Von Christina Lüdeke
Das richtige Verhalten beim Vorstellungsgespräch will gelernt sein
Die richtige Haltung beim Bewerbungsgespräch
Hierfür holt Hahn einen Jugendlichen aus der ersten Reihe zu sich, Boris heißt
der und ist bisher schon durch seine "coolen" Kommentare aufgefallen. Einmal auf
der Bühne angekommen, wird Boris sichtlich unsicherer vor dem Publikum von rund
140 Jugendlichen. Jetzt soll er vormachen, wie er den Personalchef in einem
Bewerbungsgespräch begrüßen würde. Zögernd gibt er Hahn die Hand, und der lässt
zunächst kein gutes Haar an Boris Körpersprache: Der Händedruck ist zu lasch,
die Haltung zeigt Weglauftendenzen, die Schultern hängen nach vorn, Boris wirkt
kraftlos und schlapp. Doch bei der Kritik lässt Hahn es nicht bewenden: Mit ein
paar einfachen Tricks zeigt er, wie sich Boris Ausstrahlung um Klassen
verbessern lässt: Mit beiden Beinen fest am Boden stehen, dem Gegenüber ins
Gesicht schauen zum Beispiel. Und ganz wichtig: Die aufrechte Haltung. "Wenn Du
ein Bein über das andere schlägst, kannst Du auf dem Stuhl nicht so leicht
zusammensacken", rät er Boris. Das Ergebnis ist verblüffend: Schon nach wenigen
Minuten wirkt der junge Mann dank der neuen Haltung offen, freundlich und viel
dynamischer. Eine ähnliche Wandlung vollzieht Hahn noch mit zwei weiteren
Jugendlichen.
"Nicht auf die leichte Schulter nehmen"
Das zeigt Wirkung bei den Zuschauern: "Ich habe nicht gewusst, wie wichtig das mit der Haltung beim Bewerbungsgespräch ist", sagt der 16-jährige Marcel aus der Gesamtschule Haspe. "Ich habe auf jeden Fall etwas dazugelernt", bestätigt auch Marcels Kumpel Dennis. Genau diese Wirkung versprechen sich die Initiatoren des Projekts, die Hagener Wirtschaftsjunioren. Schon lange beobachten die jungen Unternehmer und Führungskräfte, die sich in diesem Verband zusammengeschlossen haben, wie desolat die Situation bei den Lehrstellenbewerbern häufig sei. "Die Qualität der Mappen und der Gespräche ist oft mehr als dürftig", sagt Jörg Ackermann, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Hagen/Ennepe-Ruhr. Zwar habe man daraufhin Bewerbungstrainings angeboten. "Aber unsere Kapazitäten waren nicht groß genug, um die Jugendlichen wirklich flächendeckend zu erreichen", so Ackermann. So entstand die Idee, ein Theaterstück in Auftrag zu geben, zu dem man pro Aufführung gleich vier oder fünf Schulkassen einladen kann. "Wir wollen den Schülern damit einfach bewusst machen, wie wichtig die Bewerbungssituation ist, und dass man das auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen darf", sagt Ackermann.
Die Jugendlichen im Publikum wollen ihr Bewerbungsgespräch besser meistern als die Protagonisten auf der Bühne
Finanziert wurde das Stück von Sponsoren, gespielt wird es übrigens - außer von "Lutz"-Leiter Werner Hahn - von zwei jugendlichen Laiendarstellern. Zielgruppe sind vor allem Haupt-, Real- und Gesamtschüler, eben alle, die sich nach Abschluss der Schule bewerben. Fast 60 Prozent dieser Zielgruppe aus der Hagener Region konnte man bisher erreichen; wenn sich genügend Sponsoren finden, soll das Stück auch im neuen Schuljahr weiterlaufen.
Nähere Infos gibt es unter http://www.wj-hagen.de/ und http://www.theater.hagen.de/LUTZ/index.html
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