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Unterrichtsfach Leidenschaft und Neugier

Wenn Schulen mit Kulturinstitutionen zusammenarbeiten, werden Kinder zu Forschern und Künstlern. Und die Einrichtungen bekommen mehr Zulauf.

Von Nina Braun

Das haben sie noch nie gemacht. Die vier Kinder der Wiehagengrundschule Werne haben zwar schon oft anderen Kindern oder sogar im Kulturausschuss der Stadt vorgelesen, aber auf einer so großen Bühne und vor so vielen Leuten noch nie. Aufgeregt sitzen sie auf dem Podium beim vierten Bildungspartnerkongress: "Kooperation. Kult." in den Dortmunder Westfalenhallen. Rund 400 Personen wollen jetzt ihre Geschichte hören. Als sie anfangen zu lesen, ist aber von Nervosität nichts mehr zu spüren. Wie professionelle Schauspieler tragen sie ihre Rollen vor: Wie der ordentliche Herr Hase ein Zimmer in seinem Haus an die tapsige, lebenslustige Frau Bär vermietet. Wie die beiden überhaupt nicht zusammen passen und sich aber trotzdem lieb gewinnen. Auftritt gelungen! Das Publikum klatscht und lacht.

Foto: Kinder der Wiehagengrundschule Werne lesen ihre Geschichte beim vierten Bildungspartnerkongress: „Kooperation. Kult.“ in den Dortmunder Westfalenhallen vor. Kinder der Wiehagengrundschule Werne lesen ihre Geschichte beim vierten Bildungspartnerkongress: „Kooperation. Kult.“ in den Dortmunder Westfalenhallen vor.

Die vier Kinder haben ihr Handwerk gelernt. Seitdem die Wiehagenschule Werne eng mit der Stadtbibliothek Werne zusammenarbeitet, gehört das zum Schulalltag in Werne. Schule und Bibliothek sind "Bildungspartner NRW", von denen es mittlerweile fast 1000 im ganzen Land gibt. Dabei arbeiten Schulen entweder mit einem Museum, einer Volkshochschule, einer Musikschule, einer Bibliothek, einem Medienzentrum oder einem Archiv zusammen.

Zugegeben, die Idee ist nicht neu. Das Besondere ist aber, dass das Land und die Kommunen sich gemeinsam für die Zusammenarbeit von Schulen und kommunalen Bildungs- und Kultureinrichtungen einsetzen. Die Medienberatung NRW unterstützt die Schulen und kulturellen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen dabei, verlässliche Kooperationen einzugehen, die schriftlich gesichert und möglichst im Schulprogramm verankert werden. So sollen sie langfristige und nachhaltige Wirkung entfalten. "Ich bin von der guten Wirkung der Bildungspartnerschaften überzeugt, denn Kinder und Jugendliche wollen nicht nur für die Schule lernen. Sie wollen Relevanz und echtes Leben", sagt Schulministerin Sylvia Löhrmann in ihrer Eröffnungsrede auf dem Bildungspartnerkongress in Dortmund. Durch die Partnerschaften würden Lernanreize aus der unmittelbaren Umgebung gesetzt. Frei nach dem afrikanischem Sprichwort: "Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf", sagt Löhrmann.

Lernen in Kooperationen kann viel bewirken: Gerlinde Schürkmann von der Stadtbibliothek Werne drückt es so aus: "Die Bildungspartnerschaft hat dazu beigetragen, dass das Ziel ´Kinder für das Lesen zu begeistern´ ein selbstverständlicher Bestandteil unserer gemeinsamen Arbeit geworden ist." Selbstverständlich heißt hier: Nicht personenabhängig und mit dem Wissen um Bedürfnisse der jeweils anderen Institution.

Foto: Schulministerin Silvia Löhrmann Schulministerin Silvia Löhrmann

Außerschulische Lernorte fördern forschendes Lernen und eigene praktische Erfahrungen, die sich besonders einprägen. Sie können etwa für Integration sorgen: Wenn Kinder mit Migrationshintergrund im Museum die Entstehungsgeschichte ihres Viertels kennen lernen, fällt es ihnen leichter, dort auch Wurzeln zu schlagen. Partner können außerdem Leidenschaft für Kunst vermitteln, wenn Schüler beispielsweise mit Musikern oder Tänzern zusammenarbeiten, so wie in den Berliner Kulturprojekten, von denen die Filmemacherin Andrea Thilo auf dem Kongress spricht. "Bildungspartnerschaften mit Kulturinstitutionen sind kein Allheilmittel, aber sie können helfen, Leistungsdruck und Angst abzubauen", sagt sie.

Weitere Informationen unter http://www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de/ 

Dieser Artikel ist der Auftaktartikel zu einer Reihe von Artikeln, in denen die verschiedenen Bildungspartnerschaften vorgestellt werden. An dieser Stelle werden sie in den folgenden Wochen in loser Folge erscheinen.

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