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Im Projekt 'Schulschiedsstellen' wird daher das Ziel verfolgt, durch Einwirkung Gleichaltriger da präventiv zu wirken, wo Schülerinnen und Schüler im schulischen Rahmen Regelverletzungen begehen und damit Ansätze von deviantem Verhalten zeigen. Durch das 'Urteil' der Peers wird den jungen Menschen signalisiert, dass auch aus der Sicht der Gleichaltrigen ein gezeigtes Fehlverhalten nicht akzeptabel und dass eine Änderung des Verhaltens erforderlich ist. Die Arbeit der Schulschiedsstellen kann insofern als Anstoß zu einem Umdenken der Kinder und Jugendlichen verstanden werden. Die Schule kann dann diesen Anstoß nutzen, um die Schülerin/den Schüler weiter auf dem Weg zu einem adäquaten Verhalten zu begleiten. Es gilt aber darauf zu achten, dass die Schulen nicht versuchen, durch die Schulschiedsstellen Probleme 'abzugeben', sondern die Einrichtung als Ergänzung des erzieherischen Maßnahmerepertoirs zu sehen. Das Projekt wurde mit Beginn des Schuljahres 2006/2007 zunächst an 10 Schulen im Lande Nordrhein-Westfalen eingeführt. Dabei wurden in den fünf Regierungsbezirken jeweils zwei Standorte ausgewählt: jeweils ein Standort in einem Flächenkreis und jeweils ein Standort in einer größeren Stadt. Sukzessive wurde die Zahl der Standorte erweitert, so dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwa 30 Schulschiedsstellen im Land arbeiten. Die Schulschiedsstellen sind außerhalb der Schule im Schulamt angesiedelt. Den Kindern und Jugendlichen wird damit signalisiert, dass regelkonformes, sozial verträgliches Verhalten der Schule sehr wichtig ist und zur Erreichung dieses Ziels auch außerschulische Unterstützung genutzt wird. Zur Sicherung der bisherigen Erfahrungen wurde in Abstimmung mit den Kommunalen Spitzenverbänden eine fragebogengestützte Evaluation der Schulschiedsstellen vorgenommen. Dazu wurden drei Fragebögen eingesetzt: einer zur Bewertung der Ergebnisse der Verhandlungen der Schulschiedsstellen, einer zur Bewertung der Schulschiedsstellen durch Schulen, die diese nicht nutzen, und einer zur Erhebung der Belastung der Schulämter durch die Schulschiedsstellen. Eine Befragung von Schülerinnen und Schülern, die in Schulschiedsstellen überwiesen wurden, konnte wegen des hohen Aufwandes nicht durchgeführt werden, soll aber in der nächsten Zeit nachgeholt werden. Zu untersuchen war mit der Evaluation, Zu klären war aber auch Zu diesem Zweck wurden drei Gruppen zu den Schulschiedsstellen befragt:
A. Ergebnisse der Befragung zu den Erfahrungen von Schulleitungen und Lehrkräften mit den Schulschiedsstellen Die Schulschiedsstellen wurden im Zeitraum vom November 2008 bis zum Februar 2010 von folgenden Schulformen angerufen: |
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73 % der überwiesenen Kinder und Jugendlichen waren Jungen, 27 % Mädchen. Der Altersschwerpunkt der Betroffenen lag bei der Altersgruppe 15 und 16 Jahre mit 50 %, gefolgt von 31 % der Kinder im Alter von 13 und 14 Jahren. 11 % der geladenen Schülerinnen und Schüler erschienen nicht zur Verhandlung. Anlass für die Anrufung der Schulschiedsstelle waren (Mehrfachnennungen waren möglich): |
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Die Schulen wurden befragt, ob die Schülerinnen und Schüler nach der Verhandlung über den Verlauf der Sitzung berichtet haben. Da, wo dies geschehen ist, haben die Kinder und Jugendlichen zu 65 % gesagt, die Verhandlung habe sie beeindruckt bzw. eher beeindruckt. 64 % aller Schülerinnen und Schüler zeigten nach Auskunft der Lehrkräfte bzw. Schulleitungen nach dem Besuch der Schulschiedsstelle eine Verhaltensänderung, die bei 61 % dieser Gruppe sehr stark oder stark ausfiel. Diese Verhaltensänderung war nur bei 10 % nach einiger Zeit nicht mehr erkennbar. Die Gruppe der 14- und 15-Jährigen zeigte sich nach Aussagen der Schulen von den Schulschiedsstellen dabei weniger beeindruckt (50% Verhaltensänderungen) als alle anderen Altersgruppen mit jeweils über 70 %. Zwischen Jungen und Mädchen konnten in dieser Frage keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Als über die unmittelbar intendierten Verhaltensänderungen hinaus beobachtete Änderungen gaben Schulleitungen bzw. Lehrkräfte z.B. an: „Konzentration auf Lernen/Unterricht/Abschluss“, „Respektvoller Umgang mit Lehrkraft“, „hält sich mehr zurück beim Blödsinn machen“, „Verbesserung der Umgangsformen“. Demnach wird deutlich, dass die Gleichaltrigen in den Schulschiedsstellen bei den Kindern und Jugendlichen einen intensiven Eindruck hinterlassen haben, der ein Umdenken und Verhaltensänderungen hervorgerufen hat. Diese Erfahrungen korrespondieren mit den Motiven der Schulen, die Schulschiedsstellen einzuschalten: 82 % der Schulen halten den Ansatz der Peer-Education für überzeugend. Gleichzeitig berichten 58 %, andere pädagogische Einwirkungen oder Ordnungsmaßnahmen seien bisher wirkungslos gewesen. Hier wird den Schulschiedsstellen attestiert, dass ihnen eine größere Wirksamkeit als den bisherigen schulinternen Aktivitäten zugetraut wird. Tatsächlich erreichte die Verhandlung in der Schulschiedsstelle bei 63 % dieser Gruppe bisheriger erfolgloser Intervention eine Verhaltensänderung. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen beurteilen 83 % aller befragten Schulen das Konzept der Schulschiedsstelle als sehr bzw. weitgehend sinnvoll. Bei der Beurteilung der Schulschiedsstellen sind Unterschiede zwischen den Schulformen festzustellen. Die Hauptschulen, die den weitaus größten Teil der Klienten der Schulschiedsstellen stellen, beurteilen diese recht positiv. Beeindruckt bzw. eher beeindruckt zeigten sich 71 % der Schülerinnen und Schüler, 58 % zeigten Verhaltensänderungen, die zu 68 % stark bzw. sehr stark ausgeprägt waren und auch nach einiger Zeit noch zu 92 % erkennbar waren. Die befragten Hauptschulen beurteilten das Konzept der Schulschiedsstellen zu 81 % als sehr bzw. weitgehend sinnvoll. Während die Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien Verhaltensänderungen bei den Kindern und Jugendlichen feststellten, die sich vor den Schulschiedsstellen verantworten mussten, zeigten sich in überdurchschnittlichem Ausmaß die Schülerinnen und Schüler der Förderschulen von den Verhandlungen nicht beeindruckt (67 % im Vergleich zu 13 % insgesamt). Bei 50 % (37 %) kam es nicht zu Verhaltensänderungen. Die festgestellten Verhaltensänderungen waren zu 33 % (10%) nach einiger Zeit nicht mehr erkennbar. Hier zeigt sich, dass die Schiedsstellen angesichts der komplexen Problemlagen der Schülerinnen und Schüler von Förderschulen offenbar deutlich schwerer erfolgreich agieren können. Dennoch beurteilen 75 % der befragten Schulen das Konzept der Schulschiedsstellen als sehr oder weitgehend sinnvoll. Die positive Bewertung der Schulschiedsstellen wird bestätigt durch eine Diplomarbeit an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bielefeld . Hiernach berichten Schulleitungen bzw. Lehrkräfte und Sozialpädagogen ebenfalls von Verhaltensänderungen bei 62 % der Schülerinnen und Schüler, die an einer Verhandlung teilgenommen haben. Auch hier wird berichtet, dass verbesserte Mitarbeit im Unterricht, verbessertes Lernverhalten und allgemein ruhigeres Verhalten festzustellen waren. In dieser Diplomarbeit wurden auch die Kinder und Jugendlichen selbst nach ihren Erfahrungen mit der Schulschiedsstelle befragt. Danach würden 70 % der Schülerinnen und Schüler ihren Freunden raten, eine Schulschiedsstelle aufzusuchen, 20 % konnten sich nicht entscheiden, nur 10 % würden eine Teilkonferenz bevorzugen. Ähnliche Einschätzungen liegen in Einzelberichten auch dem Ministerium für Schule und Weiterbildung vor. So sagte ein Schüler nach der Sitzung, dass er sehr fair behandelt worden sei. Er habe es als sehr positiv aufgenommen, dass er nicht abgestraft worden sei, sondern dass alle sehr gleichberechtigt behandelt wurden. Ebenso habe er sich sehr ernst genommen gefühlt. Diese Ergebnisse werden auch gestützt durch den Bericht des Schulrates in einem Schulschiedsstellen-Bezirk: “Die Ergebnisse dieser ersten Runde machen jedoch großen Mut, war doch in allen Verhandlungen deutlich spürbar, dass der erzieherische Einfluss durch Gleichaltrige eine größere Effizienz hatte als der durch Erwachsene. Die Ernsthaftigkeit bei allen Beteiligten - Mitgliedern der Schulschiedsstellen wie Beschuldigten -, die professionellen Vorgehensweisen der Mitglieder der Schulschiedsstellen, die deutliche Akzeptanz von Beschlüssen bei den Beschuldigten, die klare Positionierung der Eltern und/oder Erziehungsberechtigten zur Unterstützung der Beschlussfassungen der Schiedsstellen ( und nicht wie oft in Schule gegen die Lehrer und die Schule insgesamt), aber auch das große Engagement der sozialpädagogischen Begleitungen haben uns nach der Einschätzung aller aktiver Mitarbeiter ein großes Stück in unserem Bemühen, Kindern und Jugendlichen in problematischen Lebensphasen zu helfen, vorangebracht.“ Die Befragung der Schulen zur Wirkung der Ausbildung der Mitglieder der Schulschiedsstellen ergab, dass insbesondere folgende Effekte beobachtet wurden: Sie/er ist selbstsicherer geworden (70%), sie/er engagiert sich mehr im Schulleben (42 %), sie/er zeigt insgesamt ein positiveres Sozialverhalten (33%), sie/er zeigt mehr Engagement im Unterricht (24%). B. Ergebnis der Befragung von Schulleitungen der Schulen, die die Schulschiedsstellen nicht nutzen Angesichts der guten Erfahrungen mit den Schulschiedsstellen ist die Frage zu stellen, weshalb die Schulen so wenig auf dieses Instrument zurückgreifen. Auffällig ist insbesondere eine geringe Nutzung der Schulschiedsstellen durch Gymnasien und Gesamtschulen. Die Schulleitungen halten sich zu 82% für gut über das Projekt informiert und beurteilen es zu 37 % als sinnvoll bzw. weitgehend sinnvoll. Eine direkte Ablehnung des Konzepts äußerten 20 %. Dass sie die Schulschiedsstellen nicht nutzen, begründen die Schulen folgendermaßen:
Freie Kommentare zielten zu mehr als zwei Drittel ebenfalls darauf, dass keine Unterstützung von außen benötigt werde, da die Schule eigene gute Programme zur Verfügung habe. Hier wird deutlich, dass diesen Schulen das Konzept mit seinem Peer-Education-Ansatz offenbar nicht deutlich wurde. Die guten Erfahrungen konnten bisher nicht hinreichend kommuniziert werden. Schulformspezifisch konnten hier keine besonders auffälligen Werte festgestellt werden. C. Ergebnis der Befragung der Schulämter Die Schulämter teilen eine durchschnittliche Fallzahl von 10,5 mit. Der Durchschnittswert der anberaumten, aber ausgefallenen Sitzungen beträgt 1,6, wobei ein Schulamt mit 13 von 29 ausgefallenen Verhandlungen hervorsticht, in dem besonders viele Fälle von Schwänzen verhandelt wurden. Der durchschnittliche Aufwand wird mit 1,6 Stunden pro Fall angegeben. Dabei benötigt ein Schulamt 4, eines nur 0,75 Stunden pro Fall. Im Durchschnitt wurde in den Schulämtern 10 mal ein Raum für die Schulschiedsstelle für durchschnittlich 1,8 Stunden benötigt. Vier Schulämter gaben (kalkulatorische) Kosten zwischen 1 und 35 € für diese Raumnutzung an, die anderen bezifferten die Kosten mit 0 €. 22 % der Schulämter gaben an, zusätzliches Personal im Umfang von 1 bis 3 Stunden benötigt zu haben. Die übrigen verneinten diese Frage. Alle Schulämter äußerten, dass der ihnen für die laufenden Kosten der Schulschiedsstellen angewiesene Betrag von 200 – 300 € ausreichend war. D. Fazit Die in dieser Fragebogenerhebung deutlich werdenden Erfahrungen und Wirkungen der Schulschiedsstellen sind, trotz der geringen Fallzahlen, ermutigend. Das Anliegen der Schulschiedsstellen, durch Gleichaltrige junge Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, kann durchaus als sinnvoll und erfolgreich bezeichnet werden. Es wird allerdings darauf ankommen, im weiteren Verlauf die positiven Möglichkeiten des Ansatzes stärker in das Bewusstsein von Lehrkräften und Schulleitungen zu heben und so zu einer Ausweitung der Fallzahlen zu kommen. Nicht unerwähnt bleiben darf der positive Effekt auf die Mitglieder der Schulschiedsstellen. Hier haben junge Menschen vielfache Erfahrungen gemacht (und auch Sachverhalte gelernt), die ihnen in ihrem weiteren Lebensweg von Nutzen sein können.
Nähere Informationen über die Schulschiedsstellen erhalten sie bei folgenden Personen: |
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