Von Claudia Pejas
Schüler, Eltern und Lehrer treffen sich in der Europagruppe der Schule
Bilingualer Unterricht, viele Fremdsprachen und ein inhaltlicher Schwerpunkt auf europäischen Themen: die Albert-Einstein-Schule in Bochum ist Europaschule in NRW. Damit ist das Gymnasium eine von 48 Schulen in Nordrhein- Westfalen, die sich organisatorisch und inhaltlich auf europäische Themen festgelegt haben. Um die Organisation der europäischen Aktivitäten in der Bochumer Schule kümmern sich Vertreter von Eltern, Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schüler gemeinsam.
Die Europagruppe der Albert-Einstein-Schule in Bochum hat eine Menge zu tun und viel vor. Mehrmals im Monat treffen sich die vier Schülerinnen und Schüler, drei Lehrerinnen und Lehrer und drei Mütter und Väter nach dem Unterricht in der Schule. Im Herbst 2007 fand sich die Gruppe zusammen - mit dem ersten Ziel vor Augen: Die Albert-Einstein-Schule sollte "Europaschule in NRW" werden. Seit 2007 vergibt das Schulministerium diesen Titel. "Für uns sind Europa und ein großes Fremdsprachenangebot schon seit vielen Jahren ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Als wir dann die Kriterien gesehen haben, wussten wir, wir können uns bewerben", erzählt Europakoordinatorin und Lehrerin Dorothee Josephs. Die Gruppe begann, alle Europa-Aktivitäten der Schule zusammenzutragen und zu dokumentieren - mit Erfolg. Die Albert-Einstein-Schule überzeugte die Kommission und darf sich seit dem 7. Februar 2008 Europaschule in NRW nennen.
Bilingualer Unterricht und ein großes Fremdsprachenangebot
Um vom Schulministerium als Europaschule anerkannt zu werden, prüfte die Auswahlkommission die folgenden Kriterien: Besondere Leistungsfähigkeit im den Fremdsprachen, bilinguale Zweige oder Angebote, eine intensive Beschäftigung im Unterricht mit den Belangen Europas, projektorientierte Partnerschaften mit anderen Schulen in Europa und ein Schulprogramm mit deutlichem Europaprofil und die Evaluation dieses Profils.
Diese Fünftklässler haben nach den Sommerferien bilingualen Unterricht
Seit 1990 bietet die Albert-Einstein-Schule einen bilingualen Zweig auf Englisch an. Pro Jahrgang gibt es ein bis zwei bilinguale Klassen. Schon ab der fünften Klasse bekommen diese Kinder mehr Englischunterricht. Ab der sechsten Jahrgangstufe werden dann Erdkunde, Geschichte und Politik bilingual unterrichtet. Die beiden Fünftklässlerinnen Malina Hoffmann und Luna Brevis freuen sich schon, wenn es damit nach den Sommerferien losgeht. Sorge, dass es schwierig werden könnte, haben sie nicht. Selbstbewusst glaubt Luna Brevis sogar einen Vorsprung gegenüber den nicht-bilingualen Klassen zu erkennen: "Ich glaube, dass wir besser in Englisch sind. Vor allem können wir besser verstehen."
Außer dem bilingualen Zweig setzt die Albert-Einstein-Schule auf ein umfangreiches Fremdsprachenangebot. Neben dem obligatorischen Englischunterricht ab der fünften Klasse können die Schüler und Schülerinnen in Jahrgang 6 zwischen Französisch, Latein und Spanisch wählen. Ab der achten Klasse gibt es die Möglichkeit, eine dritte Fremdsprache - Französisch oder Latein - zu lernen. Und in der Oberstufe können die Jugendlichen mit Spanisch oder Italienisch beginnen.
Internationale Partnerschaften und inhaltlicher Schwerpunkt
Kontakte ins europäische Ausland pflegt die Albert-Einstein-Schule seit Jahren. Partnerschulen gibt es in Italien, Frankreich, La Réunion und England.
Außerdem nimmt die Schule regelmäßig an europäischen Wettbewerben und Projekten teil. Einen besonderen Stellenwert haben international anerkannte Sprachzertifikate. Die Schülerinnen und Schüler können in Französisch das Diplome d'études en langue francaise (DELF) ablegen und in Englisch nicht nur das First Certificate in English (FCE), sondern auch das Certificate in Advanced English (CAE).
Engagiert für europäische Themen: Europakoordinatorin Dorothee Joesphs und Rainer Zeyen
Auch im Unterricht ist Europa ein wichtiges Thema. Der gesellschaftliche Schwerpunkt ist "Erziehung zu Europa", insbesondere die "Europäische Einigung". Außerdem können alle Jugendlichen in der Oberstufe eine Studienfahrt nach Polen - zum Beispiel nach Breslau oder Krakau unternehmen. Außerdem gibt es Fahrten nach England sowie nach Straßburg, Bonn, Brüssel und Maastricht in europäische Institutionen und Organisationen.
Große Feier am Europatag
Dass ihr Gymnasium jetzt eine Europaschule ist, hat alle gefreut und motiviert. Am Europatag der Schulen, dem 6. Mai, feierte das Gymnasium einen ganzen Tag lang mit einem Festakt und einem Projekttag die Ernennung. Jede der 21 Klassen stellte zusammen mit den Jugendlichen aus der Oberstufe die Länder Europas vor. Von Plakatpräsentationen über Tänze bis hin zu Filmen haben sich die Gymnasiasten viel einfallen lassen. "Es war ein toller Tag", sagt Schulleiter Rainer Zeyen. "das Zertifikat ist für uns eine ganz besondere Auszeichnung. Wir freuen uns über die Anerkennung unserer bisherigen Arbeit. Wir sehen uns aber auch verpflichtet, jetzt nicht nachzulassen, sondern unsere Europa-Aktivitäten weiter auszubauen."
So folgte das Albert-Einstein-Gymnasium auch dem Aufruf der Bochumer Oberbürgermeisterin, sich am 9. Mai auf dem künftigen Platz des europäischen Versprechens einzufinden. Dieser Platz entsteht im Auftrag der Stadt Bochum als Beitrag zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Aller Bürger und Bürgerinnen Europas sind dabei eingeladen, ihren Namen auf diesem Platz in Stein meißeln zu lassen. Dabei steht jeder Name für ein Versprechen für die gemeinsame Zukunft der Menschen in Europa.
Die Anerkennung als Europaschule haben die Europagruppe angespornt. Jetzt entwickelt die Gruppe neue Ideen für noch mehr Europa in ihrer Schule. Zum Beispiel ist geplant, bilingualen Unterricht auch bald in den naturwissenschaftlichen Fächern anzubieten. Und für die Schülerinnen und Schüler ist klar: "Es soll bald mehr Schülerpraktika im Ausland geben", erklärt Joana Kadir aus der zwölften Klasse. Die Kontakte ins Ausland sollen ausgedehnt werden. Ganz aktuell arbeitet die Gruppe an einer Partnerschaft zu einer schwedischen Schule in Lund. "Die Beziehung kam durch private Kontakte zustande - jetzt fangen wir gerade damit an, uns auszutauschen - das kann noch spannend werden", freut sich Europakoordinatorin Dorothee Josephs auf die Zukunft. Keine Frage - diese Schule hat Lust auf ganz viel Europa.
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