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Promi-Interview mit Juli Zeh

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Von Arnd Zickgraf

Welcher ist der erste spontane Gedanke, wenn Sie jetzt an Schule denken?
Zeh: Ich erinnere mich an die Raucherecke und wie der Wind an der Mauer entlangpfiff und an den Geruch im Treppenhaus, wenn man zu den Räumen des Internats hinaufstieg.

Welche Erfahrung in Ihrer Schulzeit hat Sie am meisten geprägt?
Zeh: Zum einen der Versuch der Schulleitung, mich kurz vor dem Abi von der Schule zu entfernen. Zum anderen die inspirierende Bekanntschaft mit meinem Geschichtslehrer Klinke.     

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu den Lehrern beschreiben?
Zeh: Mit den meisten Lehrern habe ich mich sehr gut verstanden, einige hassten mich und umgekehrt. Ich glaube, es lief ein Graben durch das Kollegium, der auch von politischen Auffassungen geprägt war und sich bis hinunter in das Verhältnis zu den Schülern widerspiegelte.

Welches Buch, das Sie in der Schulzeit gelesen haben, hat Sie am meisten geprägt?
Zeh: Das kann ich so nicht beantworten. Ich habe mindestens ein bis zwei Bücher pro Woche gelesen und darunter waren sehr viele, die mich beeinflusst haben.

Lernen heißt auch aus Fehlern lernen. Wenn Sie auf Ihre Laufbahn zurückblicken: Welche Fehler haben Sie erkannt und wie haben Sie daraus gelernt?
Zeh: Auch wenn der Spruch, dass man aus "Fehlern" lernen soll, eine allgemein anerkannte Binsenweisheit ist, muss ich sagen, dass ich mit dem Begriff "Fehler" in Bezug auf das menschliche Leben nicht viel anfangen kann. Gewiss gibt es schlimme, oft existenzielle Situationen, in denen man sich fehl verhält. So etwas ist mir (zum Glück) noch nicht zugestoßen. Von meinen bisherigen Entscheidungen habe ich noch keine bereut, weil sich immer zeigte, dass die folgenden Entwicklungen auch gute Seiten hatten. Im Rückblick kann ich deshalb keinen herausragenden Fehler identifizieren. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben und drehe einmal am Tag die Augen nach oben, um meinem persönlichen Schutzengel zu danken.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Schauspielerin und Sie können sich in einer neuen Serie über die moderne Schule eine Rolle aussuchen. Welche Rolle würden Sie im Film übernehmen?
Zeh: Die Rolle einer bockigen, anarchistischen, aufmüpfigen Schülerin.  

Warum?
Zeh: Weil ich nichts anderes spielen könnte.            

Juli Zeh, Jahrgang 1974, hat in Bonn ein Internat besucht und anschließend in Passau, Krakau, New York und Leipzig Jura und Literatur studiert. Der erste Roman "Adler und Engel", der 2001 erschien, wurde in fast 30 Sprachen übersetzt. Der Roman "Spieltrieb", der im Jahr 2004 veröffentlicht wurde, handelt von zwei jugendlichen Außenseitern, die jeglichen Wertvorstellungen eine Absage erteilen und sich dem Spieltrieb überlassen. Mit ihren Lehrern treiben sie daraufhin ein selbstzerstörerisches Katz- und Maus-Spiel. Mit ihrem vielseitigen und essayistischen Werk hat die Autorin ein internationales Publikum und zahlreiche Literaturpreise gewonnen.
www.juli-zeh.de

 

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