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Pionier in Sachen Europaschule- die Bertha-Krupp-Realschule Essen

Von Claudia Pejas

Foto: Lehrer Wilfried Wallpoth (li.) und Schulleiter Klaus Lotter Lehrer Wilfried Wallpoth (li.) und Schulleiter Klaus Lotter

Klaus Lotter ist von ganzem Herzen Europäer. "Wir müssen uns Europa erarbeiten", davon ist er nach wie vor überzeugt, "Frieden schaffen heißt, die Jugendlichen zusammen zu bringen. Die jungen Leute müssen sich kennen." Deshalb hat der Schulleiter der Bertha-Krupp-Realschule in Essen vor fast zwei Jahrzehnten damit begonnen, Kontakte zu europäischen Partnerschulen zu knüpfen und als eine der ersten Realschulen in Nordrhein-Westfalen bilingualen Unterricht anzubieten. "Das war schon ein bisschen Abenteuer", erzählt Wilfried Wallpoth. Er hatte als erster Lehrer in der Schule den bilingualen Unterricht übernommen und unterrichtet noch heute Erdkunde, Geschichte und Politik in Englisch. "Es gab kaum Materialien. Das war jede Menge Arbeit. Aber es hat sich gelohnt." Seitdem hat das Kollegium mit Schulleiter Klaus Lotter kontinuierlich europäische Inhalte in die Schule getragen und Projekte verankert. Der bilinguale Zweig ist geblieben. Jeweils eine Klasse eines drei- bis vierzügigen Jahrgangs wird erst in Erdkunde, dann in Geschichte und später in Politik in englischer Sprache unterrichtet. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler französisch, spanisch und niederländisch lernen. Weil das Sprachangebot so vielfältig ist, stellt die Bezirksregierung Düsseldorf der Schule jedes Jahr einen britischen oder französischen Fremdsprachenassistenten zur Seite. Er hilft beim bilingualen Unterricht, ist Berater fürs richtige Sprechen und übt den spielerischen Umgang mit der neuen Fremdsprache in der Unterstufe.

Partnerschulen in Europa

Foto: Von einer "tollen Erfahrung" berichten die drei Auslandsstipendiatinnen Von einer "tollen Erfahrung" berichten die drei Auslandsstipendiatinnen

Ein reger Austausch und gegenseitige Besuche pflegt die Bertha-Krupp-Realschule mit Partnerschulen in England, Frankreich, den Niederlanden und seit kurzem auch mit Dänemark. Besonders intensiv ist der Kontakt seit über zehn Jahren nach Ungarn. In der 9. Klasse können die Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihres dreiwöchigen Betriebspraktikums eine Woche in den ungarischen Lehrwerkstätten der Partnerschulen mit Holz, Metall oder dem Computer arbeiten. Mittlerweile ist der Kontakt so eng, dass aus Partnern Freunde geworden sind. "Wir Lehrer besuchen uns auch privat", berichtet Peter Freund, der für den Ungarn-Austausch verantwortlich ist und selbst dort ein mehrwöchiges Lehrerpraktikum absolviert hat. "Nur wenn beide Seiten sich gut verstehen und sich gleich stark engagiert sind,  kann eine Schulpartnerschaft auf Dauer so gut funktionieren."

Auslandspraktika der Schülerinnen und Schüler

Die Schule unterstützt und fördert die Bewerbung seiner Schülerinnen und Schüler für ein vierwöchiges Auslandsstipendium, dass von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Essen vergeben wird. Dieses Jahr konnten gleich drei Schülerinnen der Bertha-Krupp-Realschule die Stifter von sich überzeugen und im Frühjahr ihre erste lange Auslandsreise antreten. Lisa Borowczyk (16) arbeitete in einer Bank auf den Philippinen, Louisa Wallerich (15) in einem Krankenpflegeinstitut in Finnland und Lena Optazi (15) im pflegerischen  Bereich eines Hotels für behinderte Menschen auf Teneriffa. Alle drei sind froh, diese Möglichkeit bekommen zu haben. "Klar hatte ich auch Heimweh", berichtet Lena Optazi, "aber es war insgesamt eine tolle Erfahrung. Auf einmal war ich auf mich alleine gestellt und musste vieles selber machen. Ich bin viel selbständiger geworden." Auf jeden Fall will die Schülerin nach der Schule noch mal ins Ausland - vielleicht ein Jahr lang als Au-Pair. Durch die vielen guten Kontakte in die Nachbarländer findet fast jedes Jahr seit 1995 ein internationaler Sporttag mit den Partnerschulen statt. In der 8. und 9. Klasse treffen sich die Jugendlichen mit belgischen, niederländischen und französischen Schülerinnen und Schülern. Gespielt werden viele verschiedene Sportarten - die Palette reicht von Fußball über Basketball bis hin zum Frisbee. Dabei wechseln sich die Schulen jedes Jahr als Veranstalter ab. So findet das Fest im Wechsel in allen vier Ländern statt.

Foto: Wirtschaftsenglisch ist ein weiteres Angebot für die Realschüler Wirtschaftsenglisch ist ein weiteres Angebot für die Realschüler

Außerdem gibt es an der Bertha-Krupp-Realschule noch Arbeitsgemeinschaften, die sich mit europäischen Themen beschäftigen. Neben einer AG Niederländisch können die Jugendlichen Wirtschaftsenglisch erlernen. Ein waschechter Brite bringt dabei den Schülerinnen und Schülern bei, wie sie sich professionell in Situationen des Arbeitslebens wie Telefonaten, Präsentationen, Konferenzen oder Verhandlungen ausdrücken und ihre Korrespondenz erledigen. Wer will kann nach dem Kurs eine Prüfung ablegen, die von der Englischen Industrie- und Handelskammer, der "London Chamber of Commerce and Industry", entwickelt wurde. Er wird in vielen Ländern als Nachweis über gute Kenntnisse in Wirtschaftsenglisch akzeptiert. Noch ein weiteres übernationales Zertifikat können die Jugendlichen in einer Arbeitsgemeinschaft an der Bertha-Krupp-Realschule erwerben - den Europäischen Computerführerschein, kurz ECDL. Das international standardisiertes Zertifikat bescheinigt  dem Inhaber, die Office-Anwendungen grundlegend zu beherrschen. Er wird inzwischen in 154 Ländern anerkannt.

Europaschule im Verbund

Bei ihren europäischen Aktivitäten setzt die Bertha-Krupp-Realschule auf die Stärke der Gemeinschaft. Schon vor zwölf Jahren hat sich die Schule mit zehn anderen Schulen fast sämtlicher Schulformen aus Essen und Mülheim zum Verbund "Europa-Schulen in Essen" zusammen getan. "Netzwerken heißt das Zauberwort", erzählt Schulleiter Klaus Lotter, "wir treffen uns regelmäßig und tauschen Erfahrungen und Ideen aus. Das macht vieles einfacher." Die gemeinnützige Kooperation wird von der  Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft EWG unterstützt. Über den Verein Schulen und Wirtschaft Essen e.V. (SWE) hat der Verbund sogar einen eigenen Geschäftsführer, der den einzelnen Schulen viel Arbeit abnimmt. Zum Beispiel knüpft er Kontakte zu Förderern, betreut die Projekte und kümmert sich um die Außendarstellung. Mittlerweile konnten so  große und kleine Unternehmen der Region gewonnen werden, die Europaschulen in Essen zu unterstützen. Die ersten "Europaschulen in Nordrhein-Westfalen" zeichnete Schulministerin Barbara Sommer im Oktober vergangenen Jahres aus. Die Hälfte der Schulen entstammte dem Essener Verbund. Zu ihnen gehörte auch die Bertha-Krupp-Realschule. Sie ist immer noch eine der wenigen Realschulen im Land, die das Zertifikat erhalten haben. Die meisten anderen sind Gesamtschulen oder Gymnasien. Schulleiter Klaus Lotter hofft nun, dass seine Schule andere Realschulen ermutigt, sich ebenfalls in Richtung Europaschulen zu entwickeln. Denn für ihn ist ganz klar: Realschulen können genauso gut Europaschulen sein wie die anderen Schulformen.

Zur Homepage der Bertha-Krupp-Realschule kommen Sie hier.
Hintergrund-Informationen über die "Europaschulen in Nordrhein-Westfalen" erhalten Sie hier

 

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