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Arbeit bei Schülerfirma stärkt Selbstbewusstsein der Jugendlichen

Foto: Auch sonntags wird in der Schulküche gekocht Auch sonntags wird in der Schulküche gekocht

Heute hat Laysa wieder Sonderschicht. Es ist Sonntag morgen, halb zehn, und die 17-jährige ist in der Schule. Die Ränder unter ihren Augen sind um diese Zeit noch etwas groß, aber ansonsten steht das Mädchen gut gelaunt in der schuleigenen Küche. "Stephanie, gib doch  mal das Messer rüber", ruft Laysa ihrer Mitschülerin zu. Auf dem Boden vor den beiden Mädchen liegen drei vollgepackte Kisten mit Kartoffeln und Blumenkohl. Das Gemüse schälen, waschen und kochen- in eineinhalb Stunden. Das ist der Job von Laysa, Stephanie und zehn anderen Mädchen der Kopernikus-Förderschule in Duisburg an diesem Morgen. Die Schülerinnen sind auch Unternehmerinnen. "Mahlzeit" ist der Name ihrer Schülerfirma- ein Partyservice. Die Kunden sind in der Woche Mitarbeiter von Ämtern in Duisburg und Teilnehmer von Seminaren. Alle acht Wochen liefert "Mahlzeit" auch sonntags aus: zum Bedürftigenessen der evangelischen Kirchengemeinde Obermarxloh.

Anderen eine Freude machen

Foto: Beim Schneiden der Blumenkohlköpfe ist Geschicklichkeit gefragt Beim Schneiden der Blumenkohlköpfe ist Geschicklichkeit gefragt

"Also am allerliebsten koche ich Nudelauflauf. Aber den kann es ja nicht immer geben", meint Laysa. "Das Wichtigste ist aber: es macht unheimlich viel Spaß, den Leuten mit dem Essen eine Freude zu machen". Das war für die 17-jährige auch der Hauptgrund, sich bei "Mahlzeit" zu engagieren. Doch ganz einfach fiel ihr die Wahl nicht, weil der Partyservice nicht die einzige Schülerfirma der Förderschule ist. Insgesamt gibt es sieben von Schülern verwaltete Unternehmen. Neben dem Partyservice beispielsweise noch den Gartenservice "Löwenzahn", die Kunstfirma "Ku-Kop" und die Holzfirma "Holz & Co".  Mädchen und Jungen aus den Klassen 8, 9 und 10 sind bei jeweils einer Firma dabei. Im Arbeitslehreunterricht findet 2 Stunden in der Woche Theorie statt, 4 weitere Stunden gehts dann in die Praxis. "Ziel ist vor allem der Erwerb von Schlüsselkompetenzen, die man im Berufsleben braucht, wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Engagement", sagt Hildegard Motakef. Die Lehrerin betreut den Partyservice. "Die Arbeit bei "Mahlzeit" stärkt das Selbstbewusstsein der Schüler und gibt ihnen ein positives Selbstwertgefühl. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und haben Erfolgserlebnisse". Konkret ist Erfolg an diesem Sonntag beispielsweise, das Essen pünktlich fertig gekocht zu haben. "Aber das ist nicht selbstverständlich. Man muss sich ja eine Struktur überlegen. Wenn das Kartoffelschälen länger dauert als den Blumenkohl zu schneiden, muss ich natürlich mit den Kartoffeln anfangen. Und solche Dinge versuche ich, den Jugendlichen beizubringen. Genauso wie das exakte Planen der Einkäufe und die finanzielle Kalkulation", sagt Motakef.

Gewinnorientiertes Unternehmen 

Jetzt um elf sind Lehrerin und Schüler hoch zufrieden. Laysa, Stephanie und die anderen Mädchen verstauen das gekochte Gemüse portionsweise auf Tellern in Wärmhaltekisten. Nun fehlt nur noch das Besteck, was der Partyservice auch mitliefert. Geschirr, Taschen und Kücheneinrichtung haben die Schülerinnen selbst gekauft. Denn "Mahlzeit" ist wie die anderen Schülerfirmen ein gewinnorientiertes Unternehmen. Für ein Essen müssen die Kunden in der Woche im Schnitt 2 Euro bezahlen. So kommen im Monat schon mal 500 Euro zusammen. Geld, das teilweise direkt wieder in Geräte oder Kücheneinrichtung investiert wird. Die Schüler sind aber auch prozentual am Firmenumsatz beteiligt. Einmal im Jahr bekommen sie einen entsprechenden Betrag zweckgebunden ausgezahlt. Zuletzt erhielt auf diese Weise jeder Schüler 120 Euro für die Finanzierung einer Klassenfahrt in den Harz. Der Dienst am Sonntag bringt den Jugendlichen keinen Umsatz. Für das Bedürftigenessen in Obermarxloh engagieren sich die Schülerinnen ehrenamtlich. "Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst, weil ich ja nicht wusste, was das für Leute sind. Doch mittlerweile unterhalte ich mich mit einigen von ihnen. Manche winken uns sogar schon zu, wenn wir kommen", erzählt Laysa. Und so es ist auch an diesem Sonntag, als der Kleinbus von "Mahlzeit" genau um 12 Uhr am Gemeindesaal vorfährt. Laysa springt als erste raus. Ihre Aufgabe ist es, die Tische zu decken. Während Stephanie und die anderen Mädchen nun die Taschen und Kisten mit den Essen in den Saal bringen, begrüßt Lehrerin Hildegard Motakef zwei Frauen von der Kirchengemeinde. Auch sie haben heute schon in der Küche gestanden und zuhause Schnitzel gebraten. Eine große Hilfe für die Schülerfirma, die sich damit beim Bedürftigenessen auf das Einkaufen und Kochen der Beilagen konzentrieren kann.

Foto: Die Arbeit getan: Im Gemeindesaal schmeckt es allen Die Arbeit getan: Im Gemeindesaal schmeckt es allen

"Jugendliche erhalten viel zurück"

Nun kommt der große Moment für die Schülerinnen: das Essen verteilen und die Leute bedienen. Und ein Lob und ein Lächeln für die getane Arbeit bekommen. "Die Jugendlichen erhalten hier so viel zurück, was sie stark macht. Dadurch erfahren sie, dass sich Einsatz lohnt. Auch wenn es hier in der Gegend nicht einfach ist. Ich bin ganz optimistisch, dass viele von ihnen mit dieser Haltung einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz finden werden", sagt Hildegard Motakef und zieht das Fazit: "Die Schülerfirma ist das Tollste und Erfolgreichste, was ich in meinem jahrzehntelangen Berufsleben gemacht habe". Laysa blickt an diesem Mittag nur in zufriedene Gesichter. Allen scheints zu schmecken. Doch auch wenn sie das stolz macht und sie sich schon auf den nächsten Einsatz bei "Mahlzeit" freut. Nach der Schulzeit will Laysa nicht bei einem Partyservice arbeiten: "Ich muss ja zugeben, das Kochen ist irgendwie doch ziemlich anstrengend. Ich will lieber Verkäuferin werden". (O.M.)
                  

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