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Eine Realschule in Hamm bietet Golf als Wahlpflichtfach an

Von Christina Lüdeke

Foto: Bei schönem Wetter macht das Golfen natürlich mehr Spaß Bei schönem Wetter macht das Golfen natürlich mehr Spaß

"Ich wollte Golf immer schon mal ausprobieren", sagt der 16-jährige Marcel und lässt seinen Schläger probehalber lässig durch die Luft sausen. Zusammen mit 14 anderen Jugendlichen der Klassenstufen 9 und 10 hat er Golf als Wahlpflichtfach gewählt, also auch mit Zeugnisnoten. Seit diesem Schuljahr wird das an der Konrad-Adenauer-Schule in Hamm angeboten, nachdem schon die Arbeitsgemeinschaft im letzten Schuljahr ein großer Erfolg gewesen war. Aber ist denn Golf keine reine Elitesportart? "Ich würde sagen, so halb-halb", meint der 16 Jahre alte Jonas. Der gleichaltrige Stefan schüttelt den Kopf. "Jeder kann das lernen." Das ist ganz die Ansicht von Tim Oliver. Der Neuntklässler ist seit zwei Jahren heftig vom Golf-Fieber gepackt. Er gab den Anstoß zur Golfbegeisterung an der Schule. "Ich habe im Golf-Club eine AG von einer anderen Schule getroffen, die dort trainiert hat", erzählt er. Er sprach Jens Kneißel an, Bio- und Techniklehrer an der KAR und ebenfalls Mitglied im Golf-Club. Der war gleich angetan von der Eigeninitiative des Schülers. Die beiden brachten in Erfahrung, dass die VcG, die Vereinigung clubfreier Golfspieler, im Rahmen ihrer Initiative "Abschlag Schule" Ausrüstung und sogar den professionellen Trainer für Schul-Golf-AGs sponsert. Frank Schneider, seit 20 Jahren Golflehrer im Hammer Golfclub, übernahm gern diese Aufgabe an der KAR. Schnell war die erste Golf AG geboren. Und beinahe ebenso schnell die nächste Idee: "Immer zum Golfplatz zu fahren war umständlich und zeitaufwändig", sagt Jens Kneißel. Zwischen den Schulgebäuden war ohnehin reichlich Rasenfläche vorhanden. "Die wurde ein wenig kultiviert", berichtet der Lehrer. "Wirklich umgestalten mussten wir nur wenig." Rund 1000 Euro wurde in Sand und ein kleines Stück Kunstrasen investiert, damit war die 130 Meter lange Ein-Loch-Anlage auch praktisch schon fertig. "Soviel ich weiß, sind wir damit die einzige Schule in ganz Deutschland mit einer eigenen Schulgolfanlage", freut sich Jens Kneißel.

Foto: Der 16-jährige Tim Oliver Hoffmann hat die Golfbegeisterung an seiner Schule ausgelöst Der 16-jährige Tim Oliver Hoffmann hat die Golfbegeisterung an seiner Schule ausgelöst

Golf als besondere Herausforderung

Um die Glasfronten der Schulgebäude nicht zu gefährden, werden auf dem Schulgelände vorwiegend Gummibälle geschlagen. "Die sind eben etwas schwieriger zu spielen", sagt Kneißel. Wenn die Schüler alle paar Wochen dann doch zum "richtigen" Golfplatz fahren - die Transportkosten zahlt auch die VcG - dürfen sie natürlich auch die normalen Bälle nutzen. Doch nicht die ganze Zeit verbringen die Jugendlichen den Schläger schwingend auf dem Rasen: Es gibt auch Theoriestunden. "Grundsätzlich gilt, der Ball wird dort weiter gespielt, wo er liegt", sagt Golflehrer Frank Schneider. "Aber es gibt auch Ausnahmefälle, wenn er zum Beispiel in einem Mauseloch landet oder im Wasser. Dann muss man wissen, was zu tun ist." Für die Jugendlichen sei Golf eine besondere Herausforderung, weil jeder für sich allein spielt, so Schneider: "Man kann immer wieder versuchen, seine persönliche Leistung zu verbessern und ist nicht auf eine Mannschaft angewiesen." Die Kombination aus Kraft, Konzentration, sportlicher Technik und mathematisch-physikalischen Kenntnissen, die der Golfsport fordert, reizt vor allem Jungs. "Man kann mit einem einzigen Schlag große Distanzen überwinden, das imponiert vielen." Manche Jugendliche lernen Golf zuerst als Computerspiel kennen und wollen es deshalb auch im wirklichen Leben einmal testen. Auch Daniel, der das Golfen in einer der zwei Arbeitsgemeinschaften ausprobiert, hat schon mal virtuell Golf gespielt. "Da bringt es auf alle Fälle was, wenn man das auch selbst mal gemacht hat", sagt der Elfjährige. Jetzt übt er fleißig mit Trainer Frank Schneider die kurzen Schläge. Aber: "Es ist schwieriger, als es aussieht."

"Es hat viel mit Denken zu tun"

Foto: Die Jugendlichen sind beim Wahlpflichtfach Golf mit Begeisterung dabei Die Jugendlichen sind beim Wahlpflichtfach Golf mit Begeisterung dabei

Für Tim Oliver, den Initiator der Golfbegeisterung an seiner Schule, kann die Herausforderung gar nicht groß genug sein. Er steht ohnehin fünf Mal die Woche auf dem Platz. Und dabei golfen noch nicht einmal seine Eltern: Bei einem Schnupperkurs im Urlaub hatte er den Sport kennen gelernt und war sofort begeistert. "Es hat viel mit Denken zu tun", findet er. "Aber man muss auch den ganzen Körper beherrschen können." Jetzt ist für ihn klar - sein späterer Beruf soll unbedingt etwas mit Golf zu tun haben. Am liebsten würde er Golflehrer werden. "Aber dafür muss ich noch mein Handicap verbessern", weiß der 16-Jährige. "Aber man kann die Ausbildung sowieso erst mit 18 anfangen, vielleicht schaffe ich es bis dahin."

Mehr zu der golfenden Schule findet man unter http://www.kar.schulnetz.hamm.de/

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