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Verein "tandem4you" hilft Hauptschülern bei Jobsuche

Von Marion Sander

Foto: Mentorin Barbara Neckenig und Majgona Krasniqi Mentorin Barbara Neckenig und Majgona Krasniqi

Majgona Krasniqi geht in die 10 b der Johannes-Rau-Hauptschule in Bonn-Bad Godesberg. Die heiße Phase für Bewerbungen ist für sie und ihre Mitschüler längst vorbei. Die meisten von ihnen haben Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden. Auf viele Bewerbungen folgen viele Absagen. Majgona dagegen hat Glück: Sie kann bald als Azubi den Beruf der Arzthelferin lernen. Das ist natürlich in erster Linie ihr eigener Verdienst. Sie hat gute Noten, ist zuverlässig, sieht sehr gepflegt aus und weiß genau, was sie will. Aber selbst für sie hat es mit der Lehrstelle erst im Tandem geklappt. "tandem4you" ist ein Verein, der sich im vergangenen Herbst in Bonn gegründet hat. Kristina Sender, die Vorsitzende, sagt über die Ziele des Vereins: "Wir wollen ergänzend zum Elternhaus und der Schule jungen Menschen Mut für ihre weitere Lebensplanung und Zuversicht für die Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe geben." Im Rahmen eines Mentoren-Programms werden den Jugendlichen berufs- und lebenserfahrene Menschen zur Seite gestellt. Diese begleiten sie über etwa zweieinhalb Jahre beim Übergang von der Schule in den Beruf und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Der Vereins-Philosophie zufolge soll es aber dennoch ein gleichberechtigtes Verhältnis sein, sich also trotz des Altersunterschiedes deutlich von einer Eltern-Kind-Beziehung unterscheiden.

Das ideale Tandem

Barbara Neckenig ist so eine berufs- und lebenserfahrene Frau, und sie ist Majgonas Mentorin. Mit ihrer Hilfe hat die junge Frau ihren Job bekommen. Einige Monate lang haben die beiden sich dazu jeden Mittwoch getroffen. Zuerst ging es darum, für die Albanerin eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen; bis dato waren sie und ihre Familie in Deutschland nur geduldet. So war schnell klar, dass Majgona und die Juristin Barbara Neckenig ein ideales Tandem werden können. Dann haben die beiden ihr Ziel ins Auge gefasst, für Majgona eine Ausbildungsstelle als Arzthelferin zu finden. Die Bewerbung und den Lebenslauf haben sie zusammen geschrieben. Hingebracht hat die Mentorin die Unterlagen persönlich. "Man hat auch gemerkt, dass es für den Arbeitgeber wichtig war, dass wir als Neutrale sagen, das ist eine zuverlässige, arbeitswillige Jugendliche. Ich habe der Bewerbung ein Empfehlungsschreiben vom Verein beigelegt." Auch das Vorstellungsgespräch ist gut gelaufen: Majgona und Barbara Neckenig  haben beratschlagt, was man bei so einem Anlass am besten anzieht und worauf es im Gespräch ankommt. Dann ist der Idealfall eingetreten: Die erste Bewerbung war direkt ein Treffer. Majgona hat den Ausbildungsplatz bekommen. "Ich war sehr froh, dass jemand auf meiner Seite steht und mich unterstützt. Meine Eltern können mir so nicht helfen, weil sie auch nicht so gut Deutsch können." Trotz der Unterstützung der Jugendlichen durch das Tandem-Verfahren wird Eigeninitiative erwartet. Ist die nicht vorhanden, kann auch passieren, dass sich ein "Tandem-Paar" trennt. Das ist bis jetzt zwei Mal passiert. "Da sind wir dann auch ziemlich entschlossen", sagt Barbara Neckenig. "Wenn einer nicht will: wir laufen keinem nach. Ein, zwei verpasste Termine, und dann war es das." Den Mentoren geht es darum, förderungswillige und förderungsfähige Schüler zu unterstützen. "Wir sind ja keine Sozialarbeiter, die Problemfälle betreuen können."

Unterstützung von Arbeitsagentur und AWO

Die Rektorin der Johannes-Rau-Hauptschule, Christine Heidbreder, ist sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Projekts: "Am Anfang war ich ein bisschen skeptisch. Ob das geht, unsere Schüler mit Pensionären, ob da nicht die Differenzen etwas zu groß sind.... Aber da habe ich mich total geirrt. Das läuft top." Im Team mit den Lehrern und der Sozialpädagogin der Schule werden die Schüler ausgewählt, die für eine Förderung in Frage kommen. Unterstützt wird das Projekt auch von der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, die die Mentoren in Hinblick auf ihre Angebote schult und einen engen Kontakt zu den Berufsberatern sicherstellt. Das Internationale Zentrum der AWO berät den Verein in Sachen Jugendmigration und durch Kursangebote für die Schüler.

Foto: Ist die Bewerbung gut formuliert? Auch dabei hilft die Mentorin. Ist die Bewerbung gut formuliert? Auch dabei hilft die Mentorin.

Zur Zeit arbeiten 17 Mentoren bei "tandem4you" mit, es gibt aber noch einige Interessierte, die durch die Medien auf den Verein aufmerksam geworden sind und nun auch helfen wollen. Die Mentoren haben fast alle einen akademischen Abschluss, manche sind schon Rentner. Viele haben selbst Kinder groß gezogen, und möchten sich deshalb auch für andere engagieren. Langsam, aber stetig, wächst der Verein. Und das ist gut so, denn schon haben andere Bonner Hauptschulen und eine Realschule ihr Interesse bekundet, mit tandem4you zusammenzuarbeiten, um den Jugendlichen die Chance zu geben, die sie verdienen.

Mehr Informationen zu dem Verein erhalten Sie hier.

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