Von Arnd Zickgraf
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Schulministerin Barbara Sommer ehrten Annika Zinnow als eine der besten Schülerinnen Nordrhein-Westfalens.
"Man muss versuchen, Texte zu verstehen"
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. "Annika liegt das Lernen im Blut", sagt Vater Uwe Zinnow. In der Kindheit haben sich die Eltern mit den beiden Töchtern "sehr viel befasst". Viel Zeit hat die Familie in der Natur beim Wandern oder im Wohnwagen verbracht. Gesellschafts- und Denkspiele gehörten zum Alltag der Kinder. Als der Vater in der Schulzeit sah, dass die Tochter schon mal bis drei Uhr in der Nacht am Schreibtisch brütete, blieb ihm nichts anderes übrig, als sie zu stoppen. Annika Zinnow stammt aus einem so genannten bildungsnahen Elternhaus. Der Vater ist als Beamter im Innenministerium tätig. Im Haushalt der Zinnows stehen regalweise Bücher, kein Wunder befasst, sich doch der Vater seit seiner Jugendzeit mit Geschichte. In Köln hat er sich deswegen einen Namen als Hobby-Historiker gemacht. Sein Steckenpferd sind preußische Festungen. Nicht der preußische Militarismus fasziniert ihn dabei. Seine Anliegen sind vielmehr der Denkmalschutz und die Erforschung der Kölner Geschichte. Die ebenfalls berufstätige Mutter hat stets genau darauf geachtet, dass Annika seit der Grundschulzeit regelmäßig die Hausaufgaben erledigt.
"Ich bin nicht die typische Streberin", sagt Annika Zinnow von sich. Dazu hat sie zu viele Interessen. Es lief auch nicht immer rund für sie in der Schule. In der siebten Klasse hatte sie einen Durchhänger, da standen auf einmal Vieren auf dem Zeugnis. "Damals habe ich gar nichts gemacht", meint die Schülerin. Als sie sich verbessern wollte, machte sie den Fehler, den Lernstoff auswendig zu lernen. Mit der Zeit begriff sie, dass sie sich dadurch auf die Klausuraufgaben viel zu unflexibel vorbereitete. "Man muss versuchen, Texte zu verstehen", weiß sie heute. Außerdem stützt sie sich beim Lernen auf verschiedene Quellen, ein Tipp, der vom Vater stammen könnte. Ihr Lieblingsmedium ist allerdings das Internet, nicht das Buch. Da sie oft mit ihrem Freund zusammen gelernt hat, konnte auch dieser seinen Notendurchschnitt verbessern. Beim Basketball kämpft sie unterdessen in der Regionalliga weiter um die Punkte. Der Sport bleibt immer Teil ihres durchgestylten Tages: "Man braucht Hobbys zum Luftholen", so Annika.
"Ein guter Lehrer ist für alle Schüler da"
Nicht nur das Elternhaus war offenbar ein günstiger Nährboden für die Leistung Annikas. Das Spitzenduo an der Realschule war so gut, weil das Umfeld an der Realschule stimmte. "Wir sind eine kluge Klasse gewesen", findet Annika. Warum meint sie, ihre Klasse sei eine kluge Klasse? Von den 30 Schülerinnen und Schüler sind acht zum Gymnasium aufgestiegen. Alle anderen haben bereits einen Ausbildungsplatz gefunden. Sie selbst möchte Grundschullehrerin werden. Da passt es wohl, dass die Schülerin ihre Realschullehrerin als die "tollste Lehrerin" empfand. Eine gute Lehrkraft zeichnet sich in ihren Augen durch Autorität, eine gewisse Strenge und Hilfsbereitschaft aus. Gute Lehrer setzen sich obendrein für Schwächere ein: "Nicht nur unterrichten muss man können, sondern für alle Schüler da sein", ist ihre Überzeugung. Das Wichtigste aber ist das Vertrauensverhältnis zwischen Schülern und Lehrern, bringt sie es auf den Punkt.
Mittlerweile besucht Annika Zinnow das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hürth. Zunächst war der Unterschied zwischen Realschule und Gymnasium für sie nicht greifbar. "Den ersten Monat auf dem Gymnasium fand ich total locker", so Zinnow. Da hatte sie zu Zeiten der Realschule mehr Hausaufgaben zu erledigen. Jetzt spürt sie den Unterschied schon deutlicher. Nicht der Stoff ist schwieriger, sondern wie der Stoff behandelt wird, meint sie. Auf der Realschule konnten "Nachzügler" die Lehrerin so lange löchern, bis sie etwas verstanden hatten. Auf dem Gymnasium schreitet der Unterricht fort und fort. "Wer nicht mitkommt, hat Pech gehabt", sagt Zinnow. Bei ersten schriftlichen Tests in Englisch und Biologie auf dem Gymnasium hat sie eine Eins und eine Zwei bekommen. Man darf gespannt sein, was sie sich einfallen lassen wird, um auch am Gymnasium höher hinaus zu kommen.
Internet:
Informationen zur Ehrung der besten Schülerinnen und Schüler in
Nordrhein-Westfalen erhalten Sie
hier.
Zur Homepage der Friedrich-Ebert-Realschule Hürth kommen Sie
hier.
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