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Soziales Engagement auf der Theater-Bühne

Von Andreas Uphues

Aileen Bongers geht in die sechste Klasse der Unesco-Schule in Kamp-Lintfort und engagiert sich mit ihren Mitschülerinnen in einer Theater-Arbeitsgemeinschaft für internationale Kinderrechte und die Hilfsorganisation Unicef. Kamp-Lintfort präsentiert sich vom 17. bis 23. Januar als „Local Hero“ der Ruhr.2010. Jede Stadt der Metropole Ruhr steht eine Woche lang im Mittelpunkt der Kulturhauptstadt Europas. Das Bildungsportal stellt deswegen wöchentlich und exemplarisch einen von ganz vielen „jungen Helden“ aus einer Schule der jeweiligen „Local Hero“-Stadt vor. Unesco-Projektschulen legen einen besonderen schulischen Schwerpunkt auf die Erziehung zu internationaler Verständigung und Zusammenarbeit.

Foto: Nachwuchsschauspielerin Aileen Bongers Nachwuchsschauspielerin Aileen Bongers

„Bei der Hauptrolle hatte ich mich nicht gemeldet. Ich dachte, das schaffe ich nicht.“ Kaum war Aileen Bongers auf der Unesco-Gesamtschule Kamp-Lintfort, hatte sie sich in der fünften Klasse bei der AG „Theater für Unicef“ angemeldet. Die Zwölfjährige ist zwar alles andere als schüchtern. Sie wollte sich aber wohl erst langsam an die Bühne heran tasten. Für AG-Leiterin Petra König war das kein Problem: „Das ist ja das schöne an Theater-Arbeit: Auch die kleinste Rolle ist für das Endergebnis gleichermaßen wichtig.“

Vielleicht fühlte sich Aileen auch von der Arbeitsgruppen-Beschreibung besonders angesprochen: „Wir wollen nicht nur Theater spielen und unsere Requisiten selber herstellen, sondern wir wollen auch einen Beitrag leisten, um Kindern, die in Not sind, zu helfen.“ Denn Petra König erlebte den aufgeweckten Rotschopf von Anfang an als sozial engagiertes Kind, das sich gefühlsmäßig sehr gut in die Situation anderer hineinversetzen kann. Und nicht zuletzt darum geht es ja auch bei der Schauspielerei.

Etwa zehn Kinder treffen sich jeden Montagnachmittag an der Schule, um in der AG-Stunde für die jeweils nächste Vorstellung zu arbeiten und zu proben. Die jährlichen Termine stehen im Jahreskalender der Schule fest: Im Mai werden die nächsten Fünftklässler begrüßt und Anfang Dezember gibt’s nebenan in der Kamp-Lintforter Stadthalle das „Winterfestival“ der Schule, bei dem all ihre Kunst-Aktivitäten vor einem großen Publikum präsentiert werden. Kurz vor Weihnachten brachte die AG ihre Theaterversion einer afrikanischen Schöpfungsgeschichte auf die Bühne. Zusammengefasste Erkenntnis: Alle Menschen rund um den Globus haben die gleichen Wurzeln in einer Sanza, einem afrikanischen Musikinstrument.

Also sprach auch nichts dagegen, dass Aileen in dem Stück aus Afrika ein Mädchen von dem ganz anderen Kontinent Amerika, eine junge, rothaarige Indianerin spielte. Fantasie an die Macht! Aileens Freundin Milagros Müller, in der Dominikanischen Republik geboren, spielte eine Afrikanerin. Der Zusammenhalt in der AG ist sehr groß. Man hilft und unterstützt sich gegenseitig. Und die Kinder machen sogar noch bei den Aufführungen mit, wenn sie eigentlich gar nicht mehr in der AG sind. „Manchmal sind zehn Kinder für die Aufführungen zuwenig“, erzählt Lehrerin König, „dann brauch’ ich Unterstützung.“

Foto: Setzen sich gemeinsam für Kinderrechte ein: Aileen und Milagros Setzen sich gemeinsam für Kinderrechte ein: Aileen und Milagros

Beim Thema der AG „für Unicef“ ist es klar, dass es in den Aufführungen immer um internationale Kinderthemen geht. Damit wird auch das Engagement aller Schülerinnen und Schüler für das Kinderhilfswerk gefördert. So verkauften alle Kinder der Klasse 6f, in die auch Aileen und Milagros gehen, am vergangenen Elternsprechtag Kuchen und nahmen dabei 150 Euro für ein. Davon spendeten sie unter anderem 200 Schulhefte und acht Lesefibeln für das Projekt „Schulen für Afrika“.

Nicht jede Schule erhält die Bezeichnung „Unesco-Projekt-Schule“. Voraussetzung hierfür ist unter anderem die Verpflichtung zur kontinuierlichen Mitarbeit im Schulnetz der Weltorganisation. Die Schule muss glaubhaft machen, dass sie die Erziehung zu internationaler Verständigung und Zusammenarbeit  in all ihren schulischen und außerschulischen Bereichen aktiv unterstützt. Ein Beispiel dafür ist die Theater-AG in Kamp-Lintfort.

In mehr als 100 Städten verteilt über ganz Deutschland gibt es 190 Unesco-Projekt-Schulen. Weltweit sind es etwa 7500 Schulen, die im ASP-net (Associated Schools Projekt) in fast allen 191 Mitgliedstaaten der Unesco mitarbeiten. Es sind ganz „normale“ Schulen. Auf dem Stundenplan stehen die Einhaltung der Menschenrechte, kulturelle und Umweltbildung und der gerechte Ausgleich zwischen Arm und Reich.

 

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

Informationen zur Unesco-Schule Kamp-Lintfort finden Sie hier

Über alle Unesco-Projekt-Schulen in Deutschland können Sie hier mehr lesen

Über die Arbeit des Kinderhilfswerks UNICEF können Sie sich hier weiter informieren

Mehr Informationen zu den Kamp-Lintforter „Local Heroes“-Veranstaltungen gibt es hier

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen aller "Local Heroes"-Wochen sind auf der Homepage der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 zusammengefasst: www.ruhr2010.de/local-heroes

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