SCHULMINISTERIUM.NRW.DE
Das Bildungsportal
Anmeldung  |  Kontakt  |  Impressum        
IM KONTEXT

Interview mit Roswitha Fischer, Vorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen (VkdL)

Portr__t-Fischer-neu
Foto: Roswitha Fischer, Vorsitzende des VkdL

Ein Beruf ohne Langeweile!

Frage: Als Vorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen (VkdL) kennen Sie den Beruf aus eigener Erfahrung. Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit so, dass Sie jungen Menschen den Lehrerberuf empfehlen würden?

Antwort:Es gibt kaum einen Beruf, der so intensiv auf Menschenbegegnung angelegt ist, wie der Lehrerberuf. Da sind zunächst die Kinder, die der Lehrer von der Grundschule bis hin zur Sekundarstufe I unterrichtet und später in der Sekundarstufe II auf Studium und Beruf vorbereitet. Aufgrund der verschiedenen Schulformen können die Interessen und Fähigkeiten der Schüler optimal gefördert werden. Die Vielfalt der Entfaltungsmöglichkeiten, die sich bei jungen Menschen auftun, ist faszinierend. Der Lehrer hat in der Schule aber nicht nur mit Schülern zu tun; er arbeitet auch im Team von Kolleginnen und Kollegen. Der Austausch untereinander ist für die Unterrichtsarbeit und für den Lernerfolg an einer Schule unverzichtbar. Ganz wichtig ist auch die Begegnung mit den Eltern. Das Gespräch mit ihnen ist oft ein Schlüssel für das Verhalten der Kinder. Deshalb ist eine Zusammenarbeit aller an der schulischen Erziehung und Bildung Beteiligten unverzichtbar.

Frage: Wenn Sie die Tätigkeit des Lehrers so positiv sehen, warum entschließen sich so wenig junge Menschen zu einem Lehramtsstudium?

Antwort: Dafür gibt es viele Gründe: In den letzten Jahren ist das Image der Lehrerschaft insgesamt durch Medien und Politik schlecht geredet worden. Das muss sich ändern durch eine sachgerechte Darstellung des Lehrerberufs in den Medien und in der Öffentlichkeit. Dazu können die Lehrer selbst und das Schulministerium eine Menge beitragen. Dies ist aber auch ein wichtiger Punkt für zukünftige Lehrerinnen und Lehrer: Sie sollten ihr Studium und ihre Ausbildung nicht allein "nach Prestige" wählen - z.B. das Gymnasium oder die Realschule ansteuern - sondern auch die Bedeutung der Hauptschule und der Berufskollegs sehen. Gerade hier werden zukünftig gute Lehrkräfte gebraucht, die ihre Aufgabe verantwortungsvoll wahrnehmen.

Frage: Aber hat denn speziell die Hauptschule überhaupt noch eine Existenzberechtigung?

Antwort: Wir haben in unserem Verband zahlreiche Kolleginnen, die täglich erfahren, wie unverzichtbar die Hauptschule für die Schülerinnen und Schüler ist. Diese Kinder und Jugendlichen brauchen eigene Lehr- und Lernmethoden, andere Lerninhalte und eine Schule, die ihnen die nötige Zeit, vor allem aber die menschliche Zuwendung im Unterricht gibt. Deshalb unterstützt der VkdL den Weg des Schulministeriums, vermehrt Ganztagshauptschulen anzubieten. Dieser richtige Weg müsste jedoch noch weiter ausgebaut werden durch eigenständige Methoden der Hauptschule und durch ein klares Profil, das der Lernstruktur dieser Schüler entspricht. Die Hauptschüler anderen Schulformen zuzuordnen, sind Scheinlösungen, die nicht erfolgreich sein können.

Frage: Was muss im Bereich der Lehrerausbildung getan werden?

Antwort: Für sämtliche Schulformen zeigt sich, wie wichtig gut ausgebildete Lehrer sind. Zurzeit wird zwar eine Verbesserung der Ausbildung geplant, aber das Profil ist noch nicht deutlich genug. Lehrerausbildung muss sich auf Schule und Schulpraxis ausrichten und den angehenden Pädagogen das Rüstzeug an die Hand geben, einen Unterricht zu gestalten, der Wissen und Können ihrer Schüler fördert und sichert. Eine fundierte wissenschaftliche Fachausbildung ist dabei selbstverständlich. Von entscheidender Bedeutung ist aber auch die Persönlichkeitsstruktur des Lehrers. Unterricht und Erziehung erfordern nicht nur physische, sondern auch psychische Kraft und Stabilität. Disziplin, die der Lehrer verlangt, muss er zuerst selbst einbringen, sonst kann Unterricht nicht gelingen. Der Wille zur Vorbildfunktion muss beim Lehrer vorhanden sein; das setzt eine persönliche Wertorientierung und -haltung voraus, damit Schüler/innen daran Maß nehmen können - ohne indoktriniert zu werden. 

Frage: Sie sind Vorsitzende des VkdL. Wofür steht der Verband?

Antwort: Der VkdL ist ein Berufsverband, in dem sich katholische Pädagoginnen aus allen Bildungsbereichen zusammengeschlossen haben. Die pädagogische und schulpolitische Diskussion innerhalb des Verbandes ist schulformübergreifend und orientiert sich primär am Wohl des Kindes. Die Förderung einer wertorientierten berufsethischen Grundhaltung ist ein wichtiges Anliegen in der Fortbildungsarbeit des VkdL.

Frage:  Würden Sie jungen Menschen empfehlen, den Lehrerberuf zu ergreifen?

Antwort: Auf jeden Fall, denn es gibt kaum einen Beruf, der so viel Freude und Abwechslung vermitteln kann wie der Lehrerberuf - auch wenn er oft schwer ist. Voraussetzung ist aber die eigene Prüfung, ob man bereit ist, das Beste in Unterricht und Erziehung zu geben, sich den Kindern und jungen Menschen voll zur Verfügung zu stellen, um sie auf dem Weg in den Beruf und ins Leben zu begleiten.

Weitere Infos unter www.vkdl.de.

© 2006 - 2011 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen