Foto: Die starke Lilly und ihr "Buddy" - alles nur Spaß! (Foto: Susanne Schnabel)
Lehrer geben Verantwortung ab, Schüler lernen soziale Kompetenz
Von Susanne Schnabel
"Schreiben Sie: buddYs sind super!", sagt Viertklässler Ismail mit großen, erwartungsvollen Augen. Gerne, aber dazu müssen die Schüler der Düsseldorfer Grundschule Schloss Benrath erst einmal erklären und demonstrieren, was ein buddY ist. Ismail hat gerade keine Zeit, denn Lilly schnappt sich den viel größeren Jungen auf dem Schulhof und dreht ihm den Arm um. Beide lachen. Scheint harmlos zu sein.
Die Buddys kommen mit immer neuen Ideen (Foto: Susanne Schnabel)
Einige andere buddYs haben gerade weniger zu tun und klären auf: An der Grundschule läuft das Projekt bereits seit mehr als zwei Jahren, mittlerweile sind 38 der 160 Schüler in verschiedenen buddY-Arbeitsgemeinschaften aktiv. Sie sind mit besonderen Aufgaben betraut und speziell dafür ausgebildet. Das Wort buddY leitet sich aus dem Englischen her und bedeutet Kumpel oder enger Freund. Dies beschreibt die Aufgabe der buddYs recht gut. Sie helfen Mitschülern und unterstützen sie bei der Lösung ihrer Probleme. Das buddY-Projekt wurde 1999 von der Vodafone-Stiftung ins Leben gerufen und wird an zehn von 88 Grundschulen in Düsseldorf umgesetzt. Deutschlandweit gibt es mehr als 800 buddY-Schulen.
Eine fleißige Mutter hat die Buddy-T-Shirts bemalt (Foto: Susanne Schnabel)
Fair bleiben
"Ich bin ein Trostbuddy, oder auch Streitschlichter genannt", sagt die neunjährige Mara. Ein zierliches, kleines Mädchen soll prügelnde Jungen auseinander bringen" Es funktioniert und zur Not gibt es Unterstützung von Lehrern. Die mit roten buddY-T-Shirts gut erkennbaren Kinder kümmern sich in der großen Pause um kleinere Blessuren und Streitigkeiten. Einige von ihnen haben am benachbarten Gymnasium bei den Streitschlichtern schon einmal geschnuppert und werden bald an einer speziellen Streitschlichter-Ausbildung teilnehmen. Mara war von Anfang an dabei und kennt die Schwierigkeiten, die auftreten können. "Wenn sich ein Kumpel von mir oder eine Freundin mit einem anderen Kind streitet oder rauft, dann muss ich beide anhören. Das ist eine schwierige Situation, dann muss ich neutral bleiben", erklärt sie und ihre buddY-Kollegin Emma (9) ergänzt: "Es ist auch gut, wenn man Zeugen befragt, die das Ganze gesehen haben."
Frostschutz! Garten-Buddys mit Herz für Pflanzen (Foto: Susanne Schnabel)
Als die ersten buddYs vor zwei Jahren ihren Dienst aufgenommen haben, fanden das anfangs nicht alle Schüler gut. "Sie sind oft geneckt worden von Kindern die nicht dabei waren. "Du fühlst dich wohl als was Besseres"", mussten sie sich anhören", erinnert sich Sabine Borski, Sozialarbeiterin und Mutter. Die Situation hat sich deutlich verändert und spätestens nach dem buddY-Tag im vergangenen September ist die Warteliste für buddYs lang geworden. Alle Kinder der Schule sammelten und präsentierten an einem Tag ihre Hoffnungen und Ziele unter dem Motto: So wünsche ich mir meine Schule. Zudem haben die buddYs ihre Gruppen vorgestellt, das Rote Kreuz gab Erste Hilfe-Kurse und ein Kinderechtsanwalt stand Rede und Antwort.
Trost, Obst und Nachhilfe
Neben den Trost-buddYs gibt es weitere Gruppen an der Grundschule Benrath: Obst-buddYs verteilen einmal pro Woche Apfelstücke an die Mitschüler, GartenbuddYs kümmern sich um die Beete und die Pflanzen im Haus, Bücherei-buddYs organisieren die Buchausleihe und einige buddYs besuchen Senioren im Altenheim. Niki ist einer der neuen Computer-buddYs. "Wir werden den anderen erklären wie man mit den wichtigsten Programmen umgeht und wie ein Computer funktioniert", so der Zehnjährige. "Besonders viel Spaß macht die Arbeit als Ausleih-buddY", erklärt Adrian (9). Er verteilt gemeinsam mit anderen buddYs in der großen Pause gegen Vorlage des Schülerausweises Spiele wie Hulahoop-Reifen, Stelzen, Tischtennisschläger. Der Andrang ist enorm, aber die buddYs behalten den Überblick. "Gerade die Tischtennisschläger sind sehr beliebt. Wir haben Regeln: jede Woche ist eine andere Klasse dran", sagt Adrian.
"Da stehen wir Erwachsenen nur daneben und staunen"
Besonders stolz ist buddY-Lehrer Michael Backhaus auf den neu gebildeten Fit-Mach-Club. Emma, Lena und Emilia geben jede Woche Nachhilfe abwechselnd in den Fächern Deutsch und Mathe. "Diese Gruppe ist in völliger Eigeninitiative entstanden und arbeitet selbstständig. Da stehen wir Erwachsenen nur daneben und staunen", sagt Backhaus. Mit einem selbst gemalten Plakat machen die Nachwuchslehrerinnen Werbung für ihre buddY-AG. Sie erstellen Arbeitsblätter und arbeiten sie mit ihren "Schülern" durch. "Kindern können Kindern die Inhalte besser erklären, wir haben auch andere Techniken", erklärt Lena.
"Mach mit im Fit-mach-Club!" (Foto: Susanne Schnabel)
Das buddY-Projekt ist ein soziales Lernprogramm, das zum Ziel hat, ein verantwortungsvolles Miteinander am Lern- und Lebensort Schule zu ermöglichen. "Wir möchten die Objektivität der Kinder schulen, die Wahrnehmung des anderen. Was fühlt er, was braucht er, was verrät mir seine Körpersprache"", sagt Sabine Borski und ist überzeugt von der buddY-Idee, dass Schüler Verantwortung nicht nur für sich selbst übernehmen, sondern auch für andere. Ismail bringt es auf den Punkt: "buddYs sind super!"
Weitere Informationen zum buddY-Projekt finden Sie hier.
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