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Interview mit dem Vorsitzenden des Philologenverbandes in Nordrhein-Westfalen, Peter Silbernagel, zum Thema "Werbung für den Lehrerberuf"

Silbernagel
Foto: Peter Silbernagel

Frage: Werbung für den Lehrerberuf-- ist das nicht eher ein Thema der Schulpolitik als Aufgabenfeld eines Lehrerverbandes?

Silbernagel: Keineswegs! Die Frage des Lehrernachwuchses muss Anliegen aller schulpolitisch Engagierten sein. Für Eltern, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler ist extrem wichtig, dass genügend Kolleginnen und Kollegen die junge Generation auf die Welt von morgen vorbereiten. Die Frage der Schulqualität ist eng damit verknüpft.

Frage: Kann man heute ohne Weiteres raten, den Lehrerberuf anzustreben?

Silbernagel: Ein klares JA! Wir brauchen in allen Schulformen gut ausgebildete, begeisterungsfähige Lehrerinnen und Lehrer, Menschen, die diesen Beruf weder aus Verlegenheit noch aus arbeitsmarktpolitischen Gründen, sondern aus Überzeugung wählen. Dabei darf man zweifellos die Augen nicht davor verschließen, dass die Berufschancen für die verschiedenen Schulformen unterschiedlich sind und nicht zuletzt die gewählte Fächerwahl die Einstellungsperspektiven mitentscheidet.

Frage: Welche Voraussetzungen sollte Ihrer Meinung nach einer mitbringen, der "auf Lehramt" studiert?

Silbernagel: An erster Stelle steht die Liebe zu Kindern und Jugendlichen. Man sollte ein "weites Herz" für junge Menschen haben, die nicht nur neugierig und ungeduldig sind, sondern auch nervig, unruhig, oft unausgeglichen, einfordernd auftreten. Die Arbeit mit Jugendlichen, die ihre eigenen Grenzen, aber auch die Grenzen anderer austesten wollen, die Ansprüche in Frage stellen und auf dem Weg zur Persönlichkeitsreife sind, ist nicht immer leicht.

Frage: Das schreckt doch ab!

Silbernagel: Warum? Erziehung ist stets eine Herausforderung! Sie erfordert Toleranz, Zuneigung und Glaubwürdigkeit, vor allem aber Vorbild zu sein. Alle Erziehung kommt auf zwei Beinen entgegen. Humor hilft - nicht zuletzt, vieles gelassener zu nehmen und im Leben Wesentliches von weniger Wichtigem unterscheiden zu können.

Fachwissenschaftliche Kompetenz kann man im Studium erlernen. Entscheidend ist, dass man Menschen mag, junge und ältere, mit ihren Schwächen und Stärken. Übrigens ist das auch Voraussetzung, sich in ein Lehrerteam integrieren zu können. Selbstbewusstsein, eine “Portion” Menschenkenntnis, Entscheidungsfreudigkeit sind gut, ein hohes Maß an Lernbereitschaft und Kritikfähigkeit sollten hinzukommen. Nur, wer den Lehrerberuf auch mit Leidenschaft lebt, vermag andere anzustecken, andere zu verlocken, sich auf Neues einzulassen und an sich selbst zu arbeiten. Allerdings darf man bei all dem nicht außer Acht lassen, dass man dies alles noch nicht vor der Lehrerausbildung beherrschen kann. Man macht sich ja erst noch auf den Weg. Der Lehrerberuf ist ein sehr beanspruchender, weil er täglich nicht nur Kenntnisse und Fähigkeiten abverlangt, sondern weil er immer wieder das Einbringen der eigenen Person fordert. Möglichst jedem Schüler gerecht zu werden, setzt großen Einsatz voraus, lässt sich nicht in ein Schema pressen, nicht im voraus planen und bringt Lehrkräfte auch an ihre Grenzen.

Frage: Kann man sich darauf vorbereiten?

Silbernagel: In einem gewissen Rahmen geht dies. Fachliche Fitness ist Voraussetzung. Entscheidend aber ist, dass man mehr als in manch anderem Beruf mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun hat. Deren Erwartungen und Möglichkeiten muss man in Einklang mit eigenen, selbstgesteckten und erreichbaren Zielen bringen Und man sollte wissen, dass junge Menschen erst nach Jahren einzuschätzen wissen, was ihnen Unterricht und Begegnung mit Lehrkräften "gebracht" hat. So fehlt in der Regel die unmittelbare Rückmeldung. Auch ist die Schulpolitik mit vielzähligen reglementierenden Vorschriften nicht immer leicht zu ertragen. Das ist dann die Stunde eines Lehrerverbandes, für erträgliche Rahmenbedingungen zu streiten Wissenschaftliche Studien belegen, dass jede zweite Lehrkraft gesundheitlich gefährdet ist. Daher sollte man bereits im Studium lernen, mit dem hohen Stressfaktor im Lehrerberuf zu leben.

Frage: Was bedeutet das konkret?

Silbernagel: Die Bewältigung des Lehrerberufs ist nicht zuletzt deshalb so schwierig, weil viele das Berufliche nicht vom Privaten trennen können, dem hohen Reformtempo im Schulbereich und nicht zuletzt den Disziplinproblemen in übergroßen Klassen nicht immer gewachsen sind. Fort- und Weiterbildungsangebote können hier gegensteuern.

Frage: Ein ehrliches Wort! Würden Sie heute noch einmal Lehrer werden?

Silbernagel: JA, denn es gibt kaum einen schöneren Beruf als den, täglich jungen Menschen Dinge zu vermitteln, die ihnen helfen, das eigene Leben zu meistern. Es lohnt, den Lehrerberuf zu ergreifen. Nicht weil er einfach ist, wohl aber weil die Herausforderungen zu meistern sind. Wenn man sich an die eigene Schulzeit erinnert, weiß man um den großen Einfluss der Lehrkräfte. Die Schulzeit prägt jeden Menschen nachhaltig. Was für eine Chance, die wir positiv nutzen können!

Weitere Informationen zum Thema "Lehrer werden" erhalten Sie hier. Details über den Philologenverband in Nordrhein-Westfalen erfahren Sie hier. Die anderen nordrhein-westfälischen Lehrerverbände kommen auch an dieser Stelle zu Wort.

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