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„sozialgenial“ im Hochseilgarten

Gladbacher Gymnasium trainiert die Persönlichkeit seiner Schüler

Von Susanne Schnabel

Foto: „Wir schaffen das!“ „Wir schaffen das!“

In NRW gibt es seit 2009 die Initiative „sozialgenial - Schüler engagieren sich“ für alle weiterführenden Schulen. An dem Projekt beteiligen sich inzwischen 168 Einrichtungen. Eine davon ist das Mönchengladbacher Hugo-Junkers-Gymnasium, das um die Persönlichkeitsentwicklung seiner Schüler bemüht ist und dabei ungewöhnliche Wege geht.

„Aufi!“ schallt es durch den kleinen Park neben Schulhof des Hugo-Junkers-Gymnasiums in Mönchengladbach. Das sollen schüchterne Schüler sein? Anscheinend hat das „Training zur Persönlichkeit“ für die Klassen 5 und 6 bereits gefruchtet. 14 Schüler balancieren Hand in Hand über Seile, die zwischen den Bäumen gespannt sind. Ihre Aufgabe: Ohne den Boden zu berühren den Parcours meistern. Sobald einer daneben, tritt müssen alle von vorn anfangen. Mit ihrem Schlachtruf feuern sie sich gegenseitig an, trösten sich, wenn etwas schief geht und nehmen Niederlagen mit Humor hin. Lisa ruft in die Runde: „Wir sind stark. Wir sind wertvoll! Wir können was!“

Training zur Persönlichkeitsstärkung

Unter dem Motto „Ich kann was! / Ich bin wer!“ hat Pädagogik-Referendarin Kira Pfeiffer ein Programm für die Jahrgangsstufen 5 und 6 ausgearbeitet, an dem 14 Schülerinnen und Schüler einmal wöchentlich teilnehmen. Ziel des sechstägigen Trainings ist es, den Jugendlichen dabei zu helfen, ihre Persönlichkeit zu stärken, sich besser in Gruppen eingliedern zu können und soll dazu dienen, dass diese Kinder ein positives Selbstbild entwickeln. Dazu gehören viele Übungen und Gespräche. „Die Schüler sollen ihre Stärken erkennen und lernen, sich zu behaupten“, erklärt Kira Pfeiffer.

Foto: Gemeinsam auf wackeligen Pfaden Gemeinsam auf wackeligen Pfaden

Gute Resonanz bei Eltern, Lehrern und Schülern

Bei diesem Training machen Schüler mit, die eher zurückhaltend sind. Die Teilnahme ist freiwillig und die Nachfrage groß: Eltern, Lehrer und Schüler haben das Projekt positiv aufgenommen. „Die Schüler wissen ganz genau, ob sie beliebt sind oder nicht. Sie sind sich ihrer Stärken nicht bewusst, glauben nicht an sich“, so Kira Pfeiffer. Hier greift das Training. Die Schüler lernen bei den spielerischen Übungen, sich gegenseitig zuzuhören, laut und deutlich zu sprechen und Körperkontakt zuzulassen. Nach jeder Übung reflektiert die Gruppe, was hätte besser laufen können und wie kann das gelernte in den Alltag übernommen. „Wir geben ihnen Erfolgserlebnisse, sie merken: Ich kann was, fühlen sich gut und selbstbewusst“, sagt Kira Pfeiffer.

Studenten helfen Schülern

Unterstützt wird Kira Pfeiffer bei dem Programm von drei Studenten der Hochschule Mönchengladbach des Studiengangs „Soziale Arbeit“, die im Rahmen eines Praktikums hier mitarbeiten. Einer von ihnen ist Fabian Steffens, der nach vier Unterrichtseinheiten bereits erste Erfolge bei den Schülern erkennt. „Sie sind offener und verstehen sich als Gruppe. Immerhin sind das Schüler aus fünf unterschiedlichen Klassen. Bei dieser Übung zeigen sie eine sehr große Frustrationstoleranz, fangen immer wieder neu an und motivieren sich gegenseitig“, so der Student.

Foto: Starker Charakter, stark fürs Leben. Starker Charakter, stark fürs Leben.

Prävention von Mobbing

Ein solches Training schützt vor Mobbing, denn ein starker Charakter kann sich wehren und Hilfe annehmen. Das ist für alle Schulformen sinnvoll. „Am Gymnasium gibt es genauso so viele unterschiedliche Charaktere wie an jeder anderen Schule. Gerade am Gymnasium sind oft viele schüchterne Kinder. Dieses Konzept ist hervorragend, um den einzelnen zu stärken“, sagt Schulleiter Wolfgang Bremges. Das Motto an seiner Schule lautet:„Als Pädagogen sind wir nicht nur für die Lernerfolge der Kinder und Jugendlichen verantwortlich. Unsere Aufgabe ist es, sie auf das Leben vorzubereiten. Und dazu gehört in unseren Augen auch ganz besonders unser Konzept zur Vermittlung sozialer Kompetenzen, die über den Unterricht hinaus wirken.“ Neben dem Training von Kira Pfeiffer gibt es an der Schule unter anderem Streitschlichtung, einen sozialen Tag, den Schulsanitätsdienst oder das Projekt „Schüler helfen Schülern“.

Foto: Erfolgserlebnisse für ein gutes Selbstvertrauen. (Fotos: Susanne Schnabel) Erfolgserlebnisse für ein gutes Selbstvertrauen. (Fotos: Susanne Schnabel)

Acht Meter Höhe stärken das Selbstvertrauen

Nach gut einer Stunde haben die Schüler den Parkour geschafft und gratulieren sich gegenseitig. Das war nur zum warm werden, denn in einer Woche macht die Gruppe einen Ausflug in den Hochseitgarten. Dort werden sie sich in acht Metern Höhe gegenseitig an Seilen sichern. Kira Pfeiffer: „Kinder sichern Kinder. Sie müssen sich auf andere verlassen. Das ist eine wertvolle Erfahrung.“ Clevere Ideen entwickeln und 500¬ Euro gewinnen Dies ist nur eins von vielen Hundert Projekten in NRW im Rahmen von „sozialgenial“. Viele Schüler setzen sich ein für ihre Mitmenschen, im Umweltschutz oder für Toleranz und Menschenrechte. Die Service Learning-Initiative „sozialgenial - Schüler engagieren sich“ sucht Schüler, die gemeinsam im Unterricht Ideen für bürgerschaftliches Engagement entwickeln. Bis zum 22. Juli 2011 können sich alle Schulen ab der 5. Klasse in NRW um den sozialgenial-Förderfonds bewerben. Zu gewinnen gibt es 500 Euro je Schule.

 

 

 

Weitere Informationen zu "sozialgenial" finden Sie hier:

Tausend mal sozialgenial

Sozialgenial - Schülerinnen und Schüler verbinden Lernen mit gesellschaftlichem Engagement

Homepage von „sozialgenial“

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