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Ehemaliger Fußball-Profi wird Grundschullehrer

Von Christina Lüdeke

Foto: Knut Reinhardt mit seinen Schützlingen Knut Reinhardt mit seinen Schützlingen

Bevor in der Eingangsklasse E 3 der Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund der Sportunterricht losgehen kann, muss der ehemalige Bundesliga-Profi Knut Reinhardt erst einmal Schuhe binden. Nicht etwa seine eigenen: Almedin ist sieben, aber eine feste Schleife schafft er immer noch nicht, wie die meisten Kinder in seiner Klasse. Trotzdem weiß er genau, welchen Beruf der Mann im dunkelblauen Trainingsanzug früher hatte, der gerade seinen Schuh zuknotet. "Der war Fußballer, beim BVB", sagt er. "Das ist cool." Heute Lehramtsanwärter, früher Fußball-Profi: Von 1991 bis 1999 kickte Knut Reinhardt für die Dortmunder Borussen. Zweimal Deutsche Meisterschaft, Champions League, Weltpokal - es war eine richtig erfolgreiche Zeit, für Reinhardt und für den Verein. 1999 wechselte Reinhardt zum 1. FC Nürnberg. Zwei Jahre später kam dann das Aus. Verletzung, Schluss mit der Profi-Karriere. Irgendwann begann der heute 39-jährige zu überlegen, was er beruflich weiter tun könnte. "Schon während meiner aktiven Laufbahn hatte ich mal angefangen, auf Lehramt zu studieren", erzählt Reinhardt. Dann war er allerdings durch die großen Erfolge des Vereins zeitlich zu stark eingebunden. "Da war ein Studium nebenbei einfach nicht mehr drin."

Nach dem Verletzungs-Aus war das dann anders. "Ich habe immer schon gedacht, man muss auch nach der sportlichen Karriere eine Aufgabe haben", sagt er. "Nur auf dem Sofa sitzen und durch Teleshopping-Kanäle zappen ist zu wenig." Dennoch ließ er sich Zeit mit der beruflichen Entscheidung. "Aber im Sport selbst gibt es nur wenig Möglichkeiten, eine attraktive Aufgabe zu finden", meint er. "Schließlich können nicht alle Trainer werden." Der Lehrerberuf reizte ihn, obwohl seine eigenen Schul- Erfahrungen nicht immer glücklich waren: "Ich hatte eine Lehrerin, die mit mir nicht so gut klargekommen ist. Ich war zu unruhig, zu lebhaft." Jetzt möchte er es mit seinen Schülern besser machen. Unterstützung bei diesem Vorhaben fand er in seinem Freundeskreis, besonders bei einem Bekannten, der selbst Lehrer war. "Der hat gesagt, du kannst gut mit Kindern umgehen, mach das", erzählt Reinhardt.

 "Der ist nett"

Foto: Sport ist natürlich ein Schwerpunktfach des ehemaligen Profi-Fußballers Sport ist natürlich ein Schwerpunktfach des ehemaligen Profi-Fußballers

Also schrieb sich Reinhardt erneut ein. Natürlich war er älter als viele seiner Kommilitonen, außerdem hat er vier Kinder und ist damit in einer ganz anderen Lebensphase als jemand, der gerade eben sein Abitur hinter sich hat. "Aber das war kein Problem", meint er. "Ich glaube, ich bin trotz meiner Karriere recht bodenständig geblieben, das hat mir geholfen." Eines seiner Schulpraktika absolvierte er an der Grundschule Kleine Kielstraße in der Dortmunder Nordstadt, einer Brennpunkt-Schule, die 2006 von Bundespräsident Köhler den Deutschen Schulpreis erhielt. Zur Zeit von Reinhardts Praktikum dachte noch niemand an eine so hohe Auszeichnung. Aber der Ex-Fußballer suchte sich bewusst eine Schule im schwierigen sozialen Umfeld. "Ich wollte es mir nicht einfach machen, und die Art, wie hier gearbeitet wird, hat mir sehr gut gefallen." Deshalb war die Schule auch fürs Referendariat seine erste Wahl. Jetzt ist er einer von zwei Männern, die hier unterrichten. Sport ist sein Schwerpunktfach. Bei den Kindern kommt der ehemalige Profi-Fußballer gut an. "Der ist nett", sind sich Harman und Noel einig. Das seien die Lehrerinnen zwar auch. "Aber ich finde, es ist am besten, wenn man beides hat, Lehrerinnen und Lehrer", meint Harman. "Für manche bin ich schon so eine Art Vaterfigur, gerade wenn sie ohne Vater aufwachsen", sagt Reinhardt. "Die kommen dann und wollen kuscheln, Jungen wie Mädchen." Allzu sehr über die Stränge schlagen dürfen die Kinder bei ihm trotzdem nicht. "Gerade Sportunterricht ist auch gefährlich", weiß er. "Wenn man zum Beispiel ein Mini-Trampolin aufgebaut hat, kann schnell etwas passieren, wenn Blödsinn gemacht wird." Obwohl seine Schüler wissen, dass er früher BVB-Profi war - erinnern kann sich von den Kindern keiner daran. "Das ist schon lange her, da waren wir noch Babys", sagt Nastiva. "Es sind eher die Eltern, die mich ansprechen", sagt Reinhardt. Trotzdem, gerade bei den von Fußball begeisterten Jungs kann er punkten: "Ich kann ihnen natürlich auch mal was vormachen, und damit habe ich bei vielen schon gewonnen."
 

Mehr zum ehemaligen BVB-Profi Knut Reinhardt unter http://www.bvb-web.de/de/spielerprofil/134/knut-reinhardt.html
Infos zu der mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Grundschule erhalten Sie hier.    
Informationen bekommen Sie auch direkt auf den Seiten der Robert-Bosch-Stiftung http://schulpreis.bosch-stiftung.de/content/language1/html/8933.asp

Auf einem Fachkongress hat sich Schulministerin Barbara Sommer für mehr männliche Lehrkräfte an den Grundschulen ausgesprochen.
Ein Schwerpunkt-Thema der Veranstaltung war die Jungen-Förderung. Weitere Informationen bekommen Sie hier.

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