Von Arnd Zickgraf
Bei einer Flut von Schülerwettbewerben ist es für Lehrer nicht leicht, den passenden herauszuangeln. Welche Wettbewerbe gibt es? Das Angebot reicht von der kommerzorientierten Eintagsfliege bis hin zur Olympiade für die Top-Wissenschaftler von morgen.
Alles nur PR? „Die Teilnahme an Wettbewerben ist für Schulen der wirksamste Weg der Öffentlichkeitsarbeit“, urteilt PR-Beraterin Corinna E. A. Schütt. Auch Unternehmen nutzten das PR-Instrument Wettbewerb, um an ihrem Image zu feilen. Kein Wunder, dass fast im Monatstakt ein neuer Schülerwettbewerb entsteht. Heutzutage können Schulen aus einer Flut von Angeboten den für sie passenden herausfiltern. Alle Schülerwettbewerbe in Deutschland zusammengezählt, komme man auf über 300 Stück, sagt Achim Lipski, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe. Allerdings könne man aus diesem Pool die „Eintagsfliegen“, wie sie aus Anlass eines Firmenjubiläums ausgerichtet werden, und Wettbewerbe, die in erster Linie Werbung für den Veranstalter bezwecken, getrost abziehen. Problematisch seien ferner Wettbewerbe, deren Teilnahmegebühr freien Zugang für alle verhindere. Dann blieben aber jährlich noch rund 90 bis 140 „tatsächlich Ernst zu nehmende Wettbewerbe“, schätzt Lipski. Gute Schulen, sagt Wolfgang Beutel, Geschäftsführer des Vereins „Demokratisch Handeln“, nutzten solche Wettbewerbe auch als Turbo der Profilierung. Sie schärfen damit ihr Fachprofil und stellen besondere Leistungen zur Schau.
Gnade vor den Augen der KMK
Die Kultusministerkonferenz (KMK) empfiehlt rund 30 bundesweit ausgeschriebene Wettbewerbe – und zwar in vier Kategorien: 1. sprachlich-literarisch-künstlerische Wettbewerbe, 2. gesellschaftswissenschaftliche Wettbewerbe, 3. mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Wettbewerbe und 4. Sportwettbewerbe. Schülerwettbewerbe, die von der KMK anerkannt werden wollen, müssen strenge Maßstäbe erfüllen: sie müssen die Bildung und Erziehung, die Entfaltung von Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler anregen; sie sollen den Teilnehmenden den Austausch untereinander ermöglichen; sie sind nicht durch Startgeld beschränkt, auf Dauer angelegt und in der Finanzierung gesichert; die Jury ist mehrheitlich durch Mitglieder besetzt, die in keinem finanziellen Abhängigkeitsverhältnis zum Ausrichter stehen.
Olympia – Fachwissen ist alles
„Die Leistungskonkurrenz in Verbindung mit Anerkennung durch Preise ist das Grundmodell“, erklären Wolfgang Beutel und Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber Stiftung. Ihnen zufolge waren Schülerwettbewerbe früher überwiegend fachgebunden. So wie etwa die Internationalen Olympiaden in Mathematik, Physik, Chemie, Informatik und Biologie. Laut Lernpsychologe Heinz Neber von der Uni München kamen sie vor einigen Jahrzehnten auf Initiative der Länder Osteuropas zustande, heute werden sie unter anderem durch das Bundesbildungsministerium finanziert. Bei den Olympiaden können Schüler sich einem mehrstufigen Auswahlverfahren mit den weltbesten Jugendlichen in ihrer Disziplin messen. Für nicht wenige Preisträger war der Wettbewerb das Sprungbrett in eine wissenschaftliche Karriere und schließlich zum Lehrstuhl.
Deutscher Schulpreis: Auf zur Schule von morgen
Neue Wettbewerbstypen, wie der Deutsche Schulpreis, setzen direkt auf Schulentwicklung. Die Teilnehmer würden angehalten, sich über einen längeren Zeitraum in Gruppen mit einem Thema zu befassen, sagt Neber. Sie forcierten Teamarbeit. Außerdem würden sie zur Professionalisierung der betreuenden Lehrerinnen und Lehrer beitragen, indem die Wettbewerbe zusätzlich Fortbildungen, Akademie-Programmen, Best-Practice-Beispielen und wissenschaftlichen Dokumentationen aufwarten.
„Wir beteiligen uns nur selten an Wettbewerben und wenn, dann sollte es der Schulentwicklung zu Gute kommen“, bestätigt Gisela Gravelaar, die Leiterin der Wartburgschule in Münster. Ihre Schule hat den Deutschen Schulpreis 2008 gewonnen – sie strich für den Hauptpreis 100.000 Euro ein. Bei diesem erst seit 2006 von der Robert Bosch Stiftung, der Heidehof Stiftung und des Magazins Stern ausgelobten Wettbewerb geht es um die Schule als Ganze und ums Schulklima. Der Preis sieht außerdem vor, dass die Gewinner mit anderen ausgezeichneten Schulen über die Wettbewerbs-Akademie in Kontakt kommen: das war auch für das Kollegium aus Münster eine interessante Perspektive. Denn der Akademie gehören alle Preisträger fünf Jahre lang an. „Der Deutsche Schulpreis passt zu unserem Schulprogramm, weil die Aspekte ‚Verantwortung lernen’, ‚Umgang mit Vielfalt’ und eine ‚Kultur der Anerkennung’ seit über 30 Jahren Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit sind“, sagt Gravelaar. Rund 90 bis 100 Lehrer aus dem ganzen Bundesgebiet hospitieren seit dem Sieg Monat für Monat bei der Wartburgschule, um von den Besten des Schulpreises zu lernen. Die Schulleiterin hat sogar Einladungen für Bildungskonferenzen aus Kanada und Schanghai erhalten.
Weitere Informationen im Internet:
Schulische Wettbewerbe: http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schueler/Wettbewerbe/schulische_Wettbewerbe/index.html
Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe: http://www.bundeswettbewerbe.de/startseite/
Schulische Wettbewerbe – Deutscher Bildungsserver: http://www.bildungsserver.de/wettbew.html?monat=2&jahr=2010
Jugendwettbewerbe mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung: http://www.bmbf.de/de/432.php
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