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Klappern gehört zum Handwerk

Von Andrej Priboschek

Der gute Ruf einer Schule kommt nicht von allein. Das Kollegium muss sein Engagement auch der Öffentlichkeit mitteilen.

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Mit einem Tastendruck erscheinen Fotos seiner Schule auf dem Bildschirm, darunter: Noten für sein Kollegium und ihn selbst, den Schulleiter. Mit den Bewertungen auf „Schulradar“ kann der Rektor gut leben, auch wenn er die Internet-Seite eigentlich skeptisch sieht: Die „Lehrkräfte“ der Schule wurden im Schnitt mit 1,5 beurteilt, „Individuelle Förderung“ bekam eine 1,3, „Schulklima“ eine 1,2 und „Schulleitung“ gar eine 1,1. „Alles in bester Ordnung“, schrieb ein anonymer Kommentator dazu. Kein Zweifel, das Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal, benannt nach dem Entdecker des Neandertalers, ist eine Schule mit hervorragendem Ruf.

Den verdankt sie keineswegs dem Zufall, sondern einem ausgefeilten pädagogischen Programm – und gezielter Öffentlichkeitsarbeit. „Unser Schulentwicklungsprozess ist ganz eng mit Öffentlichkeitsarbeit verbunden, das greift ineinander“, sagt Schröder. Anders ausgedrückt: Die Lehrer der Schule sind mit Engagement dabei, das Schulprogramm umzusetzen, und sie sorgen dafür, dass ihre Aktivitäten auch bekannt werden. Klappern gehört hier zum pädagogischen Handwerk.

Entsprechend lang ist die Liste mit Zeitungsartikeln über die Schule, die in den vergangenen Jahren erschienen sind: Mehr als 200 weist das Archiv auf, darunter eine große Reportage der „Zeit“. Eine Woche lang, so erinnert sich Schröder, begleiteten ein Redakteur und ein Fotograf der Wochenzeitung den Alltag der Schule, besuchten den Unterricht, saßen mit in Konferenzen, sprachen mit Lehrern, Eltern und Schülern. So viel Transparenz war für manche Pädagogen im Vorfeld dann doch gewöhnungsbedürftig. Schulleitung und Lehrerrat warben für Offenheit und überzeugten die Skeptiker schließlich. Heraus kam ein Bericht, der Probleme nicht verschwieg, aber die pädagogische Arbeit würdigte. Das Carl-Fuhlrott- Gymnasium wurde auf einen Schlag deutschlandweit bekannt und erntete Anerkennung in seiner Nachbarschaft. „Seitdem ist allen klar: Wir müssen uns öffnen“, berichtet Schröder. Warum hatte er selbst keine Berührungsängste? Der Schulleiter erzählt, dass er vor seiner Pädagogenkarriere journalistisch gearbeitet habe, erst als Mitarbeiter einer Tageszeitung, dann in einer Pressestelle. Aha, der Mann ist vom Fach.

Bei sinkenden Schülerzahlen ist ein guter Ruf viel wert

„Die Vorstellung, dass Schulen Öffentlichkeitsarbeit betreiben sollen, ist für nicht wenige Lehrer und Schulleiter noch befremdlich“, sagt Christine Bücher. Schon der Begriff scheine nicht zu Schule zu passen und sei deshalb verpönt. Bücher muss es wissen: Die promovierte Kunsthistorikerin, die früher als wissenschaftliche Mitarbeiterin Ausstellungen konzipiert und realisiert hat, betreibt in Dresden die Firma Buntquadrat, eine der bundesweit ersten Agenturen, die Bildungseinrichtungen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit beraten. Zu den Kunden zählen Museen, Hochschulen – und neuerdings auch Schulen. „Die Schülerzahlen gehen deutlich zurück, auch im Westen“, weiß die Fachfrau, die aus dem rheinischen Jülich stammt. In der Folge verschärfe sich der Wettbewerb um Anmeldungen; auch die Erwartungen von Eltern und der allgemeinen Öffentlichkeit an Schulen würden immer größer.

Mitbestimmen, wie die Schule dasteht

„Die Schulen sind zunehmend darauf angewiesen, ein klares und unverwechselbares Profil zu entwickeln. Sie müssen sich auf ihre Stärken besinnen und diese kommunizieren“, erklärt sie und meint: „Der größte Fehler wäre es, sich den Themen Öffentlichkeitsarbeit und Marketing nicht zu stellen. Dann wird das Bild einer Schule von Gerüchten und Halbwahrheiten bestimmt.“

Oder von Medien wie „Schulradar“. Der Internet-Auftritt, der von Köln aus betrieben wird, ist ein Ableger von „Spickmich“, der umstrittenen Homepage, auf der Schüler anonym einzelne Lehrer benoten. Bei „Schulradar“ bewerten namentlich nicht aufgeführte Schüler und Eltern die Leistungen von ganzen Schulen. „Wir möchten Eltern dabei unterstützen, sich auch darüber zu informieren, was abseits von den offiziellen Verlautbarungen an einer Schule geschieht“, sagt „Schulradar“-Mitarbeiterin Tabea Behrendt. Ein Service, der offenbar gut ankommt: Bundesweit verzeichnete die Homepage im ersten halben Jahr ihres Bestehens bereits rund 50.000 registrierte Nutzer, die Bewertungen abgegeben haben, und 700.000 Besucher, die sich für Ergebnisse interessiert haben. Dass die Online- Kritiker anonym bleiben, ist Behrendt zufolge kein Grund, an der Seriosität der Aussagen zu zweifeln. Im Gegenteil. „Die Kommentare der Eltern sind ehrlicher, weil sie keine negativen Konsequenzen für ihr Kind fürchten müssen“, sagt sie. Darüber hinaus seien es keinesfalls nur Nörgler, die das Forum nutzen. So gebe es nur wenige Schulen, die durchweg negativ beurteilt worden seien.

Schule interessiert fast alle

„Schule ist ein Thema, das fast alle Menschen betrifft – Kinder, Eltern, Großeltern, Firmenchefs. Es ist außerdem ein emotionales Thema, ein Thema also, mit dem sich viele Gefühle verbinden lassen.“ So erklärt Sven Gösmann, Chefredakteur der Rheinischen Post, das wachsende Interesse der Öffentlichkeit an Berichten über Schule. Warum ist die Neugier heute erkennbar größer als früher? Sicher habe der PISA-Schock und die damit verbundene Sorge von Eltern um die Zukunft ihrer Kinder dazu beigetragen, das Thema Bildung nach vorne zu rücken, meint Gösmann. Darüber hinaus hat sich ihm zufolge aber auch die journalistische Sicht auf Schule verändert: Sei in Zeitungen früher fast nur über Institutionen wie Ministerien und Bezirksregierungen berichtet worden, stehe heute zunehmend die Schule aus der Nachbarschaft im Blickpunkt, samt den Menschen, die darin lehren und lernen. Tatsächlich finden zunehmend umfang- und detailreiche Schulporträts in den Lokalteilen der Tageszeitungen Platz, auch in denen der Rheinischen Post.

 

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Schnell und offen sein ist Trumpf

Wie steht es mit der Offenheit von Schulen der Presse gegenüber? „Früher war es ganz schwierig, in den Unterricht zu kommen. Mittlerweile haben sich viele Schulen bewegt. Allerdings fehlt häufig das Know-how, wie man Dinge richtig vermittelt“, antwortet der Medien-Profi. Bei unliebsamen Themen etwa gebe es häufig immer noch den Reflex, Informationen zurückzuhalten. „Dabei berichten Journalisten umso korrekter, je mehr sie wissen.“ Auch mangele es mitunter an Verständnis für die Bedürfnisse des Gegenübers. So seien die Reporter darauf angewiesen, schnell Gesprächspartner zu finden. „Wer Tage braucht, um eine Anfrage zu beantworten, darf sich nicht wundern, wenn die Redaktion auf Schulen zugeht, die schneller und pfiffiger reagieren“, sagt Gösmann.

Rektor Schröder kennt solche Bedürfnisse; sein Sekretariat weiß: Presse-Anfragen werden mit Priorität bearbeitet. Der Schulleitung geht es um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den örtlichen Redaktionen, was der Schule spätestens dann nützt, wenn strittige Sachfragen zu klären sind. „Die Redaktionen müssen sich darauf verlassen können, vor Ort auf drängende Fragen zur geplanten Übermittagsbetreuung, Schulzeitverkürzung, Zentralprüfung oder zu Kopfnoten kompetente Antworten zu erhalten“, sagt Schröder. Eine so verstandene Partnerschaft nütze beiden Seiten, Lehrern wie Journalisten – und sie komme allen Schulen zugute. Schröder: „Die enge Zusammenarbeit hilft ganz entscheidend dabei, die besondere Rolle der schulischen Bildung ins öffentliche Bewusstsein zu tragen. Öffentlichkeitsarbeit zielt dabei nie allein auf die einzelne Schule, sondern stärkt die regionale Bildungslandschaft insgesamt.“

Die ganze Klaviatur der Kommunikation

Eine gepflegte Homepage, ansehnliche Informationsbroschüren für Eltern von Viertklässlern, regelmäßig erscheinende Nachrichtenblätter für die Schulöffentlichkeit, Lehrerbriefe mit Interna – Schröder und sein Team nutzen die ganze Klaviatur der Kommunikation nach innen und nach außen. Der Rektor betont allerdings: „Das würde alles nichts bringen, wenn nichts dahinter wäre, wenn wir keine Inhalte zu bieten hätten.“ Hat das Kollegium aber: eine pädagogische Schwerpunktsetzung bei der individuellen Förderung etwa. Die Schule trägt das Gütesiegel Individuelle Förderung des Landes Nordrhein- Westfalen, ein öffentlichkeitswirksames Kennzeichen für innovativen Unterricht. Die Schule kann mit guten Ergebnissen bei Zentralprüfungen aufwarten, mit einer niedrigen Sitzenbleiberquote, mit engen Kontakten zur Wirtschaft, damit auch zu Sponsoren, und mit wenig Problemen, frei werdende Lehrerstellen mit engagierten Kollegen zu besetzen.

Das alles zeigt Wirkung: Das Carl-Fuhlrott-Gymnasium war noch vor zehn Jahren lediglich dreizügig und musste ums Überleben kämpfen. Mittlerweile läuft das „CFG“ sechszügig, es hat mit 1600 Schülern längst seine Kapazitätsgrenze erreicht.

Aus Forum Schule 3/2008

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