüler deutlich sichtbar, dass wir zwar unterschiedliche Anforderungen stellen und damit auch unterschiedliche Leistungen erwarten, doch es gibt übergeordnete Leistungen, wie Engagement, Hilfe geben, Hilfen annehmen, Ordnung halten oder Störungen vermeiden, die jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten zu erbringen hat", sagt Bick. Erst die gleichen Chancen für jedes Kind einer Lerngruppe bedeute "Inklusion", nicht schon das bloße Zusammensein unterschiedlicher Kinder in einem Klassenraum, betont Bick.

Keine "Kuschelschule"

Foto: bild_3Die Prinzipien der Montessori-Pädagogik sind auf dem Weg zu einen inklusiven Bildungssystem hilfreich und sinnvoll: freie Wahl durch Wochenplanarbeit und Heterogenität der Lerngruppen. Die Arbeit auf dem Schulbauernhof, Klassenfahrten, Teamarbeiten und regelmäßige Gruppengespräche fördern den sozialen Zusammenhalt. Bei den Lernstandserhebungen in NRW erzielte die Gesamtschule bereits mehrfach hervorragende Ergebnisse. "Das hat uns Sicherheit verschafft. Wir sind oft mit Attributen belegt worden wie 'Kuschelschule'. Es könne doch nicht sein, dass man sich in der Schule so wohlfühlt", sagt Schulleiter Hartmuth Schlüter-Müller. Elternarbeit spiele in Borken eine große Rolle, sagt er: "Wir tun nicht so, als wären wir die alleinigen Experten. Wir nehmen Anregungen von Eltern gerne auf."

Voneinander lernen

Jana hat Spina bifida (umgangssprachlich "offener Rücken"), wurde deshalb schon oft operiert und muss regelmäßig zu Untersuchungen ins Krankenhaus. In Borken kann sie sich trotz ihrer Erkrankung wie jeder andere Teenager entwickeln. Jana sieht Vorteile der Inklusion unter anderem darin, dass die Schüler voneinander lernen: "Zum Beispiel, dass Äußerlichkeiten keine Rolle spielen sollten. Kinder mit Down-Syndrom gehen völlig unvoreingenommen auf Fremde zu. Erst später beurteilen sie den Menschen."

"Ich habe hier mehr Selbstvertrauen"

Foto: bild_5Das ist auch ein Grund, warum Annalena nach Borken wechseln möchte. Sie hat eine Hörschwäche und besuchte bislang eine reguläre Schule, wo sie sich nicht mehr wohlfühlt. "Innerhalb eines halben Jahres sind meine Noten schlecht geworden. Hier habe ich das Gefühl, dass jemand mit Hörgerät nicht anders behandelt wird, als ein Brillenträger. Ich habe hier mehr Selbstvertrauen", sagt Annalena. Zwei Wochen lang lernt sie Schüler, Lehrer und das Schul-Konzept kennen. Dann entscheidet die Schulleitung, ob sie angenommen wird. Annalenas neue Freundinnen drücken die Daumen, dass der Wechsel klappt und versprechen: "Sie ist herzlich willkommen."

(Anmerkung Redaktion: Annalena ist angenommen worden und darüber überglücklich).

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