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Die Mär von der schwierigen Klasse

Viele Schüler mit Migrationshintergrund in einer Klasse, möglicherweise sogar mit Sprachproblemen – ein Garant für Unterrichtsstörungen am laufenden Band? Einer Studie von Schweizer Forschern zu Folge nicht: Die kulturelle Vielfalt einer Klasse habe keinerlei Einfluss auf die Häufigkeit von Unterbrechungen des Unterrichts durch die Schüler, so das Fazit der Erziehungswissenschaftler. Insgesamt seien weniger die Zusammensetzung als ein schlechtes Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer der Grund für häufige Unterrichtsstörungen.

Von Julia Heer

Foto: Besonders wichtig für störungsfreien Unterricht ist eine vertrauensvolle Beziehung zum Lehrer (Foto: Silke Kirchhoff) Besonders wichtig für störungsfreien Unterricht ist eine vertrauensvolle Beziehung zum Lehrer (Foto: Silke Kirchhoff)

Welche Rolle spielt die Zusammensetzung einer Klasse für die Häufigkeit von Unterrichtsstörungen? Die Schweizer Erziehungswissenschaftler Marie-Theres Schönbächler, Walter Herzog und Elena Makarova wollten’s wissen – und befragten im Zuge ihrer Studie "Klassenmanagement und kulturelle Heterogenität" Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer in fünf deutschssprachigen Kantonen der Schweiz nach ihrer Wahrnehmung von Unterrichtsstörungen, Klassenführung und Rahmenbedingungen des Unterrichts. Das Ergebnis: Sehr viel stärker als strukturelle Merkmale war die Qualität der Beziehungen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern für Unterrichtsstörungen entscheidend.

Foto: "Kulturelle Heterogenität ist per se kein Hindernis für eine erfolgreiche Klassenführung." (Foto: Silke Kirchhoff) "Kulturelle Heterogenität ist per se kein Hindernis für eine erfolgreiche Klassenführung." (Foto: Silke Kirchhoff)

Zwar würde der Unterricht in großen Klassen gemäß Schülereinschätzung häufiger gestört als in kleinen Klassen, der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund oder Sprachproblemen falle dabei jedoch nicht ins Gewicht. Doch je schlechter die Schülerinnen und Schüler die Beziehungen innerhalb der Klasse und zum Lehrer einschätzten, desto häufiger nahmen sie Unterrichtsstörungen wahr.

Das Fazit der Forscher: „Es wird zu schnell bei strukturellen Merkmalen nach Entschuldigungen für Unterrichtsstörungen gesucht.“ Dies betreffe insbesondere den Blick auf die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. „Kulturelle Heterogenität ist per se kein Hindernis für eine erfolgreiche Klassenführung.“ Ihre Befunde, so Schönbächler, Herzog und Makarova, belegten, dass es von besonderer Wichtigkeit sei, dass Lehrer, „vertrauensvolle, wertschätzende und anerkennende Beziehungen“ zu ihren Schülern aufbauten. Allerdings, so schränken die Forscher ein, sei zu vermuten, dass der Aufbau und die Pflege der Beziehungen zu den Schülern in Klassen, in denen die Kinder aus verschiedenen Kulturkreisen stammten, besonders anspruchsvoll sei. In der pädagogischen Arbeit mit der Klasse sei es beispielsweise wichtig, nicht die Andersartigkeit zu betonen, sondern zu vermitteln, dass jedes Kind der Klasse wichtiges Mitglied der Klassengemeinschaft seien.

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