Von Susanne Schnabel
Ungewohnte Arbeit für türkische Jugendliche: Sahne schlagen
Wirsing, Kürbisse und Pflaumen türmen sich auf den Ständen des Mönchengladbacher Wochenmarktes – das typisch herbstliche Angebot am Niederrhein. Da staunen die Schüler aus Istanbul, solche Obst- und Gemüsesorten haben sie noch nicht gesehen. „Nicht wundern, es ist ganz leise hier. Nicht zu vergleichen mit unseren lauten Bazaren“, erklärt Ugur Yilmaz, der als Dolmetscher die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren begleitet. Je elf Schülerinnen und Schüler des Franz-Meyers-Gymnasiums aus Mönchengladbach und des Istanbuler Gymnasiums Kartal Anadoli Lisesi machen Einkäufe für ein festliches Buffet. „Wir werden gemeinsam viele Klassiker der deutschen Küche kochen. Zum Beispiel Rinderbraten, Spätzle, Kartoffelpüree, Nudelsalat und Rotkohl“, sagt Lehrerin Anette Leuthen, die das Projekt betreut. Die Idee „Regionale Esskulturen in der Türkei und in Deutschland kennen lernen“ ist der Stuttgarter Robert Bosch-Stiftung knapp 9.000 Euro Wert.
Türkische Jungs lernen spülen
Erinnerungsfotos vom Mönchengladbacher Wochenmarkt
In Mamas Kochbüchern und im Internet haben die deutschen Schüler schon vor Wochen Rezepte rausgesucht, natürlich alles ohne Schweinefleisch und Alkohol. In kleinen türkisch-deutschen Gruppen bereiten die Jugendlichen in der Schulküche die Gerichte zu. „Wir lassen unsere Gastschüler alles abschmecken“, sagt der 18-jährige Fritz und ergänzt, dass die Zusammenarbeit am Kochtopf hervorragend funktioniere. Gemeinsames Kartoffelschälen verbindet. Die Stimmung zwischen den Schülern wird immer lockerer: Es wird erzählt, gelacht und alle packen fleißig mit an. „Wir werden zu Hause für unsere Eltern ein paar Gerichte nachkochen“, sagen Betül und Asli. Zum ersten Mal kommen einige der türkischen Jungs in den Genuss, Geschirr zu spülen. „Die haben bei uns den Abwasch gelernt und werden nach dem Essen noch viel mehr spülen“, sagt Annette Leuthen schmunzelnd.
„Ihre Kinder sind auch unsere Kinder“
Lehrer Karl-Josef Striebe (links) serviert Dolmetscher Ugur Yilmaz Tomatensuppe
Zum großen Festbankett sind Eltern, Geschwister, Lehrer, Organisatoren und einige Ehrengäste eingeladen in das herbstlich geschmückte Pädagogische Zentrum des Franz-Meyers-Gymnasiums. Stolz bauen die Schüler das Buffet auf und freuen sich, dass ihre knapp 70 Gäste kräftig zulangen. Klaus Schmitz, Integrationsbeauftragter der Stadt Mönchengladbach, ist beeindruckt vom Einsatz der Schüler. „Das ist ein völkerverbindender Ansatz. Derartige Begegnungen junger Menschen dienen dazu, den Frieden in dieser Stadt und auch weltweit zu erhalten.“ Mustafa Dedebaş, Leiter des Istanbuler Gymnasiums ist zum ersten Mal in Deutschland und gibt zu, dass er gewisse Vorurteile hatte. „Was ich in diesen Tagen erlebt habe, hat mich umgehauen – diese Herzlichkeit, mit der die Gruppe empfangen wurde.“ Er freut sich auf den Gegenbesuch der deutschen Schüler und verspricht deren Eltern: „Machen Sie sich keine Sorgen, Ihre Kinder sind auch unsere Kinder.“
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