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"Hey Boss, hier bin ich!"- Theaterstück zum Start ins Berufsleben

Von Christina Lüdeke

Foto: Das richtige Verhalten beim Vorstellungsgespräch will gelernt sein Das richtige Verhalten beim Vorstellungsgespräch will gelernt sein

Der Firmenchef ist verzweifelt. Stapelweise blättert er Bewerbungsmappen durch, doch keine ist auch nur halbwegs ausreichend. Die eine hat Kaffeeflecken, die andere ist voller Rechtschreibfehler, auf dem Foto in der nächsten zeigt sich eine junge Dame am Badestrand. Mit dieser Szene beginnt das Theaterstück "Hey Boss, hier bin ich!" im Theater "Lutz - junge Bühne Hagen". Thematisiert wird die Bewerbungssituation, im Publikum Jugendliche, für die genau das derzeit zum Alltag gehört: 15-, 16-Jährige, die in einem Jahr ihren Hauptschul- oder Realschulabschluss machen werden und die sich jetzt eine Lehrstelle suchen müssen. Sie bekommen einen Spiegel vorgehalten, denn das, was der Firmenchef (dargestellt von "Lutz"-Leiter Werner Hahn) mit seinen Bewerbern so erlebt, ist zwar vielleicht ein wenig satirisch überzeichnet, aber nicht allzu weit weg von dem, wie Jugendliche sich tatsächlich verhalten. Zum Beispiel Robbi (Niklas Berlitz), der eine Stunde zu spät zum Vorstellungsgespräch kommt, weil sein Kumpel, der ihn vorbeigebracht hat, nicht eher Zeit hatte. Seine weibliche Konkurrentin um die Ausbildungsstelle (Katharina Stein) erscheint mit einem angebissenen Döner zum Gespräch ("der war so günstig, da konnte ich nicht widerstehen") und geht -natürlich- zwischendurch auch an ihr Handy, als das klingelt. Die jungen Zuschauer lachen, scheinen zu ahnen, dass man es so besser nicht machen sollte- und schon hat Werner Hahn mit dem von ihm geschriebenen Stück das erreicht, was er will: Die Aufmerksamkeit der Jugendlichen für den zweiten Teil, den Workshop, der sich unmittelbar an das knapp 40-minütigeTheaterstück anschließt.

Die richtige Haltung beim Bewerbungsgespräch

Hierfür holt Hahn einen Jugendlichen aus der ersten Reihe zu sich, Boris heißt der und ist bisher schon durch seine "coolen" Kommentare aufgefallen. Einmal auf der Bühne angekommen, wird Boris sichtlich unsicherer vor dem Publikum von rund 140 Jugendlichen. Jetzt soll er vormachen, wie er den Personalchef in einem Bewerbungsgespräch begrüßen würde. Zögernd gibt er Hahn die Hand, und der lässt zunächst kein gutes Haar an Boris Körpersprache: Der Händedruck ist zu lasch, die Haltung zeigt Weglauftendenzen, die Schultern hängen nach vorn, Boris wirkt kraftlos und schlapp. Doch bei der Kritik lässt Hahn es nicht bewenden: Mit ein paar einfachen Tricks zeigt er, wie sich Boris Ausstrahlung um Klassen verbessern lässt: Mit beiden Beinen fest am Boden stehen, dem Gegenüber ins Gesicht schauen zum Beispiel. Und ganz wichtig: Die aufrechte Haltung. "Wenn Du ein Bein über das andere schlägst, kannst Du auf dem Stuhl nicht so leicht zusammensacken", rät er Boris. Das Ergebnis ist verblüffend: Schon nach wenigen Minuten wirkt der junge Mann dank der neuen Haltung offen, freundlich und viel dynamischer. Eine ähnliche Wandlung vollzieht Hahn noch mit zwei weiteren Jugendlichen.

"Nicht auf die leichte Schulter nehmen" 

Das zeigt Wirkung bei den Zuschauern: "Ich habe nicht gewusst, wie wichtig das mit der Haltung beim Bewerbungsgespräch ist", sagt der 16-jährige Marcel aus der Gesamtschule Haspe. "Ich habe auf jeden Fall etwas dazugelernt", bestätigt auch Marcels Kumpel Dennis. Genau diese Wirkung versprechen sich die Initiatoren des Projekts, die Hagener Wirtschaftsjunioren. Schon lange beobachten die jungen Unternehmer und Führungskräfte, die sich in diesem Verband zusammengeschlossen haben, wie desolat die Situation bei den Lehrstellenbewerbern häufig sei. "Die Qualität der Mappen und der Gespräche ist oft mehr als dürftig", sagt Jörg Ackermann, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Hagen/Ennepe-Ruhr. Zwar habe man daraufhin Bewerbungstrainings angeboten. "Aber unsere Kapazitäten waren nicht groß genug, um die Jugendlichen wirklich flächendeckend zu erreichen", so Ackermann. So entstand die Idee, ein Theaterstück in Auftrag zu geben, zu dem man pro Aufführung gleich vier oder fünf Schulkassen  einladen kann. "Wir wollen den Schülern damit einfach bewusst machen, wie wichtig die Bewerbungssituation ist, und dass man das auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen darf", sagt Ackermann.

Foto: Die Jugendlichen im Publikum wollen ihr Bewerbungsgespräch besser meistern als die Protagonisten auf der Bühne Die Jugendlichen im Publikum wollen ihr Bewerbungsgespräch besser meistern als die Protagonisten auf der Bühne

Finanziert wurde das Stück von Sponsoren, gespielt wird es übrigens - außer von "Lutz"-Leiter Werner Hahn - von zwei jugendlichen Laiendarstellern. Zielgruppe sind vor allem Haupt-, Real- und Gesamtschüler, eben alle, die sich nach Abschluss der Schule bewerben. Fast 60 Prozent dieser Zielgruppe aus der Hagener Region konnte man bisher erreichen; wenn sich genügend Sponsoren finden, soll das Stück auch im neuen Schuljahr weiterlaufen.

Nähere Infos gibt es unter http://www.wj-hagen.de/ und http://www.theater.hagen.de/LUTZ/index.html

 

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