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Reinhard Heider, Vorsitzender der „Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen“, zu den Bestrebungen der Landesregierung, die Lehrerarbeitszeit zu reformieren

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Reinhard Heider, der Vorsitzende der „Vereinigung der Korrekturfach- lehrerInnen“, zu den Bestrebungen der Landesregierung, die Lehrerarbeitszeit zu reformieren

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am 16. Oktober 2003 gelang dem Direktor des Forschungsbereichs Erziehungswissenschaft und Bildungssysteme am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und deutschen Koordinator der PISA-Studie, Prof. J. Baumert, in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT die bisher knappste und zutreffendste Problembeschreibung: „Schließlich ist eine Reform der Lehrerarbeitszeitregelung überfällig, in der sich die tatsächliche Belastungsstruktur abbildet.“ In einem Schreiben an Mitglieder unserer Vereinigung ergänzte er seine Aussage: „Sie wissen selbstverständlich, dass die derzeitige Deputatregelung gemessen an der tatsächlichen Arbeitsbelastung alles andere als gerecht, geschweige denn professionell ist.“

Warum ist eine Reform der seit fast 200 Jahren geltenden Lehrerarbeitszeitregelung längst überfällig?

Die Antwort ist einfach: weil sich die tatsächliche Belastungsstruktur in ihr nicht abbildet. Das Wochendeputat berücksichtigt zwar unterschiedliche Schulformen, aber es lässt die unterschiedlichen fächerspezifischen Tätigkeiten genauso unbeachtet wie die vielfältigen außerunterrichtlichen Belastungen, denen Lehrer immer stärker ausgesetzt sind. Einfaches Beispiel: Ein Politik- und Erdkundelehrer wird im Allgemeinen selbst in zehn Jahren nicht auf die Korrekturbelastung kommen, die einem Deutsch- und Englischlehrer in einem einzigen Schuljahr abverlangt wird. Beide werden jedoch bei gleichem Dienstalter identisch besoldet. Wenn eine Gymnasialkollegin mit der Fächerkombination Deutsch / Englisch sage und schreibe 641 Zeitstunden oder 15,7 Wochen reiner Korrekturzeit für ein Jahr auflistet, so bewegen sich diese Angaben exakt im Rahmen der Ergebnisse, die die im Jahre 1999 im Auftrag der damaligen Schulministerin Behler erstellte Lehrerarbeitszeiterhebung von Mummert + Partner dokumentierte.

Die Ignoranz hinsichtlich der fundamentalen Belastungsunterschiede zwischen den in verschiedenen Fächern unterrichtenden Lehrern ist der Hauptgrund für die Beibehaltung des obsoleten Wochendeputats und den sich daraus ergebenden Ansehensverlust der Lehrerinnen und Lehrer in der Öffentlichkeit. Leider hat der Dienstherr dieser Entwicklung nicht nur nicht entgegengewirkt, er verstärkt sie sogar noch, indem er die Belastung der wenig oder nicht korrigierenden Lehrer unverändert im Bereich einer Unterschreitung der vorgeschriebenen Arbeitszeit belässt, während er die Belastung der in den korrekturintensiven Kernfächern unterrichtenden Lehrer – und zwar nur deren Belastung – unentwegt weiter steigert.

Wir treten für ein gerechtes, flächendeckendes Jahresarbeitszeitmodell ein, das die für alle Beamten in NRW gültige Jahresarbeitszeit von 1804 Jahresarbeitsstunden auch für Lehrer verbindlich macht und dadurch eine Begrenzung der Lehrerarbeitszeit gewährleistet.

Fünf Schulleiter – drei davon PhV-Mitglieder – haben im Auftrag der Bezirksregierung Detmold ein Gutachten zur Übertragbarkeit des „Mindener Jahresarbeitszeitmodells“ auf die Schulform Gymnasium erstellt.

Deren und unser Fazit lautet:

Eine neue, gerechtere Arbeitszeitregelung muss dringend landesweit umgesetzt werden. Das „Mindener Modell“ mit seiner individuellen, transparenten Abrechnung von Arbeitszeit bietet bei einigen Modifikationen die Gewähr für eine gerechtere Arbeitsverteilung innerhalb der Kollegien.

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