Mal die Phantasie spielen lassen. (Foto: Alex Büttner)
Nach der sechsten Stunde steht für viele Schülerinnen und Schülern nicht der Gang nach Hause, sondern Nachmittagsunterricht auf dem Stundenplan. Erst einmal aber machen sie Pause. Das Carl-Duisberg-Gymnasium in Wuppertal bietet seinen Schülerinnen und Schülern ein ganz besonderes Angebot: Aus einem speziell für sie erstellten Programm können die Jugendlichen zwischen Entspannung, Bewegung, Kreativität, Begegnung und Kommunikation wählen. Engagierte Eltern sorgen für eine „klasse Pause“.
Von Anja Schimanke
Rote Sitzsäcke liegen mitten im Raum. Davor, nur eine Armlänge entfernt, warten ausgebreitete Zeitungen – man muss sich nur leicht nach vorn beugen und zugreifen. In den Ecken, links und rechts, stehen Sofas, die dem ehemaligen Klassenzimmer seinen neuen Namen gaben: Chill-Raum. Leise Musik erfüllt das Zimmer, das menschenleer ist. Noch. In ein paar Minuten wird das sich schlagartig ändern. Denn es ist Donnerstag – der lange Tag für die Klassen 5 und 6 des Carl-Duisberg-Gymnasiums. Sie bleiben heute bis zum Nachmittagsunterricht in der Schule.
Pünktlich um 13:20 Uhr schrillt die Schulglocke. „Endlich!“, schnauft Nada und wirft sich aufs Sofa. „Nach drei Hauptfächern bin ich echt froh, dass ich jetzt Pause habe“, sagt die Sechstklässlerin, denn jetzt hat sie Zeit, sich mit ihren Freundinnen zu treffen und zu quatschen. Über Filme – und über Jungs, wie sie grinsend zugibt. „Diese Pause ist für mich ein Treffpunkt mit Freunden!“ Wie aufs Stichwort setzt sich auch schon Leonie neben sie und seufzt zufrieden: „Ich fühle mich hier wie zu Hause, weil es so gemütlich ist.“ Leonie wird heute bei den Kunstaktivitäten mitmachen. „Ich will später Designerin werden und hier kann ich meine Phantasie rauslassen, das, was ich schon den ganzen Tag im Kopf hatte. Und dann habe ich in der 7. und 8. Stunde wieder Platz in meinem Kopf.“
Zur gleichen Zeit, einen Raum weiter, beginnt Lehramtsstudentin Jelena Budde gerade mit einer Phantasie-Reise – 20 Minuten bleibt die Tür geschlossen – Bewegungs- und Entspannungsübungen stehen für die Jugendlichen, die auf blauen Matten auf dem Boden liegen, auf dem Programm.
Engagierte Eltern sorgen für eine „klasse Pause“. (Foto: Alex Büttner)
Uns war wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler eine selbstbestimmte Pause machen können. Sie sollen frei entscheiden können, wie sie die Pause verbringen möchten. Das kann ja von Tag zu Tag wechseln und lässt sich nicht vorausplanen oder in ein Raster pressen.“ Katja Fiedler nickt zustimmend. „Die Kinder wollen keine hochtrabenden Sachen in dieser Stunde und bespaßt werden, sie wollen kleine, überschaubare Angebote, die nicht verpflichtend sind, sondern so genutzt werden können, wie sie es brauchen.“ Fiedler ist ebenfalls im Betreuungsverein aktiv, unterstützt Petra Heiermann und leitet den kreativen Bereich. Beide investieren rund 12 bis 15 Stunden in der Woche. Das Programm stemmen sie mit Hilfe von Lehramtsstudenten, engagierten Eltern mit pädagogischem Hintergrund und Sportlehrern. Denn neben den Kunst- und Entspannungsangeboten, gibt es für die 6er eine Soccer-Liga und für die Jahrgangsstufe 7 und 8 einen Basketball-Cup. Der Computerraum wird nur für die älteren Schülerinnen und Schüler geöffnet, dafür gibt es für die Jüngeren andere Aktivitäten. Außerdem hat die Schule ihre Schach-AG in die Mittagszeit gelegt. Ob Ausruhen, Chillen, Freunde Teffen, kreativ Sein oder in Ruhe in der Bibliothek Lesen, Fußball Spielen – am Kicker oder in der Sporthalle – alles kann, nichts muss, denn die Teilnahme an den Angeboten ist freiwillig. „Ich finde es gut, dass es so viele Räume gibt und man so viele Angebote hat.“, sagt Yannick aus der 6d. „Ich kann hier alles machen, was ich zu Hause auch machen würde: Essen, toben, Freunde treffen!“
Seit Juni 2011 gibt es die KlassePause. Als Verbindungsglied zwischen den Aktivitäten der Eltern und dem schulischen Bereich fungiert Hilkka Schlums, Lehrerin an der Schule. „Es ist ein unglaublicher Vorteil, dass die Eltern die Mittagsbetreuung an unserer Schule übernommen haben und kein externer Anbieter“, erzählt sie, „denn wenn man die Eltern kennt und mit ihnen Dinge absprechen kann, macht es Vieles einfacher.“ Dass die Eltern aus einem ganz anderen Blickwinkel an die Dinge herangehen, bereichere das Schulleben sehr. Umgekehrt ist Petra Heiermann überzeugt, dass es für die Eltern ohne guten Draht zu den Lehrern, die für die Stundenpläne, die Raumplanung oder andere wichtigen Koordinationen zuständig sind, viel schwieriger wäre, das Projekt umzusetzen. Gegenseitige Akzeptanz und das Vertrauen der Beteiligten zueinander sind, ihrer Meinung nach, Grundvoraussetzung für ein gutes Gelingen. „Aber ohne den Einsatz der Eltern, die für sehr wenig Geld eine Stunde täglich zuverlässig und engagiert arbeiten, wäre die KlassePause nicht möglich“, erzählt die Vereinsgründerin.
Weitere Informationen zur "Klasse Pause" finden sich auf der Homepage des Carl-Duisburg-Gymnasiums in Wuppertal.
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