Von Marc Raschke
Da sitzen sie nun, an einem Tisch. Und Vorurteile scheinen zwischen den Kaffeetassen im Büro des Schulleiters der Bochumer Willy-Brandt-Gesamtschule irgendwie keinen Platz zu finden. Obwohl zwei in der Runde vom Mineralölkonzern BP kommen und damit an manch anderen Schulen nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen werden würden. Doch Jörg Peter Kubiak, der bei der Deutsche BP AG für das Autowäschegeschäft in Europa zuständig ist, fühlt sich der Schule besonders verbunden. Und das liegt nicht nur daran, dass er einer von rund 100 Ausbildungsbeauftragten im Unternehmen ist. Nein, zudem geht auch noch seine Tochter Marie an der Wittekindstraße in die 7. Klasse. "Ich spiele Türöffner", sagt er und gibt sich betont bescheiden. Dabei ist er in der in Bochum ansässigen Deutschland-Zentrale des Öl-Unternehmens der Mann, der schon so einiges für die Schule möglich machen konnte.
Raus aus der Schule- rein in die Praxis: die Bochumer Gesamtschüler im Werk von BP
20 Schulförderungen bei der BP
Peter Kretzschmar koordiniert als Projektreferent bei BP derzeit rund 20 Schulförderungen im Einzugsbereich der großen Unternehmensstandorte Ruhrgebiet, Lingen und Hamburg. Er spricht neudeutsch vom "Community Investment" und "Corporate Social Responsibility": "Ein Unternehmen kann nur erfolgreich sein, wenn man es in der Gesellschaft wertschätzt." Deshalb kümmert sich der Global Player bewusst auch vor Ort an Schulen. Ein Engagement, das etwa im Mutterland Großbritannien bereits eine lange Tradition hat. Dort unterstützt der Konzern seit den 1960er Jahren das Bildungssystem. "In England arbeiten Schulen wesentlich offener mit der Wirtschaft zusammen", so Kretzschmar. Einzige Voraussetzung für eine Förderung: Die Schule muss einen Paten im Unternehmen finden. Denn letztlich geht es der BP auch darum, ein Signal nach innen auszusenden. Die Botschaft: Mitarbeiter, die sich über die normale Arbeitszeit hinaus engagieren, erhalten eine Unterstützung. Natürlich weiß aber auch BP, dass gerade ein Öl-Konzern in der breiten Öffentlichkeit leicht in Imageprobleme geraten kann - und sei es nur, dass die Benzinpreise wieder einmal steigen. Dass sich das Unternehmen nun aber gerade an Schulen in die Gunst von potentiellen Neukunden einkaufen will, sieht BP-Schulpate Kubiak ganz und gar nicht. "Wenn wir tatsächlich damit Neukunden gewinnen wollten, dann könnten wir das sicherlich auch einfacher haben", so Kubiak. Dem auf Langfristigkeit angelegten Förderprogramm gehe es vielmehr darum, nachhaltig in die allgemeine Bildungslandschaft und damit auch in Ausbildungsqualität der heranwachsenden Generationen zu setzen. "Was nützt uns schon ein unmündiger Kunde?", fragt BP-Kollege Kretzschmar und unterstreicht: "Wir scheuen nicht den kritischen Dialog."
Unterricht in Globalisierung am Beispiel eines Global Players
Das kann Schulleiter Klaus Wiegand nur bestätigen. Nach der anfänglich naheliegenden Kooperation im Fach Chemie war er auf die Idee gekommen, auch das äußerst vielschichtige Thema Globalisierung anhand des Global-Players BP zu veranschaulichen und somit die Fächer Erdkunde, Sozialwissenschaften und eben Englisch in die Partnerschaft einzubeziehen. "Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, einen Weltkonzern von innen zu sehen?", fragt Wiegand. Erstaunlicherweise zogen alle ohne große Kritik mit: Eltern, Lehrer und Schüler. Schließlich sei es durchaus ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Schulen, dass der Unterricht an der Willy-Brandt-Gesamtschule mit so einem prominenten Partner so praxisnah verlaufe. "Wir halten unsere Kooperation möglichst transparent", sagt Wiegand.
Das Kooperationsteam von Vertretern der Willy-Brandt-Gesamtschule und des BP-Konzerns
BP lernt von Schulen
BP zeigt sich offen, zumal der Konzern zunächst einmal lernen musste, was
deutsche Schulen in der Praxis tatsächlich benötigen. Das heißt, dass auch BP
umgekehrt von den Schulen lernte. "Wir fühlen uns als gleichwertige Partner",
sagt Chemie-Lehrer Hans-Jürgen Swenne, der neben seinem Kollegen Norbert
Ermeling seitens der Gesamtschule Ansprechpartner für BP ist. Konkret fördert
BP, indem es Know-how aus dem Hause den Schulen zur Verfügung stellt und so die
Schulen mit Wissen und Anwendungsbeispielen aus der Praxis versorgt. Darüber
hinaus stattet BP jeden Schulpaten pro Jahr mit 1000 Euro aus. "Es geht uns aber
nicht darum, eine Schule finanziell weich zu betten", schränkt BP-Schulexperte
Kretzschmar gleich ein. Über die eine Hälfte kann der Pate im Sinne der Schule
frei verfügen, die anderen 500 Euro gehen in einen großen Topf, aus dem heraus
BP herausragende Projektanträge der Schulen fördert. Im letzten Jahr war auch
die Willy-Brandt-Gesamtschule am Zuge: BP finanzierte alle Bücher in der neu
eingerichteten Präsenzbibliothek des Selbstlernzentruns der Oberstufe. "Wir
haben durch die Kooperation sogar Unterrichtszeit gewinnen können", so Lehrer
Ermeling. BP hatte nämlich unter anderem auch Geld für einen Beamer bereit
gestellt, der nun über den Köpfen der Schüler im Chemieraum fest installiert
ist. Das erspart das ständige Beschaffen und Neuinstallieren zu Beginn der
Stunde. Doch nicht nur finanzielle Mittel helfen der Schule. "Wir wollen den
Kontakt mit den Leuten, die die ganz konkrete Arbeit vor Ort machen", sagt
Chemie-Lehrer Ermeling. Die seien interessant, wenn es darum geht, talentierte
Schüler frühzeitig mit konkreten Arbeitsfeldern zu konfrontieren. "Sehen Sie die
Kooperation auch im Kontext der individuellen Förderung", so Ermeling.
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Informationen zu BP in Bochum finden Sie
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