Von Christina Lüdeke
"Als ich neu in den Club gekommen bin, konnte ich nicht so gut lesen. Aber
das hat sich sehr gebessert", erzählt der 13-jährige Andrej. Der Achtklässler
macht mit bei "Do it! - Read a book", dem Leseclub an der Städtischen
Hauptschule Wermelskirchen. Andrejs Lieblingsbuch ist im Moment "Der Junge im
gestreiften Pyjama". Alles andere als leichte Kost - das Buch thematisiert den
Holocaust. "Aber ich mag auch lustige Sachen oder Detektivgeschichten", sagt er.
Insgesamt rund 30 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren gehören zu
"Do it!". In erster Linie geht es bei dem Club darum, Spaß am Lesen zu
vermitteln. Aber die Wermelskirchener haben auch eine äußerst
verantwortungsvolle Aufgabe übernommen: Bei der Verleihung des Deutschen
Jugendliteraturpreises auf der Frankfurter Buchmesse waren sie bereits zum
zweiten Mal Mitglieder der Jugendjury, zusammen mit fünf anderen Leseclubs aus
ganz Deutschland. "Sonst sind das meistens Gymnasiasten oder vielleicht auch mal
Realschüler", erzählt Lehrerin Marie-Louise Lichtenberg, die "Do It!" gegründet
hat. Die Jurymitgliedschaft bedeutet für die Jugendlichen viel Arbeit. Sie
müssen Verlagskataloge mit Neuerscheinungen wälzen, Bücher bestellen und
natürlich lesen, lesen, lesen. Die Titel, die den Schülern am besten gefallen
haben, werden zu einer Auswahlliste zusammengestellt. Die Liste geht dann an die
anderen fünf Jugend-Lese-Clubs. Danach müssen deren Favoriten gesichtet werden -
schließlich soll es am Schluss eine gemeinsame Liste mit Preis-Nominierungen
geben. "Die Leseleistung, die dafür erbracht werden muss, ist enorm", sagt
Marie-Louise Lichtenberg. Um die 100 Bücher kommen so zusammen.
"Das war toll"
Mitglieder des Leseclubs zu Besuch auf der Frankfurter Buchmesse
Lehrerin hält Kontakt zu Schülern
Die Hauptschüler aus Wermelskirchen beim Rundgang in den Frankfurter Messehallen
Rund ein Dutzend Clubmitglieder hat die Hauptschule im Sommer nach der zehnten Klasse verlassen, bleibt "Do it!" aber weiterhin treu. Mit ihnen trifft sich Lehrerin Marie-Louise Lichtenberg immer samstags, in ihrer Freizeit. Einer aus dieser Gruppe, Sascha Schuster, hat den Nominierungstitel aus Wermelskirchen bei der Preisverleihung in Frankfurt auf der Bühne vorgestellt. Es war "Eine wie Alaska" von John Green, eine auch von erwachsenen Kritikern hoch gelobte Geschichte über einen Außenseiter. Fünf Minuten sprechen, vor etwa 1000 Leuten - keine einfache Aufgabe. "Ich hätte mich das nicht getraut", sagt einer der Achtklässler bewundernd. Trotzdem: Die Jüngeren und die Älteren sehen sich als Team und respektieren sich gegenseitig. "Über den Club habe ich viele Leute kennen gelernt, die ich sonst nicht kennen würde", berichtet Lisa. "Wir treffen uns zum Teil auch außerhalb der Schule", ergänzt Lars. Und das ist bei weitem nicht der einzige Effekt der Leseförderung. "Früher hatte ich im Diktat immer eine 4 oder eine 5", sagt Andrej. "Jetzt habe ich meistens eine 2 oder 3." Auch in anderen Fächern macht sich die Clubmitgliedschaft positiv bemerkbar. "Die Leseleistung, die man diesen Schülern abverlangen kann, ist eklatant höher als bei anderen", sagt Lehrerin Lichtenberg. "Das höre ich immer wieder auch von anderen Fachkollegen." Ein Schüler einer Abschlussklasse hat sogar ausdrücklich wegen der Mitgliedschaft bei "Do it!" eine Lehrstelle bekommen. Beim Arbeitskreis für Jugendliteratur, der jährlich die Preisverleihung ausrichtet, kam die Jury-Tätigkeit der Wermelskirchener Hauptschüler ebenfalls sehr gut an: "Wir sind gefragt worden, ob wir weitere zwei Jahre in der Jugendjury mitmachen wollen", sagt Marie-Louise Lichtenberg. "Das spricht ja für die Qualität unserer Arbeit."
Weitere Infos zur Städtischen Hauptschule Wermelskirchen erhalten Sie
unter
http://www.ghs-wermelskirchen.de/
Hier gibt es nähere Informationen zum Deutschen Jugendliteraturpreis sowie ein
Verzeichnis aller in diesem Jahr nominierten und preisgekrönten Bücher:
http://www.djlp.jugendliteratur.org/
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