Von Pia Musiol
An Aachener Grundschulen können Kinder je nach ihren Stärken und Schwächen zwischen zahlreichen individuellen Förderangeboten wählen. Möglich macht dies seit 2003 das sogenannte "Aachener Modell", ein landesweit einzigartiges Pilotprojekt, das gemeinsam von Stadt und Kreis Aachen durchgeführt wird. Ein Baustein des Aachener Modells zur Begabtenförderung ist das Projekt "Helle Köpfe - naturwissenschaftliche Experimente für Grundschüler / Begabtenförderung Fachgruppe Chemie" der RWTH Aachen, an der in diesem Wintersemester zehn Grundschüler teilnehmen. Schulministerin Barbara Sommer hat die RWTH Aachen besucht, um sich über das erfolgreiche Modellprojekt zu informieren.
Das Besondere am Aachener Modell: Die Förderung beginnt im Gegensatz zu anderen Hochbegabten-Projekten sehr früh. Vorzeitige Einschulungen in die Grundschule sind im Konzept mit eingeplant. Bereits vor der Einschulung werden Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Grundschullehrkräfte für die Diagnose hochbegabter Kinder sensibilisiert.
In den sechs teilnehmenden Grundschulen (GS Am Höfling, KGS Kornelimünster, Montessorischule Reumontstraße, GGS Herzogenrath-Pannesheide, Don-Bosco-Schule Eschweiler und GGS Würselen-Morsbach) werden verschiedene, bewährte Formen der Hochbegabtenförderung eingesetzt. Dabei findet die Förderung der hochbegabten Kinder im wesentlichen innerhalb des Klassenverbandes statt - eine Trennung wird bewusst vermieden, vielmehr profitieren auch die anderen Kinder von einem offenen, anspruchsvollen Unterricht. Die Lehrerinnen und Lehrer wurden zu Beginn des Projektes entsprechend geschult.
Auch außerhalb der Schule stehen Förderangebote zur Verfügung - durch die Zusammenarbeit mit insbesondere Kunst- und Musikschulen, Museen und Theatern, Sport- und anderen Vereinen. Ein regionaler Schwerpunkt entsteht durch die Kooperation mit den Hochschulen, vor allem im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich.
Die Modellschulen lernen voneinander, unterstützen sich und stimmen ihre Angebote aufeinander ab. Sie bilden vor Ort ein Subnetz, das dem "Netzwerk innovativer Schulen in Deutschland" bei der Bertelsmann Stiftung angehört. Ziel dieses Know-how-Transfers ist es, dass immer mehr Grundschulen in Stadt und Kreis Aachen in der Lage sein werden, ihre hoch begabten Kinder in ihrer Schule angemessen zu fördern. Zudem erfährt das "Aachener Modell" eine wissenschaftliche Begleitung: eine empirische Beobachtungsreihe der geförderten Kinder über ihre gesamte Grundschulzeit ist vorgesehen
Das auf vier Jahre angelegte "Aachener Modell" ist ein Kooperationsprojekt, das gemeinsam von Stadt und Kreis Aachen durchgeführt wird. Eine Projektgruppe aus den Schulleiterinnen und Schulleitern der Modellschulen, der Schulaufsicht, der Schulverwaltung, dem Schulpsychologischem Dienst und Vertreterinnen des Elementarbereichs gewährleisten Projektmanagement und Transfer zu den anderen Schulen. Kooperationspartner sind die Bertelsmann Stiftung mit beratender Funktion und die Bürgerstiftung für die Region Aachen, die operativ unterstützt und das Projekt - gemeinsam mit dem Jugendförderungswerk und Kulturstiftung der Sparkasse Aachen - finanziell ermöglicht. Die Bezirksregierung Köln unterstützt das Projekt durch die Bereitstellung zusätzlicher Lehrerstunden.
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