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Reportage: Der "Walking Bus" als Alternative zum Auto

Von Viktoria Fischer

Es ist Freitagmorgen, 7.26 Uhr. Drei Kinder der Grundschule Josef im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus stehen an der Haltestelle Dietrichstraße. Sie warten auf den Bus. Nicht auf irgendeinen Linienbus, sondern auf ihren schuleigenen "Walking Bus" (gehender Bus). Dann plötzlich sehen die Kinder am Horizont ein Meer von gelben Warnwesten und werden langsam ungeduldig. Nur noch die Haltestelle Krebsbach und der "Walking Bus" ist bei ihnen. Nachzügler, die es mit der Zeit nicht so genau nehmen, kommen noch schnell aus den Seitenstraßen gerannt. Schließlich ist der "Walking Bus" da. "Alle Mann halt!", heißt es von den beiden Eltern, die die Kindergruppe auf ihrer täglichen Tour zur Schule begleiten. Nach einigen Augenblicken setzt sich die fröhliche Gruppe wieder in Bewegung und steuert die nächste Haltestelle auf der gut zwei Kilometer langen Strecke an.

Foto: Eltern und Schüler bilden den "Walking Bus" Eltern und Schüler bilden den "Walking Bus"

Es ist kein Bus im eigentlichen Sinne, sondern eine Gruppe von Erst- und Zweitklässlern, die von mehreren Eltern begleitet, zu Fuß zur Schule geht. Die Kinder stellen die Fahrgäste und die Eltern den Busfahrer dar. Für gute Sichtbarkeit im Straßenverkehr ist das Tragen einer gelben Warnweste, die der Schule von der AOK Westfalen-Lippe zur Verfügung gestellt wird, Pflicht. Entlang einer Route, die vorher von der Polizei Paderborn und dem Verkehrssicherheitsberater Norbert Meier festgelegt wurde, marschiert der Bus Richtung Grundschule und sammelt weitere Kinder an speziell markierten Haltestellen ein. Gerade für die Kleinen ist der "Walking Bus" eine neue Variante, um sicher zur Schule und wieder nach Hause zu gelangen. Der Bus "fährt" morgens zwei Mal hin und mittags ein Mal zurück. "Da der Unterricht in der Grundschule Josef versetzt beginnt, gibt es auch zwei Busse, die den Weg zur Schule antreten", erklärt die stellvertretende Schulleiterin Margot Gau. Der "Frühaufsteher-Bus" beginnt seine Fahrt um 7.19 Uhr und der "Langschläfer-Bus" um 7.25 Uhr. So ist gewährleistet, dass alle Kinder pünktlich zum Unterricht erscheinen.
 

Idee aus England

Foto: Zwei Mädchen warten auf den "Walking Bus" Zwei Mädchen warten auf den "Walking Bus"

Neben der Pünktlichkeit steht auch die ausreichende Bewegung an der frischen Luft im Vordergrund des gemeinsamen Marschierens: "Viele Kinder werden von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gefahren, auch wenn der Weg weniger als einen Kilometer lang ist", berichtet Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider, der in der sportwissenschaftlichen Abteilung der Universität Paderborn tätig ist. Da das Tagesprogramm vieler Grundschulkinder aus Fernsehen und Computerspielen besteht und die daraus resultierende Bewegungslosigkeit zu gefährlichem Übergewicht führen kann, rief Brettschneider im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität den "Walking Bus" ins Leben. Die Idee dafür stammt ursprünglich aus England, Brettschneider passte sie den deutschen Verhältnissen an. In Kooperation mit der Polizei Paderborn und AOK Westfalen-Lippe testete er das Projekt im Kreis Paderborn an der Grundschule Dahl. Nach dem Erfolg der einjährigen Testphase wurde dieses Konzept an weitere Grundschulen herangetragen und traf in der Grundschule Josef auf sofortige Zustimmung. Nachdem Konrektorin Margot Gau damit betraut wurde und sie die Eltern per Rundschreiben informiert hatte, wurde der "Walking Bus" bereits am 28. November 2005 eingeführt. Dass das Projekt aussichtsreich ist, macht die stetig wachsende Zahl der "Mitläufer" deutlich. Täglich treten 60 Kinder ihren Weg zur Schule an. Dabei wird viel gequatscht und sich das Neueste erzählt. Der Gesprächsbedarf ist dadurch im Unterricht gestillt und die Kinder sind aufnahme- und konzentrationsfähiger. "Das Ganze hat zwei Effekte. Zum einen kommen die Kinder morgens frisch in der Schule an, haben Sauerstoff getankt und sich mit ihren Mitschülern ausgequatscht. Zum anderen sind dadurch viel weniger Autos unterwegs", erklärt Brettschneider mit Blick auf die steigenden Unfallzahlen auf dem Schulweg.

Eltern-Engagement ist wichtig

Wichtigste Ziele des Unternehmens "Walking Bus" sind die Erhöhung der schulischen Leistung und die Ermutigung zur körperlichen Aktivität. Außerdem soll der Autoverkehr in Schulnähe abnehmen und die Umwelt geschont werden. "Doch all diese Ziele sind nicht ohne das Engagement der Eltern zu erreichen", so Gau. Letztendlich tragen die Eltern zu 100 Prozent zum Gelingen des Projektes bei. Sie setzen sich zusammen, besprechen die "Fahrpläne", tüfteln an diesen und stehen morgens parat, um die Kinder zur Schule zu begleiten. "Die Zeiten haben sich geändert. Der Verkehr ist unübersichtlicher und der Schulweg gefährlicher geworden", erzählt eine engagierte Mutter. "Da ist es gut zu wissen, dass wenigstens für die Sicherheit unserer Kinder gesorgt wird". Aber auch den Kindern macht es Freude, gemeinsam zum Schulgebäude in einem angemessenen Tempo zu spazieren: "Es macht Spaß, weil ich immer mit meiner Freundin zusammen gehen kann und wir uns viel erzählen können", meint die siebenjährige Manuela. Auch bei den übrigen "Fahrgästen" stieß das Projekt auf eine durchweg positive Resonanz.

Die Handreichung zum "Walking Bus" erhalten Sie hier.

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