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Gesamtschule Weilerswist kooperiert mit "Hand-in-Hand-Schule" in Jerusalem

Von Christina Lüdeke

Foto: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit Kindern der Hand-in-Hand-Schule Jerusalem Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit Kindern der Hand-in-Hand-Schule Jerusalem

"Diese Partnerschaft ist schon etwas Außergewöhnliches", betont Karl-Josef Werner Bergner, der Schulleiter der Gesamtschule Weilerswist im Kreis Euskirchen. Bei dem aktuellen Besuch von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Schulministerin Barbara Sommer in Israel wurde die Kooperation seiner Schule mit der Max-Rayne Hand-in-Hand School in Jerusalem besiegelt. Geplant sind regelmäßige Kontakte, zum Beispiel über Internet-Chats, sowie gegenseitige Besuche. "Es soll ein wirklicher Austausch stattfinden zwischen Schülerinnen und Schülern der unterschiedlichen Kulturen und Religionen", sagt Bergner. Denn die Hand-in-Hand School ist eine ganz besondere Schule: Hier lernen jüdische, christliche und muslimische Kinder gemeinsam, unterrichtet wird sowohl von jüdischen als auch von arabischen Lehrern. Auch die Feiertage aller drei Religionen werden gleichberechtigt begangen; Toleranz gegenüber den Angehörigen anderer Kulturen wird im Alltag gelebt. Genau hier sieht Bergner durchaus Parallelen zu seiner Schule. "Auch bei uns werden Kinder unterschiedlicher Herkunft unterrichtet, und wir versuchen, die verschiedenen Kulturen zu verbinden", sagt er. "Viele Grundstrukturen sind dadurch durchaus ähnlich."

Wunsch nach Partnerschaft entstand auf Studienfahrt  

Foto: Gesamtschule Weilerswist Gesamtschule Weilerswist

Dabei hat sich die Gesamtschule Weilerswist bereits kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1992 immer wieder auch mit dem Judentum auseinandergesetzt. Schulleiter Bergner war 1993 gemeinsam mit einem Kollegen auf Studienfahrt in Israel. Dort schon entstand der Wunsch nach einer israelischen Partnerschule; das ließ sich damals allerdings noch nicht umsetzen. "Danach haben wir uns auf Spurensuche jüdischen Lebens in Weilerswist begeben", erzählt der Direktor. Im Verbund mit den evangelischen und katholischen Kirchen vor Ort setzte es sich die Schule zum Ziel, jedes Jahr am 9. November an die Zerstörung jüdischer Einrichtungen durch die Nationalsozialisten und die Vernichtung jüdischen Lebens zu erinnern. 1993 gab es aus diesem Anlass einen Lichterzug. "Seither ist es immer Aufgabe der 7. Klassen, jedes Jahr eine kleine Veranstaltung wider das Vergessen vorzubereiten." Dabei geht es zum einen um eine Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, aber auch um den Rechtsradikalismus der Gegenwart. Für dieses Jahr hat die Schule bereits mehrere Veranstaltungen zu dem Thema auf dem Plan. Zum einen haben Jugendliche eine Ausstellung zur Ordensburg Vogelsang, der so genannten Denkfabrik der NS-Ideologie, vorbereitet. Zum anderen wird im Herbst der Künstler Gunter Demnig in Weilerswist auf Anregung der Schule "Stolpersteine" an den Orten verlegen, an denen während der NS-Zeit jüdische Mitbürger lebten. Dabei ist der Blick der Schule keineswegs nur rückwärts gewandt: "Uns geht es immer auch um die Frage, was kann man aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen", sagt der Schulleiter. So sei die jetzt besiegelte Partnerschaft mit der Hand-in-Hand School gewissermaßen eine Fortführung des bisherigen Engagements. "Nur eben mit dem Blick nach vorn."

Kooperationsvertrag übergeben 

Die genaue inhaltliche Ausgestaltung der Kooperation soll jetzt gemeinsam mit Kollegium und Schulpflegschaft erarbeitet werden. Bisher waren es außer dem Schulleiter noch vier Lehrerinnen und Lehrer, die sich der Thematik vorwiegend angenommen hatten.

Foto: Besuch der Sha `ar HaNegev Highschool. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Landrat Aharon Schuster, Ministerin Barbara Sommer Besuch der Sha `ar HaNegev Highschool. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Landrat Aharon Schuster, Ministerin Barbara Sommer

Eine der Kolleginnen, Stephanie Overhage, konnte jetzt in Jerusalem als Abgesandte der Schule den Kooperationsvertrag übergeben. Für die Schule ein tolles Ereignis, das der Beschäftigung mit dem Thema einen regelrechten Schub versetzte. "Jetzt wollen wir das in die Fläche bringen", wünscht sich Bergner. Nach den Sommerferien soll sich eine Arbeitsgemeinschaft aus Schülern etwa ab Klasse zehn zusammenfinden, die - übrigens in englischer Sprache - den regelmäßigen Kontakt zu den Jugendlichen in Israel pflegt. Wenn alles klappt, könnte um Ostern herum eine erste Austauschgruppe aus Weilerswist nach Jerusalem reisen. Mindestens sieben Tage soll ein solcher Besuch dauern. Aber auch längere Aufenthalte von bis zu einem Jahr sind laut Kooperationsvertrag möglich. Doch das ist noch Zukunftsmusik, so Bergner. "Erst einmal brauchen wir noch Sponsoren, damit wir den Schülern helfen können, die Reise nach Israel überhaupt zu finanzieren."

Die Homepage der Gesamtschule Weilerswist finden Sie hier: http://www.ge-weilerswist.de/
In englischer Sprache können Sie sich über die israelischen "Hand-in-Hand Schools" auf deren Homepage informieren: http://www.handinhand12.org/

 

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