Wer bei Google das Wort „lernen“ eingibt, findet 139.000.000 Einträge: Millionenfache Ratschläge zum Lernen mit Erfolgsgarantie, mit Spaß oder frustfrei. Dubiose Institute bieten Lernmethoden an, Wissenschaftler erforschen das Lernverhalten der Schüler. Ein umfangreiches Thema, bei dem man schnell den Überblick verliert. Dabei können einige einfache Regeln schon beim Lernen helfen.
Von Susi Schnabel
Jedes Kind lernt individuell (Foto:contrastwerkstatt/fotolia)
"Lernen ist oftmals einfach, weil der menschliche Geist wie ein Schwamm von erstaunlichem Aufnahmevermögen und großer Saugkraft funktioniert – jedenfalls dann, wenn seine Poren durch richtige Ausbildung und Motivation offen gehalten wurden", sagte der US-amerikanische Paläontologe, Geologe und Evolutionsforscher Stephen Jay Gould. Klingt einfach und mag auch stimmen, aber Eltern geraten ins Zweifeln wenn das letzte Zeugnis schon wieder eine Katastrophe war, die Playstation immer spannender ist als die Schulbücher und sich das Kind einfach nicht konzentrieren kann. Richtig lernen bedeutet, effektiv zu arbeiten und sich auf Wesentliches zu konzentrieren.
Welcher Lerntyp?
Lernen hängt von vielen Faktoren ab und ist so individuell wie jedes Kind. So gibt es zum Beispiel verschiedene Lerntypen: Einige Kinder können sich Inhalte gut merken wenn sie sie lesen, andere wenn sie dem Lehrer zuhören, und wieder andere lernen am besten, wenn sie schreiben oder sich mit den Klassenkameraden über den Lernstoff austauschen. Diese Eigenschaften sollten beim Lernen berücksichtigt werden. Liegen die Lernschwächen vielleicht an Krankheiten oder in der besonderen Biografie des Schülers? Die Ursachen können vielfältig sein. „Wir haben zum Beispiel beobachtet, dass einige Kinder, die als Baby nicht gekrabbelt sind, die Welt der Zahlen schlecht erfassen können. Schüler können das Defizit durch praktische Übungen ausgleichen“, sagt Lothar Dunkel, Leiter der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Münster. Er berät und unterstützt, wie etwa 300 weitere Schulpsychologen in NRW, Schüler, Eltern und Lehrer. Probleme beim Lernen sind nur ein Schwerpunkt – Hilfe geben die Experten natürlich auch bei allen anderen Fragestellungen rund um das Thema Kind und Schule.
Mit dem Stuhl kippeln ist ganz natürlich
Der Unterricht und das Lernen erfordern vom Schüler lange Konzentrationsphasen auf eine Aufgabe. Das widerspricht dem natürlichen Bedürfnis der Kinder nach Bewegung und dem heutigen Lebensstil. Die Eltern machen es vor: Telefonierend die Spülmaschine anstellen und schnell noch eine Mail am Rechner beantworten - so sieht der Alltag aus. Still sitzen ist für viele Erwachsene eine Qual, für Kinder erst recht. „Viele Kinder kippeln mit dem Stuhl. Damit gehen sie ihrem natürlichen Bedürfnis nach Bewegung nach“, so Dunkel.
„Aha-Erlebnisse“
Der Schlüssel zum erfolgreichen Lernen ist ein „Aha-Erlebnis“, sagt Wolfgang Pohl, Lehrer am Gymnasium in niedersächsischen Wildeshausen, der sich seit vielen Jahren ausführlich mit dem Thema Lernen auseinander setzt. Die Definition für ein „Aha-Erlebnis“: Ein eigenartiges im Denkverlauf auftretendes, lustbetontes Erlebnis, das sich bei plötzlicher Einsicht in einen zuerst undurchsichtigen Zusammenhang einstellt. „Wenn es gelingt, die Rahmenbedingungen des Lernens so zu gestalten, dass möglichst oft Aha-Erlebnisse ausgelöst werden, überstrahlt das Gefühl des Erfolgs meist auch die negativen Seiten des Lerngegenstands“, sagt der Pädagoge. „Aus dem Lernen-Müssen wird dann gefühlsbedingt ein Lernen-Wollen.“ Das sei die beste Motivation und stärke das Selbstbewusstsein.
Praktische Tipps
Der Schulpsychologische Dienst in der Region Trier hat die wichtigsten Lerntips veröffentlicht, die sich gut bewährt haben. Hier eine Zusammenfassung:
Gut geplant ist halb gelernt:
Der Schüler sollte sich von seinem Fachlehrer erklären, was er lernen soll. Dabei sollte er langfristig und vorrausschauend planen, also sich auf Prüfungen nicht erst kurz vor dem Termin vorbereiten, sondern zeitig anfangen. Besser: regelmäßig zwei Stunden am Tag als einmal sechs Stunden.
Lernzeit mit Terminkalender planen:
Feste Zeiten zum Lernen reservieren und in den Terminkalender eintragen, was wann zu erledigen ist. Dabei den Lernstoff in Portionen aufteilen, zum Beispiel nach Fachgebieten. Darauf achten, dass täglich leichte, aber auch schwere Inhalte vorkommen. Abhaken, was erledigt ist. Das hilft, die nächsten Aufgaben anzugehen und vermittelt das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben.
Arbeitsplatz übersichtlich gestalten:
Weg mit allem, was nichts mit dem Lernen zu tun hat und her mit allem, was gebraucht wird: Fachbücher, Nachschlagewerke, Stifte, Schreibblock (keine fliegenden Blätter), Haushefte, Taschenrechner etc.
Fernseher und Radio bleiben beim Lernen ausgeschaltet:
Die können eine Belohnung nach dem Lernen sein!
Lernfreunde suchen:
Wer in einem Fach Probleme hat, kann sich mit Klassenkameraden zusammen tun, die in diesem Fach fit sind.
Auf mehreren Lernwegen lernen:
Lerninhalte können mit Augen, Ohren und Händen erfasst werden. Laut lesen, Dinge anfassen, Zeichnungen oder Grafiken erstellen, Eselsbrücken bauen, zum Beispiel in Form von Reimen, Versen, Bildern… Je mehr Lernkanäle der Schüler verwendet, desto besser kann er den Stoff behalten. Vokabeln laut lesen und öfter aufschreiben. Beim Lernen dreier oder fünfer Päckchen machen und in regelmäßigen Abständen wiederholen.
Notizzettel schreiben:
Selbst geschriebene Notizzettel sind eine gute Grundlage für die Prüfungsvorbereitung. Wichtig: Platz lassen für spätere Ergänzungen, Überschrift, Datum und in Stichwörtern den Lernstoff aufschreiben, nicht in ganzen Sätzen.
Pausen sind wichtig (Foto: nicolas hansen/iStockphoto)
Wiederholungen in regelmäßigen Abständen:
Mehrfaches Wiederholen in festen Abständen ist unerlässlich! Erste Wiederholung am nächsten Tag, dann nach zwei Tagen, drei Tagen. Auch später immer wieder nachprüfen.
Lernstoff mit kleinen Fragekärtchen üben:
Eine Lernkartei ist vor allem für Vokabeln und Formeln sinnvoll. Auf der Vorderseite der Kärtchen steht die Frage oder die Vokabel, auf der Rückseite die Antwort oder Übersetzung. Damit klappt auch das Wiederholen z.B. in Geschichte, Biologie oder Erdkunde spielend!
Ähnliche Fächer nicht hintereinander lernen:
Es kann sonst zu Verwechslungen kommen. Entweder Pausen einlege oder das ähnliche Thema am nächsten Tag üben.
Gelegentlich Pausen machen:
Nicht alles an einem Stück lernen, sondern zwischendurch immer wieder kleine Pausen einlegen.
Prüfen, ob das Gelernte auch tatsächlich sitzt:
Sich selber kleine Vorträge zum Lernstoff halten und selber Prüfungsfragen ausdenken und beantworten.
Sich nach getaner Arbeit mit etwas Schönem belohnen!
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