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Einsatz für die SoKo Ehrenamt

Von Christina Lüdeke

Eine alte Dame im Altersheim besuchen, in der Schulbücherei Bücher sortieren, Babysitten - all das sind Aufgaben für die "SoKo Ehrenamt" der Unesco-Schule Kamp-Lintfort. Die Idee: Einmal pro Woche sollen die Schüler eine Stunde lang etwas Gutes tun. Und dadurch ihre soziale Kompetenz stärken.

Foto: Laura (rechts hinten) muss sich gleich mit den Kita-Kindern auf den Teppich setzen und mitspielen. Laura (rechts hinten) muss sich gleich mit den Kita-Kindern auf den Teppich setzen und mitspielen.

"Spielst Du mit?", fragt die fünfjährige Lotta. Zusammen mit ihren Freundinnen aus der Kita Löwenzahn hat sie Kärtchen und Spielfiguren ausgebreitet. Laura, 15, setzt sich zu den kleinen Mädchen auf den bunten Teppich. "Klar mache ich mit", sagt sie. "Aber ihr müsst mir erklären, wie das Spiel geht." Einmal pro Woche bekommt die städtische Kindertagesstätte Besuch von Schülerinnen aus der Unesco-Gesamtschule. Sie spielen mit den Kindern, basteln oder lesen vor. "Die Kinder genießen es, dass da jemand ist, der ganz viel Zeit für sie hat", sagt Kita-Leiterin Inge Glaw. "Auch für uns Erzieherinnen ist es natürlich eine Entlastung."

Die Schülerinnen machen mit bei der "SoKo Ehrenamt", einer Arbeitsgemeinschaft der Unesco-Schule Kamp-Lintfort. Insgesamt 70 Mitglieder hat die AG. Deren Einsatzgebiete sind viefältig; Hauptsache, es geht um "SoKo" - soziale Kompetenz. Die 17-jährige Saskia zum Beispiel unterstützt eine Gruppe jüngerer Kinder bei den Hausaufgaben. Kai (13) hilft in der Schulbücherei und bei der Nachmittagsbetreuung der Fünftklässler. "Meistens spiele ich mit denen Fußball", erzählt er. Koordiniert werden die Einsätze der Ehrenamtler von Lehrerin Ute Friesen. Vor drei Jahren hatte sie die Idee zu der Arbeitsgemeinschaft. "Angefangen haben wir mit Besuchen im Altenheim", erzählt sie. "Aber es kam schnell immer mehr dazu." Aufgaben innerhalb der Schule genauso wie außerhalb. Zum Beispiel bei der Stadtverwaltung. Ab und an können die Schüler hier kleinere Bürotätigkeiten erledigen. Briefe in Umschläge stecken für Massensendungen unter anderem. Oder die Sache mit den Job-Pässen: "Jeder Schüler in Kamp-Lintfort bekommt von der Stadt eine Mappe mit Infos zur Berufsorientierung zur Verfügung gestellt", erzählt Ute Friesen. Immer zum Jahresende muss irgend jemand dafür stapelweise Papiere sortieren und zusammenhefen. "Und das machen unsere Ehrenamtler."

Foto: Gebannt hören die Kinder der Kita Löwenzahn zu, wenn Christine (links) ihnen vorliest. Gebannt hören die Kinder der Kita Löwenzahn zu, wenn Christine (links) ihnen vorliest.

Von der Stadt gibt es für diese Jobs eine kleine finanzielle Aufwandsentschädigung. Aber die behalten die Schüler nicht etwa selbst - das Geld wird gespendet und geht an Not leidende Kinder aus Kamp-Lintfort. "Letztes Jahr haben wir davon einem kleinen Mädchen ein Fahrrad gekauft", erzählt Saskia. Das Kind sollte mit ihrer Klasse in der Grundschule den Fahrradführerschein machen, hatte aber kein Rad. "Deshalb haben wir ihr zu Weihnachten eines geschenkt. Die hat sich so gefreut, sie konnte erst mal gar nichts sagen." Über das Jugendamt der Stadt erfährt Lehrerin Ute Friesen, welche Familie besonders dringend ein solches Weihnachtsgeschenk der SoKo Ehrenamt gebrauchen kann. Wenn möglich, geht sie dann gemeinsam mit einigen Schülern dorthin, um das Geschenk zu übergeben. "Das ist für die Jugendlichen ein ganz besonderes Erlebnis." So verzichten die Schüler gern auf einen Verdienst - auch zum Beispiel die Babysitter des SoKo-Teams, die für ihren Job extra einen Kurs absolviert haben.

Foto: Lehrerin Ute Friesen (l.) und Schulleiter Jürgen Rasfeld mit Kai, Saskia, Christine, Laura und Regina (v.l.) aus der SoKo Ehrenamt. Lehrerin Ute Friesen (l.) und Schulleiter Jürgen Rasfeld mit Kai, Saskia, Christine, Laura und Regina (v.l.) aus der SoKo Ehrenamt.

Bei der SoKo Ehrenamt mitmachen können Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8. Einige spricht Ute Friesen direkt an und fragt, ob sie sich nicht beteiligen wollen - besonders diejenigen, die sie selbst unterrichtet. Die meisten sagen gleich zu. Wie Regina (14), die demnächst auch in einem Kindergarten mithelfen wird. Sie freut sich schon sehr auf ihren ersten Einsatz: "Ich bin einfach gern mit Kindern zusammen", sagt sie. Auch Saskia hat nicht lang überlegt, ob sie für die SoKo einen Teil ihrer Freizeit abgibt: "Es ist ja nur eine Stunde in der Woche", sagt sie. "Das ist es mir auf jeden Fall wert." Generell kann sich AG-Leiterin Ute Friesen über mangelnden Zulauf nicht beklagen. "Inzwischen hat sich das so herumgesprochen, dass jetzt auch viele Schüler kommen, die ich vorher gar nicht kannte", erzählt die Lehrerin. Mit den Jugendlichen überlegt sie gemeinsam, welche Aufgabe infrage kommen könnte. "Ins Altersheim gehen kann zum Beispiel nicht jeder", sagt sie. "Manche machen auch lieber etwas, bei dem sie in der Schule bleiben können." Ganz gleich welcher Job - wer ein Jahr lang bei der SoKo Ehrenamt dabei bleibt, bekommt am Schluss ein Zertifikat. Ein möglicher Pluspunkt für die spätere Bewerbungsmappe. "So etwas kommt bei Arbeitgebern gut an", meint Schulleiter Jürgen Rasfeld. "Ein Ehrenamt ist auf jeden Fall positiv für die Persönlichkeitsentwicklung." Und: Hier können auch Schüler Anerkennung bekommen, denen der Schulstoff schwerer fällt. "Aber bei der SoKo Ehrenamt sind ihre Fähigkeiten gefragt. Das gibt ein ganz anderes Selbstwertgefühl."

Als direkten Türöffner zum späteren Job betrachten die meisten der Jugendlichen den Ehrenamts-Einsatz aber nicht - eher als sinnvolles Hobby. Zum Beispiel Laura: "Die Arbeit mit den Kindergartenkindern macht mir zwar total viel Spaß", sagt sie. "Aber nach der Schule will ich mal irgendwas mit Chemie machen."

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