Von Christina Lüdeke
Knut Reinhardt mit seinen Schützlingen
Nach dem Verletzungs-Aus war das dann anders. "Ich habe immer schon gedacht, man muss auch nach der sportlichen Karriere eine Aufgabe haben", sagt er. "Nur auf dem Sofa sitzen und durch Teleshopping-Kanäle zappen ist zu wenig." Dennoch ließ er sich Zeit mit der beruflichen Entscheidung. "Aber im Sport selbst gibt es nur wenig Möglichkeiten, eine attraktive Aufgabe zu finden", meint er. "Schließlich können nicht alle Trainer werden." Der Lehrerberuf reizte ihn, obwohl seine eigenen Schul- Erfahrungen nicht immer glücklich waren: "Ich hatte eine Lehrerin, die mit mir nicht so gut klargekommen ist. Ich war zu unruhig, zu lebhaft." Jetzt möchte er es mit seinen Schülern besser machen. Unterstützung bei diesem Vorhaben fand er in seinem Freundeskreis, besonders bei einem Bekannten, der selbst Lehrer war. "Der hat gesagt, du kannst gut mit Kindern umgehen, mach das", erzählt Reinhardt.
"Der ist nett"
Sport ist natürlich ein Schwerpunktfach des ehemaligen Profi-Fußballers
Also schrieb sich Reinhardt erneut ein. Natürlich war er älter als viele
seiner Kommilitonen, außerdem hat er vier Kinder und ist damit in einer ganz
anderen Lebensphase als jemand, der gerade eben sein Abitur hinter sich hat.
"Aber das war kein Problem", meint er. "Ich glaube, ich bin trotz meiner
Karriere recht bodenständig geblieben, das hat mir geholfen." Eines seiner
Schulpraktika absolvierte er an der Grundschule Kleine Kielstraße in der
Dortmunder Nordstadt, einer Brennpunkt-Schule, die 2006 von Bundespräsident
Köhler den Deutschen Schulpreis erhielt. Zur Zeit von Reinhardts Praktikum
dachte noch niemand an eine so hohe Auszeichnung. Aber der Ex-Fußballer suchte
sich bewusst eine Schule im schwierigen sozialen Umfeld. "Ich wollte es mir
nicht einfach machen, und die Art, wie hier gearbeitet wird, hat mir sehr gut
gefallen." Deshalb war die Schule auch fürs Referendariat seine erste Wahl.
Jetzt ist er einer von zwei Männern, die hier unterrichten. Sport ist sein
Schwerpunktfach. Bei den Kindern kommt der ehemalige Profi-Fußballer gut an.
"Der ist nett", sind sich Harman und Noel einig. Das seien die Lehrerinnen zwar
auch. "Aber ich finde, es ist am besten, wenn man beides hat, Lehrerinnen und
Lehrer", meint Harman. "Für manche bin ich schon so eine Art Vaterfigur, gerade
wenn sie ohne Vater aufwachsen", sagt Reinhardt. "Die kommen dann und wollen
kuscheln, Jungen wie Mädchen." Allzu sehr über die Stränge schlagen dürfen die
Kinder bei ihm trotzdem nicht. "Gerade Sportunterricht ist auch gefährlich",
weiß er. "Wenn man zum Beispiel ein Mini-Trampolin aufgebaut hat, kann schnell
etwas passieren, wenn Blödsinn gemacht wird." Obwohl seine Schüler wissen, dass
er früher BVB-Profi war - erinnern kann sich von den Kindern keiner daran. "Das
ist schon lange her, da waren wir noch Babys", sagt Nastiva. "Es sind eher die
Eltern, die mich ansprechen", sagt Reinhardt. Trotzdem, gerade bei den von
Fußball begeisterten Jungs kann er punkten: "Ich kann ihnen natürlich auch mal
was vormachen, und damit habe ich bei vielen schon gewonnen."
Mehr zum ehemaligen BVB-Profi Knut Reinhardt unter
http://www.bvb-web.de/de/spielerprofil/134/knut-reinhardt.html
Infos zu der mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Grundschule erhalten
Sie
hier.
Informationen bekommen Sie auch direkt auf den Seiten der Robert-Bosch-Stiftung
http://schulpreis.bosch-stiftung.de/content/language1/html/8933.asp
Auf einem Fachkongress hat sich Schulministerin Barbara Sommer für mehr
männliche Lehrkräfte an den Grundschulen ausgesprochen.
Ein Schwerpunkt-Thema der Veranstaltung war die Jungen-Förderung. Weitere
Informationen bekommen Sie
hier.
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