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„Vielfalt in Einheit“ - die Wilhelm-Busch-Realschule in Zündorf

Von Gudrun von Schoenebeck

 

Foto: Mit dem Kunstwerk „Vielfalt in Einheit“ gewinnen die Schüler 2007 einen europäischen Schulwettbewerb Mit dem Kunstwerk „Vielfalt in Einheit“ gewinnen die Schüler 2007 einen europäischen Schulwettbewerb

"Für Europa muss ich hier niemanden mehr motivieren. Das ist ein Selbstläufer geworden", sagt Anneliese Schröder, Schulleiterin der Wilhelm-Busch-Realschule. Seit Februar 2008 darf sich die Kölner Realschule offiziell Europaschule NRW nennen und ist damit eine von 59 Europaschulen in Nordrhein-Westfalen. Mit internationalen Projekten und Praktika will die Schule ihre Schüler auf ein Leben in einem mehrsprachigen und multikulturellen Europa vorbereitet. Offenbar erfolgreich: Mit einem Kunstwerk zum Thema Europa gewannen die Schüler schon eine Reise in Europas Hauptstadt Brüssel.

 

An die "Initialzündung," mit der die Europabegeisterung an der Wilhelm-Busch-Realschule ausgelöst wurde, kann sich die Schulleiterin noch genau erinnern. "Das war 2004, als wir mit einem Comenius- Projekt über Konfliktlösungen in unterschiedlichen Kulturen gestartet sind", sagt Schröder. Unterstützt wurde sie dabei von ihrer Stellvertreterin Ulrike Baschlau-Kolle und fünf Kollegen. Zuvor hatten sie sich über Comenius, das EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen, ausführlich informiert und Comenius- Berater in die Schule geholt. Mit den drei Partnerschulen aus Griechenland, Malta und Schweden begann ein reger Austausch, um die Formen des Umgangs mit Konflikten kennen zu lernen und Strategien zur gewaltfreien Kommunikation zu entwickeln. "Wichtig ist, dass man an einem konkreten Thema miteinander arbeitet und der Kontakt nicht in der Unverbindlichkeit bleibt", sagt Schröder. Inzwischen haben Lehrer und Schüler sich gegenseitig besucht, gemeinsame Praktika und Fortbildungen gemacht. Das Ziel der gewaltfreien Schule wurde als "Zündorfer Erklärung" in den jeweiligen Schulverfassungen festgeschrieben.

 

Englisch und der Computer sind unverzichtbar

 

Foto: Schulleiterin Anneliese Schröder (Mitte) mit ihrem Europa-Team der Wilhelm-Busch-Realschule Schulleiterin Anneliese Schröder (Mitte) mit ihrem Europa-Team der Wilhelm-Busch-Realschule

Das nächste Comenius- Projekt - dieses Mal geht es mit Partnern aus Dänemark, England, Griechenland und Polen um das Thema gesunde Schule und Umwelt - ist bereits in Vorbereitung. Der direkte Kontakt mit Schülern und Lehrern anderer europäischer Schulen brachte an der Wilhelm-Busch-Realschule aber noch weitere Steine ins Rollen. "Wir haben gemerkt, wie wichtig Englisch- und Computerkenntnisse für die gemeinsame Kommunikation sind", sagt Ulrike Baschlau-Kolle. Es entstanden bilinguale Module, die in Fächern wie Geschichte oder Politik angeboten werden und die Möglichkeit, Italienisch neben Englisch und Französisch als dritte Fremdsprache zu belegen. Als 2007 der 175. Geburtstag von Wilhelm Busch gefeiert wurde, brachten die Realschüler "Max and Moritz and the fifth trick" als englisches Theaterstück auf die Bühne.

 

Für die Kommunikation im internationalen Kontext können die Schüler den Europäischen Computerführerschein erwerben oder sich im so genannten "eTwinning" mit Schülern anderer europäischer Schulen auf einer virtuellen Internetplattform zu gemeinsamen Unterrichtsprojekten verabreden. So haben die Realschüler übers Internet bei ihren Partnerschulen eine Umfrage zum Thema Taschengeld gemacht und die Ergebnisse im Netz präsentiert. "Im Unterricht bekommen europäische Themen zwangsläufig einen viel höheren Stellenwert, wenn sie mit echten Inhalten und Leben gefüllt sind", sagt Schröder. "Europäische Themen sind ständig präsent. Die Zeiten, in denen Europa im Lehrplan auftaucht, durchgenommen wird und dann wieder verschwindet, sind bei uns vorbei." Wichtig ist für die Schulleiterin, dass möglichst viele der 520 Schüler – "und nicht immer nur dieselben" – in spezielle Europa-Projekte eingebunden werden und dass die gemachten Erfahrungen weitergegeben werden. "Wenn die Schüler zum Beispiel von einem Auslandspraktikum kommen, berichten sie ihren Mitschülern in den Schülergremien davon und werden so zu Multiplikatoren. Diese Offenheit tut unserer Schulkultur gut."

 

Kritische Fragen an Europapolitiker

 

Foto: Kunst, die die Vielfalt und Selbstbestimmung der europäischen Länder symbolisiert Kunst, die die Vielfalt und Selbstbestimmung der europäischen Länder symbolisiert

Oder wenn eine Schülergruppe, wie im vergangenen Jahr, mit einem gemeinsam erarbeiteten Kunstwerk als Sieger aus dem Schulwettbewerb "Europa lohnt sich" hervorgeht und nach Brüssel reisen darf. Das derart ausgezeichnete Objekt heißt "Vielfalt in Einheit" und verbindet verschiedene geometrische Grundformen und Farben miteinander und zeigt symbolisch, wie unterschiedliche Völker, Sprachen und Regionen in der Europäischen Region eigenständig sind und doch zusammen gehören. Als am 9. Mai dieses Jahres - dem Europatag - Europaminister Andreas Krautscheid und der Landtagsabgeordnete Jürgen Hollstein in der Wilhelm-Busch-Realschule zu Besuch waren, diskutierten sie mit Schülern aus den Klassen 7 bis 9 über europäische Themen. "Wir wollen, dass die Schüler auch Menschen begegnen, die Europapolitik gestalten", sagt Schröder. "Da gab es auch kritische Fragen an den Minister, zum Beispiel von Migrantenkindern zur Rolle des Kosovo in Europa."

 

Die Zertifizierung zur Europaschule NRW bedeutet für die Schulleiterin die Anerkennung eines überdurchschnittlichen Engagements von allen Beteiligten. Die Comenius-Gruppe, die noch vor vier Jahren aus fünf Lehrern bestand, ist mittlerweile auf 20, immerhin zwei Drittel des gesamten Kollegiums, angewachsen. "Aber das Beste ist", findet Schröder, "dass die Kollegen von den europäischen Projekten und Themen überzeugt sind und dies an die Schüler weitergeben. Die Begeisterung kann man nicht verordnen, die muss von selbst kommen."

  

Homepage der Wilhelm-Busch-Realschule Köln-Zündorf

http://www.wilhelm-busch-realschule.de/index.php

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