Selbst im Ruhestand arbeitet er an neuen Lehrplänen – „Die Kinder und die Schule fehlen mir...“
Von Martina Peters
1985 führt Nordrhein-Westfalen den griechisch-orthodoxen Religionsunterricht ein – Lehrpläne gibt es jedoch nicht. Der Theologe Christof Papakonstantinou leistet ab 1987 Pionierarbeit auf diesem Feld. „Das war damals eine riesengroße Umstellung für mich, von der Forschung in die Schule zu wechseln“, beschreibt der heute 63-Jährige, der zuvor an der Universität Münster über die Orthodoxe Kirche geforscht hatte. Im Auftrag des damaligen Landesinstituts für Schule und Weiterbildung in Soest beteiligte er sich maßgeblich an der Entwicklung des Lehrplans dafür, wie das neue Fach in der Grundschule vermittelt werden soll. Bald darauf steht der Doktor der Ökumenischen Theologie selbst als Lehrer vor einer Klasse: Er unterrichtet mit einer halben Stelle in Lippstadt griechische Kinder in griechisch-orthodoxer Religionslehre. „Es bereitete mir viel Freude, Inhalte der Religion in die Schule zu transportieren und mit Kindern religiöse und lebensrelevante Fragen zu diskutieren“, sagt Papakonstantinou, der entspannt, ruhig, geduldig und freundlich wirkt. Wenig später steigt er auch in das Fortbildungsprogramm für die Lehrerinnen und Lehrer ein, die das neue Fach unterrichten, um sie theologisch und religionspädagogisch zu unterstützen.
Theologe durch und durch: Christof Papakonstantinou (Foto: Martina Peters)
Papakonstantinou kommt aus der Türkei, ist aber griechischer Abstammung. Geboren und aufgewachsen in Istanbul, studierte er dort an der Theologischen Hochschule zu Chalki auch Orthodoxe Theologie. 1969 kommt er mit einem Stipendium des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel nach Deutschland, um in Münster Katholische Theologie zu studieren und promoviert anschließend. „Hier habe ich die katholische Spiritualität und Frömmigkeit aus unmittelbarer Nähe erleben dürfen“, erinnert er sich. „In der katholischen Kirche und Lehre ist alles sehr geordnet und straff strukturiert. Das hat zum Teil mein Leben und meine Arbeit geprägt.“ Nach der Promotion arbeitet Papakonstantinou als wissenschaftlicher Mitarbeiter und betreut Christen aus der Türkei im Auftrag des Bistums Münster. Bis 1987 vertieft er sich für die Deutsche Forschungsgesellschaft in die Entstehung und Entwicklung der Orthodoxen Kirche.
Keine Spur von Ruhestand
Seit 2009 ist der Theologe, der sagt, dass er sich in Deutschland zuhause fühle, offiziell im Ruhestand. Das ignoriert er aber. Zwar zog er von Lippstadt nach Langenfeld und wohnt seitdem bei seiner Frau, mit der er bis dahin eine Wochenendbeziehung führte. Doch damit hören die wirklichen Veränderungen in seinem Leben auch schon auf. Weiterhin beschäftigt Papakonstantinou sich täglich mit dem Thema Schule, obwohl er nicht mehr unterrichtet. Bis Ende 2009 arbeitete er ehrenamtlich in einer Lehrplangruppe für Orthodoxe Religionslehre für die Sekundarstufe I. Seit 2009 heißt der griechisch-orthodoxe Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen orthodoxe Religionslehre, da er sich an alle Schülerinnen und Schüler mit orthodoxer Religionszugehörigkeit richtet, egal ob sie griechisch-, russisch- oder serbisch-orthodoxen Diözesen angehören. Bald steht dasselbe an für die Lehrpläne der Grundschule und der Sekundarstufe II – die Arbeit wird dem Pensionär also vorläufig nicht ausgehen. Dennoch bleibt ihm nun etwas mehr Zeit. Er füllt sie mit dem Lesen griechischer und türkischer Zeitungen im Internet, mit der Lektüre von Vorträgen, Fachartikeln und philosophischen Büchern. „Nur die Kinder und der Unterricht fehlen mir sehr. Ansonsten bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden“, sagt der Theologe lächelnd und streicht sich über seinen Schnauzer.
Und noch eine Frage beschäftigt ihn, die nach qualifizierten Lehrkräften in seinem Fach: „Leider gibt es kaum Nachwuchs für Orthodoxe Religionslehre und das bedaure ich sehr. Mir liegt viel daran, dass sich das Fach in den Schulen hält – und zwar in einer guten Qualität.“ Vielleicht ist es ja ein Zeichen, dass er in der Montessoristraße in Langenfeld wohnt. „Hilf mir, es selbst zu tun“ – das Motto der berühmten Pädagogin würde er nur zu gern mit Nachwuchstheologen umsetzen.Zum Seitenanfang
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