Von Arnd Zickgraf
Der fängt bestimmt jeden bösen Traum ein: Zusammen haben die Grundschüler einen Riesentraumfänger gebaut
Die Stadt Bonn hat 51 Offene Ganztagsgrundschulen. Einige dieser Grundschulen bleiben während der Schulferien mehrere Wochen geöffnet. Die Münsterschule in der Bonner Innenstadt ist eine von ihnen. Zurzeit beschäftigen sich die Kinder dort mit den Themen "Länder dieser Erde", "Karneval der Kulturen" und "Indianer". Die Übermittagsbetreuung wird von dem Elternverein organisiert. Der engagiert sich in eigener Sache, damit Eltern Beruf und Familie auch in den Ferien in Einklang bringen können.
Nicht nur Fische, auch Träume lassen sich mit einem Netz einfangen. Einige Indianerstämme glauben daran, dass ein Traumfänger böse Träume verscheucht und zu ruhigem Schlaf verhilft. Der Traumfänger ist ein Kultgegenstand, bei dem ein Netz um einen Holzkreis gespannt und mit Federn und Perlen versehen wird. Weil Kinder nicht immer nur gute Träume haben, brauchen auch sie Traumfänger, meint Erzieherin Nadine Leister. Der zehnjährige Phil ist ihrer Meinung: "Ich habe geträumt, dass der Baselisk, das ist die überdimensionale Schlange aus Harry Potter, hinter mir her war", sagt er. Wenn man einen Traumfänger vor das Fenster hängt, glaubt die achtjährige Klara, blieben die guten Träume in den Maschen hängen und die bösen fielen hindurch. "Ich hatte mal einen guten Traum, da gab es alles umsonst und man konnte machen, was man wollte", erinnert sich Klara. "Und ich konnte im Traum fliegen", fällt die gleichaltrige Joanna ein. Gute Träume wollen die Kinder am liebsten mit ihrem Traumfänger festhalten. Während der Indianerwoche in der Münsterschule in den Sommerferien basteln sich die Kinder Traumfänger, sie besuchen einen Bauernhof in Kessenich, einem Bonner Stadtteil, auf dem das Indianerleben nachgestellt wird, oder sie schauen sich Filme über Indianer an.
Sprachförderung, Bewegung und Kultur
Und wenn es regnet: Indianer spielen macht auch im Haus Spaß
Lange war es für Eltern der Münsterschule schwierig, während der Schulferien unbeschwert zur Arbeit zu gehen. Nicht selten wurden ihnen organisatorische Höchstleistungen abverlangt, um Beruf und Kind zu vereinbaren. Denn meistens ist es Berufstätigen nicht möglich, sechs Wochen Urlaub zu nehmen. Ihre Kinder stattdessen den ganzen Tag in der Stadt alleine draußen spielen zu lassen, ist oft keine Alternative. Seit die Münsterschule auch in den Sommerferien geöffnet ist, ist das Hauptproblem damit für Mütter und Väter gelöst.
Die Ganztagsschule öffnet ihre Türen in den ersten beiden Ferienwochen und in der letzten Woche von 11:15 bis 16:30 Uhr. Selbst in den Oster- und Herbstferien geht der Schulbetrieb weiter. Im Schnitt 30 bis 40 Kinder verbringen einen Teil ihrer Ferien in der Offenen Ganztagsschule. Doch nicht nur die Berufstätigkeit der Eltern ist ein Grund dafür, dass die Kinder in den Sommerferien die Offene Ganztagsschule besuchen. Chantal Auzoni etwa kommt aus der französischen Schweiz. Ihre Tochter Nadja hat zu Hause wenig Anlässe, Deutsch zu sprechen. Daher schickt die berufstätige Mutter das Mädchen zur Offenen Ganztagsschule, damit sie im Kontakt mit anderen Kindern und den Betreuern besser Deutsch lernt. Das Angebot ist reichhaltig, sagt Auzoni. "Nadja kann Yoga machen, sie kann basteln und tanzen." Beruf und Familie möchte Melanie Schumacher besser in Einklang bringen. Sie ist Mutter zweier Kinder. Den Sohn vertraut Schumacher ebenfalls der Übermittagsbetreuung der Münsterschule an. Für ihn sei es besonders wichtig, mit seinen Freunden gemeinsam die Zeit sinnvoll zu verbringen. Er spielt dort am liebsten mit seinen Kumpels Fußball.
Elternverein als Träger des Programms
Helmut Schuh ist auch eine Vaterfigur für viele Kinder
Helmut Schuh ist umringt von Kindern. Der 47-jährige Betreuer hat einige Jahre in Chile verbracht. Heute ist er Häuptling "Colo". Zur Indianerwoche haben die Kinder mit ihm einen Marterpfahl geschnitzt, der jetzt aufgestellt wird. Als ein Sommerregen auf den Pausenhof niedergeht, unterbrechen "Blitzender Pfeil", "Faulpelz" und all die anderen Jungen und Mädchen das Indianerspiel am Marterpfahl. Stattdessen laufen einige ins Schulgebäude, um dort Tischtennis zu spielen.
Seine Internationalität verbindet Schuh mit so manchem Kind. Bonn zieht Menschen wie Helmut Schuh an, denn sie ist eine Stadt, in der sich seit dem Umzug der Bundesregierung zahllose internationale Organisationen niedergelassen haben, nicht zuletzt Büros der Vereinten Nationen. Nicht wenige Grundschüler haben bereits einen Auslandsaufenthalt hinter sich oder sind aus dem Ausland zugezogen. "Blitzender Pfeil" beispielsweise wurde bereits mit vier Jahren in London eingeschult. Da im Ausland Ganztagsschule die Regel ist, finden Eltern mit der Offenen Ganztagsschule nach einer Station im Ausland erheblich leichter den Anschluss ans deutsche Schulwesen. Das gefällt der Schweizerin Chantal Auzoni. "On y va?- Wollen wir gehen?", fragt sie ihre Tochter Nadja um 16:30 Uhr. Meistens käme ihre Tochter gut gelaunt nach Hause. Insofern ist es mit der Ganztagsschule wie zu den Zeiten, als Nadja noch zum Kindergarten ging, sagt Auzoni. Die Schweizerin könnte sich durchaus vorstellen, dass am Nachmittag mehr Unterricht erteilt würde, wie in anderen europäischen Ländern. Allerdings nicht in der Ferienzeit, betont sie.
Weitere Informationen im Internet:
Stadt Bonn - Ganztagsschule
Münsterschule, Grundschule der Stadt Bonn
http://www.muensterschule.de/home/unsereschule/index.php
Traumfänger beim Internetportal Helles Köpfchen
http://www.helles-koepfchen.de/artikel/674.html
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