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IM KONTEXT

Interview mit dem VBE-Landesvorsitzenden Udo Beckmann zum Thema "Zukunftsberuf Lehrer"

Foto: Udo Beckmann Udo Beckmann

Was macht den Lehrerberuf so attraktiv?

Der Lehrerberuf war und ist für mich besonders attraktiv, weil er einen Umgang mit sehr unterschiedlichen Menschen und Aufgabenbereichen beinhaltet. Dazu gehört das Unterrichten, Erziehen und Beraten genauso wie die Arbeit im Team mit anderen Kolleginnen und Kollegen, die Beratung von Eltern und die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Professionen.

Diese verschiedenen Arbeitsfelder, die aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen einem stetigen Wandel unterliegen, müssen als Teil der Lehrerarbeit berücksichtigt werden. Da dies das heutige Pflichtstundenmodell der Lehrerarbeit nicht berücksichtigt, hat der VBE bei namhaften Wissenschaftlern die Entwicklung eines neuen Arbeitszeitmodells in Auftrag gegeben.

Attraktiv macht den Lehrerberuf auch, dass man hautnah mitbekommt, wie die heranwachsende Generation denkt, welche Wünsche und Visionen, aber auch welche Probleme sie hat. Kinder und Jugendliche besitzen sehr viel Phantasie und Kreativität, wovon auch Erwachsene profitieren können, wenn sie sich darauf einlassen. Man lehrt in diesem Beruf nicht nur, man lernt auch sehr viel.

Welche Voraussetzungen braucht man, um ein guter Lehrer zu werden?

Im Mittelpunkt muss die Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stehen. Bevor man sich für den Lehrerberuf entscheidet, muss man sich eines klarmachen: man wird eben nicht Historiker, Anglist oder Chemiker, obwohl man diese Fächer studiert, man wird Lehrer. Die Liebe zum Fach und gute fachliche Kenntnisse sind selbstverständlich wichtig, aber man darf nicht den Fehler machen zu glauben, Unterricht sei nicht mehr als ein bisschen reduziert aufbereitete Fachwissenschaft. Man muss darauf eingestellt sein, dass Schülerinnen und Schüler die eigene Liebe zu einem bestimmten Fach nicht unbedingt teilen. In der persönlichen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler spielt der 1.Weltkrieg zunächst einmal genauso wenig eine Rolle wie Goethes „Faust“. Wer sich das nicht immer wieder klarmacht, wird viele Enttäuschungen erleben. Dies vermittelt die bisherige Lehrerausbildung nicht hinreichend.

Die Lehrerausbildung muss nach Ansicht des VBE unabhängig von der Schulstufe und Schulform sicherstellen, dass Lehrerinnen und Lehrer eine hohe fachliche und pädagogische Qualifikation erhalten. Nicht unterschätzt werden darf, dass die pädagogischen Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer ständig wachsen. Sie müssen verstärkt erzieherische Aufgaben übernehmen, die früher in den Familien erledigt wurden. Diesen neuen Anforderungen muss eine zukunftsfähige Lehrerausbildung Rechnung tragen.

Wie sollte die Lehrerausbildung der Zukunft aussehen?

Sie muss dem pädagogischen Teil eine ebenso hohe Bedeutung beimessen wie dem fachlichen Teil. Pädagogik darf sich dabei schon an der Universität nicht allein auf die Theorie beschränken. Ideal wäre eine gute Kombination aus theoretischen und praktischen Anteilen schon an der Uni. Erst durch die Konfrontation mit der Praxis können Studierende erkennen, ob Lehrer wirklich der richtige Beruf für sie ist. Man redet immer wieder über den so genannten Praxisschock, den junge Lehrerinnen und Lehrer erleiden. Den könnte man zumindest dadurch abmildern, dass sie in der Ausbildung nicht jahrelang von der Praxis völlig ferngehalten werden. Es bedarf daher in der Lehrerbildung einer besseren Verzahnung von erster (Universität), zweiter (Seminar) und dritter Phase (Fort- und Weiterbildung).

Kann unser Schulsystem so bleiben, wie es ist? Oder könnte es attraktiver sein?

Es könnte in der Tat attraktiver sein. Die strikte Trennung der Bildungsgänge und frühe Zuteilung der Kinder zu einem bestimmten Bildungsgang kann nicht das Ende der Schulgeschichte sein.

Der VBE hat daher im Jahr 2005 das Modell der Allgemeinen Sekundarschule vorgelegt, das ein längeres gemeinsames Lernen sicherstellt und inzwischen auf große Zustimmung stößt. Es trägt sowohl den demografischen Veränderungen als auch den Defiziten unseres Systems Rechnung, die die PISA-Studien aufgezeigt haben. Es lässt kein Abschulen mehr zu und geht von dem Grundsatz aus, dass ein Lehrerkollegium für alle Schülerinnen und Schüler bis zu deren erfolgreichem Abschluss verantwortlich ist. Es sorgt für mehr Bildungsgerechtigkeit und trägt dazu bei, die Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungschancen zu durchbrechen.

Weitere Informationen unter www.vbe-nrw.de

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